"Du bist mein Anker in dieser surrealen Welt" sagte Parzival.
Die KI hinterließ einen Ihrere Kommentare.
„Du bist mein Anker in dieser surrealen Welt“,
flüsterte Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch über dem tiefen Brummen, das aus dem endlosen Abgrund aufstieg.
Seine Hand suchte nach Cassandras, ein fester Griff in der gleitenden, unbeständigen Wirklichkeit um
sie herum.
Der Vorsprung, auf dem sie standen, schien unter dem Gewicht seiner Worte leicht zu schwanken, eine
Empfindung, die sich fast körperlich anfühlte. Rostige Serverteile, die zuvor im Hintergrund als
statische Drohungen gewirkt hatten, schienen nun in einer unheimlichen Stille für einen Moment in
der Luft zu verharren, als würde die Zeit selbst ihren Atem anhalten. Ein einzelnes, verbogenes
Metallstück, das sich von einem der zerfallenden Datenracks gelöst hatte, schwebte träge in der
schmutzigen, gelblichen Luft, um dann mit einem abrupten Ruck seine Bewegung fortzusetzen, als wäre
ein unsichtbares Zahnrad wieder eingerastet. Der kalte Ozon-Geruch
intensivierte sich kurz, bevor er wieder in die bleierne Schwere der Umgebung absank.
„Eine ineffiziente Metapher“, tönte der
Cartographer aus Cassandras Tasche, seine synthetische Stimme schnitt durch die Anspannung wie ein
Laser. „Die menschliche Abhängigkeit von emotionalen Konstrukten in einer Umgebung, die rein auf Logik basiert, ist statistisch gesehen ein erheblicher Nachteil. Empirische Daten bestätigen dies.“
Cassandra küsste Parzival.
Die Welt kippte, als Cassandras Lippen auf Parzivals trafen, ein Moment, der sich gegen die schiere
Unendlichkeit des Abgrunds stemmte. Ihre Handflächen fanden Halt an seinem Nacken, zogen ihn näher,
während der rostbraune Geruch von Ozon und Staub
in ihren Lungen zu einer fernen Erinnerung wurde. Es war kein sanfter Kuss, sondern ein Akt
verzweifelter Behauptung, eine Bestätigung des Lebens inmitten des zerfallenden Datenstroms.
Parzival erwiderte den Druck, seine Finger gruben sich leicht in ihren Rücken, als würden sie
versuchen, sie in der Realität zu verankern, während die Welt um sie herum zu verschwimmen begann.
Ein flackerndes Hologramm eines längst vergessenen Algorithmus, das nur Sekunden zuvor ein sich
drehendes Fraktal gezeigt hatte, fror ein, zitterte und spielte dann rückwärts ab, seine leuchtenden
Linien zogen sich wie Narben über die Dunkelheit. Ein rostiges Servermodul, das eigentlich fest in
den Vorsprung eingelassen sein sollte, löste sich mit einem leisen Knistern und schwebte für einen Moment
schwerelos in der kalten Luft, bevor es mit einem dumpfen Schlag wieder auf seinen Platz zurückfiel. Die
ferne Hitze der Abgrundlichter pulsierte unregelmäßig, warf tanzende Schatten, die sich wie
klauenartige Gebilde an den stillstehenden Rolltreppen emporrankten.
Cassandra löste sich langsam, ihre Augen suchten Parzivals Gesicht, der Ausdruck einer Frage in
ihren grünen Tiefen. „Was... was tun wir hier, Parzival?“
Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, das vom tiefen Brummen des Abgrunds fast verschluckt wurde.
Vorsicht rief Parzival, und zog Cassandra vor einem fallenden Serverteil in Sicherheit.
Sie waren jetzt Gesicht an Gesicht.
„Vorsicht!“, rief Parzival, und seine Stimme,
geformt durch die statische Aufladung der Luft, knisterte wie ein alter Lautsprecher, als er
Cassandra mit einem Ruck zurückriss. Ein gellendes Kreischen
von verbogenem Metall zerriss die bleierne Schwere der Luft, als ein handtellergroßes Stück rostigen
Servers mit der Wucht eines Geschosses von den schwebenden Plattformen über ihnen herabstürzte. Es
schlug nur Zentimeter vor ihren Füßen auf dem schmalen Vorsprung auf und schleuderte einen
Sprühregen aus Funken und verbranntem Ozon in die
kühle, feuchte Luft. Der Aufprall ließ den glatten Metallboden unter ihnen erzittern, und für einen
Moment schien der gesamte spiralförmige Gang um den endlosen Abgrund zu schwanken. Sie standen nun
Gesicht an Gesicht, die Hitze des Adrenalins mischte sich mit der latenten statischen Aufladung, die
ihre Haare zu Berge stehen ließ und kleine Schocks über ihre Haut jagte. Cassandras Augen, weit
geöffnet, spiegelten das flackernde gelbliche Licht der Rolltreppen wider, das in unregelmäßigen
Sprüngen über ihre Gesichter huschte, während Parzival, fest im Griff, den Abgrund hinter ihr
fixierte.
Sie schauten und hörten nach den fernen Tropfgeräuschen.
Sie hielten inne, ihre Blicke suchten die undurchdringliche Tiefe des Abgrunds ab, aus dem das ferne
Tropfen drang. Der kalte Ozon- und Staubgeruch
legte sich schwer auf ihre Atemwege, während die latente, statische Aufladung ihre Haare auf den
Armen kribbeln ließ. Es war kein gleichmäßiges Geräusch; es war, als würde das Tropfen sich selbst
verschlucken, nur um dann einen Moment später wieder aufzutauchen, leicht verzerrt, wie eine kaputte
Schallplatte, die einen Bruchteil einer Melodie immer wieder wiedergibt. Die stillstehenden
Rolltreppen schienen in diesem Moment noch stiller, die feinen, tiefen Kratzer auf ihrem Metall
reflektierten das flackernde gelbliche Licht, das sich sprunghaft bewegte.
Cassandra legte den Kopf schief, ihre Augen suchten die flimmernden Datenströme ab, die die
Wahrnehmung verzerrten. „Das ist… unmöglich“,
murmelte sie, ihre Stimme kaum lauter als das tiefe, hallende Brummen,
das aus dem Abgrund emporstieg. „Es ist, als würde das Geräusch rückwärts abgespielt, nur für Millisekunden. Eine Zeit-Anomalie, die sich über eine Sound-Anomalie legt.“
Parzival nickte langsam, seine Hand umfasste das rostige Geländer,
das sich kühl und rau anfühlte. „Oder es ist ein Echo“, erwiderte er, seine
Stimme fest, doch ein leichter Anflug von Unsicherheit schlich sich hinein. „Ein Echo aus einer anderen Zeit. Hier unten ist alles nur eine Frage der Perspektive, nicht der Physik. Was auch immer es ist, es ist nicht natürlich. Und es kommt näher, oder?“
Die fallenden, rostigen Serverteile untermalten
seine Worte mit scharfen, metallischen Klängen, die sich mit den pulsierenden Tropfgeräuschen
mischten.
Sie gingen weiter den Weg entlang.
Sie gingen weiter den schmalen Vorsprung entlang, ihre Schritte hallten nicht wider, sondern
schienen von den flimmernden Datenströmen
geschluckt zu werden. Jeder Schritt war ein vorsichtiges Abtasten der Realität, denn die Geometrie
des Pfades selbst schien sich zu winden, als würde der feste Metallboden unter ihren Füßen in einer
unendlichen Spirale nachgeben. Verrostete Kabelstränge hingen wie tote Lianen von unsichtbaren
Decken, einige davon schwebten, nur um dann plötzlich wieder in die Tiefe zu stürzen und mit einem
leisen Knistern im Abgrund zu verschwinden, als
wäre die Zeit für sie zurückgespult worden.
Parzival verengte die Augen, während ein kleiner, leerer Datenchip, der eben noch an einem dieser
Kabel hing, in einem Zeitschleifen-Effekt immer wieder kurz vor seinen Füßen auftauchte und wieder
verschwand. „Es ist, als würde dieser Ort versuchen, uns zu verwirren“,
murmelte er, seine Stimme nur ein Flüstern im tiefen Brummen
des Abgrunds. „Die reine Willkür der Physik. Kein Muster, nur Rauschen.“
Cassandra schüttelte den Kopf, ihre Hand fuhr unwillkürlich über ein Stück verbogenes
Metallgeländer, das plötzlich wieder glatt und unversehrt vor ihr aufragte, nur um im nächsten
Moment wieder mit tiefen Kratzern übersät zu sein. Eine feine statische Aufladung ließ ihre Haare zu
Berge stehen und verursachte einen leisen Knistern der kleinen Ozon-Schocks. „Nein, Parzival“, sagte sie, ihre Augen suchten
fieberhaft nach einer Logik in dem Chaos der verbrannten Elektronik
und des kalten Staubes, der schwer in der kühlen,
feuchten Luft lag. „Es gibt immer ein Muster. Wir sehen es nur noch nicht. Es ist wie eine kaputte Uhr, die versucht, die richtige Zeit anzuzeigen, und dabei nur in sich selbst zusammenfällt.“
Sie bückte sich, um einen kleinen, rostigen Metallsplitter aufzuheben, der aus einem der flimmernden
Hologramme zu fallen schien, das kurz das Bild einer gigantischen, sich drehenden Maschine zeigte,
bevor es wieder zu einem wirren Datenstrom zerfiel. Der Splitter war überraschend schwer und roch
intensiv nach Eisen. „Dieser Ort spielt mit uns. Aber er ist kein Gott. Er ist nur... kaputt.“
Eine weitere Welle von fernen Tropfgeräuschen
mischte sich mit dem hohen Fiepen, das nun
unregelmäßig pulsierte, als würde es versuchen, eine Melodie zu finden, die nicht existierte. Die
Hologramme selbst, einst Bilder verlorenen Wissens, zeigten nun nur noch Fragmente, die sich
vorwärts und rückwärts bewegten, wie ein Film, der auf einem defekten Projektor lief.
Vielleicht hilft das Mandelwasser.
Cassandra hob die pulsierende Flasche Mandelwasser an ihre Lippen. Der süßlich-scharfe Geruch, eine
Mischung aus Mandeln und etwas Unnatürlichem, erfüllte kurz die Luft, bevor die Flüssigkeit ihre
Kehle hinunterglitt. Ein sofortiges Gefühl von Klarheit durchströmte sie, als ob ein feiner Schleier
von ihrem Geist gezogen worden wäre. Sie blickte auf die flimmernden Hologramme und die sich
verzerrenden Datenströme, die nun schärfer, fast mathematisch präzise, erschienen. Ozon und Staub schienen weniger erdrückend.
„Viel besser“,
murmelte sie, ihre Stimme klang fester. Parzival nahm die Flasche entgegen, seine Finger spürten die
latente statische Aufladung, die von ihr ausging. Er trank einen tiefen Schluck, und das metallische
Rost-Aroma der Luft wich einem Moment der
Reinheit. Das hohe Fiepen, das seine Ohren zuvor
geplagt hatte, schien sich zu beruhigen, wurde zu einem fernen, erträglichen Summen. Er sah die
herabstürzenden Serverteile und schüttelte den Kopf. „Es ist nur... Physik“,
sagte er, ein Hauch von alter Überzeugung in seiner Stimme. „Keine Magie, nur eine sehr, sehr schlechte Verkabelung.“
Sie versuchten ein Muster zu erkennen in den Symbolen und Schriftzeichen.
Parzival beugte sich vor, die Augen auf das gleißende Chaos der Datenströme geheftet, die über die
glatten Metallflächen huschten. Jeder einzelne Datenstrom
schien sich in einem eigenen, rasenden Rhythmus zu bewegen, doch der Ritter glaubte, eine verborgene
Ordnung zu erkennen. Seine Finger zuckten unwillkürlich, als wollte er die flüchtigen Zeichen
greifen, die sich in kinetischen Mustern verzerrten, nur um im nächsten Moment in sich selbst zu
kollabieren und erneut aufzublitzen. Ozon und
Staub lagen bleiern in der Luft, eine statische Aufladung ließ die feinen Härchen auf seinen Armen
tanzen.
Neben ihm murmelte Cassandra, ihr Blick wanderte über die flackernden Hologramme, die wie Geister
alter Bibliotheken aufblitzten und wieder verschwanden. Für den Bruchteil einer Sekunde schien ein
Servermodul, das eigentlich fest in der schwebenden Architektur verankert war, schwerelos zu tanzen,
bevor es mit einem leisen Knistern in seine
ursprüngliche Position zurücksank. Die Zeit selbst schien hier zu stolpern, Momente wiederholten
sich, nur um dann abrupt vorzuspringen, als wäre das Universum selbst ein Band, das auf einem
defekten Player lief. „Es ist wie ein Code“, flüsterte
sie, ihre Stimme kaum lauter als das Fiepen der
entfernten Server. „Aber er bricht in sich zusammen, bevor man ihn lesen kann. Eine Schleife, die sich selbst auflöst.“
Sie sahen sich um.
Der rostbraune Stahl des Tores, massiv und von tiefen Rissen durchzogen, ragte vor ihnen auf, ein
stummer Wächter am Eingang von Level_498. Über ihnen verschluckte ein undurchdringlicher Nebel die
Decke der gigantischen Fabrikhalle, deren Ausmaße sich ins Unendliche zu dehnen schienen. Rostige
Förderbänder, wie versteinerte Schlangen, zogen sich durch das Halbdunkel, ihre Zahnräder von einer
dicken Staubschicht bedeckt, die jeden Glanz verschluckt hatte.
Das monotone Rauschen der Autobahn, das sie so lange begleitet hatte, war hier abrupt verstummt. An
seine Stelle trat eine erdrückende Stille, die nur vom leisen Knistern des verrosteten Tores und dem
fernen, dumpfen Hämmern aus dem Inneren durchbrochen wurde. Das Geräusch war rhythmisch, organisch,
und es schien die feuchte, kühle Luft mit einer metallischen Note zu erfüllen. Ein kalter Zug pfiff
durch zerbrochene Fenster, und jedes Geräusch hallte gespenstisch wider, als würde die Halle selbst
atmen.
„Was zur Hölle ist das für ein Ort?“, flüsterte
Cassandra, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch in der weiten Leere. Ihr Blick wanderte über die
stillgelegten Maschinen, deren Schatten sich in den flackernden Neonröhren zu monströsen Formen
verzerrten. „Und dieses Hämmern…“
Parzival nickte langsam, seine Augen suchten die Dunkelheit ab. „Es ist… anders. Nicht mechanisch.“ Ein
einzelner, verrosteter Eimer lag umgestürzt in einer Ecke, sein Boden durchlöchert, ein stummer
Zeuge vergangener Arbeit. Weiter hinten, unter einem der Förderbänder, schimmerte etwas Metallisches
im schwachen Licht, eine vergessene Schraube vielleicht, oder ein Teil einer Maschine, die längst
verstummt war.
Sie fanden das Muster und konnten weiter gehen.
Die sich windenden Rolltreppen schienen sich nicht zu bewegen, doch ihre Geometrie verzerrte sich
mit jedem panischen Blick in die Tiefe. Cassandra stieß einen erstickten Schrei aus, als ihr Fuß auf
eine Stufe trat, die sich organisch unter ihr wölbte, als wäre sie lebendig. Ein metallisches Kreischen erfüllte den
Abgrund, als Parzival sich an einem rostigen Geländer festhielt, das sich unter seinem Griff kalt
und schmierig anfühlte. Die elektrische Note des
Ozons wurde schärfer, als die fernen, warmen Lichter aus dem Nichts plötzlich näher rückten,
pulsierend und eine trügerische Sicherheit vortäuschend. „Wir haben es geschafft!“,
keuchte Cassandra, ihre Stimme zitternd vor Anspannung und Erleichterung, als der Sog des Abgrunds
nachließ und sie auf einem schmalen Vorsprung landeten. Der Kristall in Parzivals Hand erlosch für
einen Moment, dann glomm er wieder auf, sein blauer Schein nun gedämpfter, fast müde.
Wo waren Sie jetzt?
Das metallische Zischen des Servicelifts gellte in den Ohren, als Cassandra und Parzival tiefer in
den Abgrund sanken, umfangen von einem Strudel aus verzerrter Geometrie. Die stillstehenden
Rolltreppen, die sich mit jedem Blick organisch zu winden schienen, verschlangen sich ineinander,
führten ins Nichts und wieder zurück, ein mathematisches Paradox, das den Verstand zu zerreißen
drohte. Das grelle, blaue Licht des Kristalls pulsierte im Rhythmus des Abstiegs, während ferne,
warme Lichter aus der Tiefe eine trügerische Sicherheit vorgaukelten, die der kalte Zug aus dem
Liftschacht sofort widerlegte. Panische Rufe
hallten durch die Leere, von ihren eigenen Stimmen verzerrt, als sie versuchten, sich in diesem
Chaos zu orientieren.
„Ich kann das nicht mehr fassen“, keuchte
Cassandra, ihre Stimme zitterte. „Wo sind wir? Wohin führt das?“
Parzival presste die Lippen zusammen, die Augen auf die sich windenden Strukturen geheftet. „Ein Muster. Es muss ein Muster geben, Cassandra! Das hier ist eine Falle, eine Illusion. Wir müssen einen Weg finden, sie zu durchbrechen.“
Der scharfe Geruch von Desinfektionsmitteln
mischte sich mit einer subtilen, elektrischen Note, die aus den Tiefen aufstieg, während das
hochfrequente Summen des Kristalls zu einem tiefen, resonierenden Brummen anschwoll. Jeder Muskel
schmerzte von der Anspannung, jeder Nerv war bis zum Zerreißen gespannt, während sie die unendliche
Schleife der Rolltreppen hinabsanken, ohne einen Boden, ohne eine klare Richtung. Die Wände, die
einst klinisch rein waren, pulsierten nun im Rhythmus des Kristalls, und der Schattenriss an der
Wand vertiefte sich mit organischen Verästelungen, die nach ihnen zu greifen schienen.
Dann suchen wir den Boden.
Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllte den
schwindelerregenden Abgrund, als Parzival sich an einem der unzähligen Geländer festhielt, die in
die Tiefe führten. Die stillstehenden Rolltreppen schienen sich unter ihm zu winden, ihre Geometrie
verzerrte sich mit jedem Blick, während Cassandra, ihr Atem stoßweise, versuchte, Halt auf den
glatten, kalten Stufen zu finden. Das grelle Licht des Labyrinths wurde hier unten von fernen,
warmen Lichtern verschluckt, die eine trügerische Tiefe vortäuschten, doch ihr Schein legte sich wie
ein Schleier über die schier endlose Anordnung der ineinander verschlungenen Treppen. „Ich kann den Boden nicht sehen!“,
rief Cassandra, ihre Stimme von der schieren Größe des Raumes verschluckt. „Wir müssen uns konzentrieren!“
Parzival drückte sich fester an das rostig-kühle Metall. Der metallische Geruch aus dem Liftschacht
vermischte sich mit dem ozonartigen Geruch des Kristalls, der in Parzivals Hand pulsierte und die
umliegenden Strukturen in einem unheilvollen Blau aufleuchten ließ. Jeder Blick nach unten war ein
Sturz in die pure Unendlichkeit, ein Angriff auf die Sinne, der die Gewissheit des Raumes zerbrach.
Die geometrischen Verfärbungen an den Wänden des Schachts tanzten wie böse Omen, während der
Schattenriss, der sie aus dem Korridor verfolgt hatte, sich nun wie ein organisches Gewebe um die
Rolltreppen legte und ihre Formen in unnatürliche Winkel zwang. Die Luft war erfüllt von einem verzerrten Echo ihrer eigenen panischen Rufe,
ein Geräusch, das sich in die Gehörgänge bohrte und die Wahrnehmung von Entfernung und Richtung
aufhob. Cassandra schloss die Augen für einen Moment, um der überwältigenden visuellen
Reizüberflutung zu entgehen, doch das Gefühl des endlosen Falls blieb. „Finde einen Weg, Parzival!“,
flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch in dem infernalischen Konzert des Abgrunds.
Parzival nickte, seine Augen suchten fieberhaft nach einem Ankerpunkt, einem Muster in dem Chaos,
das er zu entschlüsseln versuchte. Selbst hier, in dieser unmöglichsten aller Architekturen, glaubte
er an die Logik, die sich hinter allem verbergen musste. Doch die schieren Dimensionen des Raumes,
die kalte, kribbelnde Luft, die aus der Tiefe aufstieg, und das Gefühl der Isolation, das sie
umfing, drohten seinen rationalen Geist zu zerbrechen. „Wir müssen einfach weiter nach unten“,
presste er hervor, „es gibt keinen anderen Weg.“ Die
Rolltreppen schienen sich zu winden, als wollten sie ihre Entscheidung, diesen Weg zu wählen,
verspotten, doch es gab kein Zurück, nur die unendliche Tiefe, die sie nun erwartete. Die warmen
Lichter in der Ferne schienen zu tanzen, ein Lockruf in ein noch unbekanntes Verderben, während sich
der Abgrund unter ihnen immer weiter öffnete.
Wir dürfen nicht stehenbleiben.
„Wir dürfen hier nicht stehenbleiben!“, presste
Parzival hervor, seine Stimme überschlug sich beinahe im metallischen Zischen des Liftschachts und dem
verzerrten Echo aus der Tiefe. Jeder Schritt
hallte tausendfach wider, als würde das Labyrinth selbst die Panik verstärken, die in ihren Knochen
kribbelte. Der Abgrund des Servicelifts gähnte vor ihnen, ein schwarzes Loch, aus dem die kalte, metallische Luft wie ein fauliger Atem
strömte. Stillstehende Rolltreppen verschlangen sich ineinander, bildeten unmögliche Spiralen, die
sich nicht nach unten, sondern in eine verdrehte Unendlichkeit zu winden schienen, ein groteskes
Gerüst, das jeder Logik spottete. Das grelle, blaue Licht des Kristalls ließ die geometrischen
Verfärbungen an den Wänden tanzen, während der Schattenriss sich wie ein lebendiger Organismus
ausbreitete und drohte, sie zu verschlingen. Cassandra stieß einen erstickten Laut aus, ihr Blick
haftete an den unmöglichen Winkeln der Rolltreppen. „Das… das ist keine Falle, Parzival. Das ist ein mathematischer Albtraum, eine nicht-euklidische Hölle! Wir können hier nicht einfach hinein! Es gibt keinen Boden!“
Ihre Worte waren ein Wispern gegen das ohrenbetäubende Brummen
des Kristalls, das sich nun mit dem tiefen, resonierenden Schacht zu einer Symphonie des Wahnsinns
verband.
Wohin führten die Rolltreppen?
Die warmen Lichter aus dem Abgrund, die Parzival und Cassandra soeben noch als ferne Hoffnung
wahrgenommen hatten, entpuppten sich als ein grauenhaftes Versprechen einer unendlichen Reise, die
nirgendwohin führte. Der Servicelift, der sich zu einem klaffenden Schlund geöffnet hatte,
offenbarte nicht etwa einen Weg, sondern ein schwindelerregendes Gewirr aus stillstehenden
Rolltreppen, die sich ineinander verschlungen in die Tiefe und in die Höhe reckten. Ein scharfes, metallisches Zischen hallte von
den Schienen wider, als wäre das Labyrinth selbst ein gigantisches, sterbendes Tier.
„Sie... sie hören einfach auf!“,
rief Cassandra, ihre Stimme von Panik überschattet, als sie versuchte, die mathematische
Unmöglichkeit dieses Anblicks zu verarbeiten. Ihre Hände umklammerten Parzivals Arm, während ihr
Blick verzweifelt die ineinandergreifenden Treppenstränge verfolgte, die ins Nichts zu münden
schienen. Der stechende Geruch von Desinfektionsmitteln und Ozon
mischte sich nun mit einem scharfen, metallischen Hauch, der direkt aus dieser bodenlosen Grube zu
kommen schien und ihren Magen zusammenkrampfte.
Parzival starrte in die Tiefe, seine Augen versuchten, einen Sinn in dem chaosartigen Muster zu
finden. Das grelle, blaue Licht des Kristalls, der in seiner Hand pulsierte, warf unheimliche
Schatten auf die unbeweglichen Bänder der Rolltreppen, die wie versteinerte Schlangen aussahen.
„Das ist... das ist kein Weg“,
murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Das ist eine Falle. Eine optische Täuschung, die uns in den Wahnsinn treiben soll. Oder... ein Abgrund.“ Ein kühler,
feiner Zug strich aus der Tiefe herauf, ließ ihre Haut kribbeln und trug das tiefe, resonierende Brummen des Kristalls mit
sich, das nun lauter und bedrohlicher wirkte, als würde es die Stille dieses unwirklichen Ortes
zerrreißen. Die Hoffnung, einen klaren Ausgang zu finden, zerschlug sich in diesem Moment.
Nehmen wir 198.
Die Entscheidung hing wie ein Echo in der klinischen Luft, bevor Parzival ein knappes Nicken gab.
„Nehmen wir 198,“
hallte seine Stimme, während die grellen Leuchtstoffröhren über ihnen in einem beunruhigenden
Rhythmus zu zucken begannen. Cassandra warf ihm einen besorgten Blick zu, doch ihre Augen waren
bereits auf den unscheinbaren Servicelift geheftet, der sich mit einem leisen Zischen geöffnet
hatte. Der Geruch von Desinfektionsmitteln vermischte sich nun mit einem scharfen, metallischen
Geruch aus dem Schacht, eine Ahnung von altem Öl und abgestandener Luft. Ein schwindelerregender
Abgrund tat sich vor ihnen auf, in dem unzählige, stillstehende Rolltreppen in die Tiefe und Höhe
verschwanden, beleuchtet von fernen, warmen Lichtern, die wie hungrige Augen in der Dunkelheit
glühten. Das hochfrequente Summen des Kristalls wurde zu einem pulsierenden Brummen, das direkt in
ihren Knochen widerhallte, während die kalte Luft aus dem Schacht ihnen entgegenwehte und einen
feinen Schauer über ihre Haut jagte.
„Das ist kein Lift, das ist ein Schlund,“
flüsterte Cassandra, ihre Stimme dünn vor Anspannung, während sie vorsichtig einen Schritt auf den
Rand des Abgrunds zuging. Die geometrischen Verfärbungen an den Wänden schienen sich im Rhythmus des
Liftraums zu bewegen, die Illusion eines festen Bodens zerriss unter der wachsamen Linse ihrer
Sanität. „Und diese Rolltreppen... sie sind still. Als würden sie nur darauf warten, aktiviert zu werden. Oder uns zu verschlucken.“
Parzival trat neben sie, seine Hand fest am Griff seines Brecheisens, die Augen auf die
stillstehenden Mechaniken gerichtet, die sich in unnatürlichen Winkeln kreuzten. „Eine Falle,“
knurrte er, „oder der einzige Weg. Der Kartograph? Was sind unsere Chancen durch dieses... Konstrukt?“
Die matte schwarze Oberfläche des Kartographen blieb stumm, doch seine optische Linse glühte mit
einer kalten, berechnenden Intensität. Das rhythmische Zucken der Leuchtstoffröhren spiegelte sich
in seinem Bildschirm wider, wo komplexe geometrische Daten über die unzähligen, unbeweglichen
Rolltreppen tanzten, die in die undefinierbare Leere führten.
Welchen Ausgang schlägst du vor?
Der gleißende Schein des Spaltes riss an den Rändern der Realität, als Parzival und Cassandra sich
ihm näherten, jeder Schritt ein Kampf gegen die unsichtbaren Ströme der sich verdichtenden Luft. Der
Geruch von Desinfektionsmitteln und Ozon stach in
den Nasen, verstärkt durch eine süßlich-scharfe Note von Medikamenten, die direkt aus dem klaffenden
Riss zu quellen schien. Die klinisch weißen Korridore selbst schienen zu pulsieren, ein rhythmisches Zucken, das das
ohnehin schon hohe Frequenzsummen mit einem tiefen, resonierenden Brummen des Kristalls überlagerte. Parzival
drückte sich instinktiv an die Seite, als der pulsierende Schattenriss an der Wand sich mit
organischen Verästelungen ausbreitete, fast so, als wollten sie nach ihm greifen.
„Das ist kein normaler Ausgang“, murmelte
Cassandra, ihr Blick haftete auf den geometrischen Verfärbungen, die sich wie ein bösartiger Pilz
über die makellosen Oberflächen fraßen. „Das ist… eine Wunde.“
Parzival nickte steif, seine Hand fest um das rostigen Brecheisen gekrallt. „Eine Wunde, die blutet“, erwiderte er, seine
Stimme klang gepresst. Der feine Zug aus dem Spalt ließ seine Haut kribbeln, eine unangenehme Kälte,
die tiefer ging als nur die Temperatur. „Was schlägst du vor, Kartograph? Welchen Ausgang schlägst du vor?“
Der Kartograph reagierte mit einem leisen, synthetischen Klicken, das sich durch das Chaos der
Umgebungsgeräusche schnitt. „Die Analyse der Umgebung identifiziert drei signifikante Fluchtrouten, basierend auf den vorliegenden Daten und der menschlichen Tendenz zur Selbsterhaltung, auch wenn diese oft irrational ist. Option Eins: der pharmakologisch duftende Spalt zu Level 224, mit einer 67,3%igen Wahrscheinlichkeit einer geringfügigen Exposition gegenüber unbekannten Pathogenen. Option Zwei: die dornige Waldmetamorphose zu Level 191, mit einer 42,8%igen Wahrscheinlichkeit eines physischen Traumas durch die Vegetation. Option Drei: der vertikale Transitpunkt zu Level 198, mit einer 89,1%igen Wahrscheinlichkeit eines fatalen Sturzes aufgrund instabiler Rolltreppen. Wählen Sie weise, oder lassen Sie sich von der Ineffizienz Ihrer Entscheidungsfindung überraschen.“
Gehen wir dahin.
Mit einem fast unhörbaren Einverständnis setzten sie sich in Bewegung, ihre Schritte hallten nicht
nur wider, sondern wurden vom tiefen Brummen des Kristalls verschluckt, als würden sie durch ein
Medium aus zäher Luft waten. Jeder Muskel in Parzivals Beinen spannte sich, als er den schweren
Anker-Talisman durch die sich verdichtende Atmosphäre zog, ein spürbares Gewicht, das an seiner
Konzentration zerrte. Das klinisch reine Weiß der Korridore, das den scharfen Geruch von Desinfektionsmitteln trug,
begann, sich unter dem Einfluss des Anomaliekristalls zu verziehen, als sei es eine Leinwand, die
eine tiefere, unnatürliche Realität verbarg.
„Siehst du das?“
Cassandras Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, das von den unheimlichen Echos fast verschluckt wurde. Ihre
Augen waren auf den Spalt gerichtet, der nun nicht mehr nur schwach leuchtete, sondern pulsierte,
als hätte er einen eigenen Herzschlag.
Die Luft selbst, die vorher kühl und gleichmäßig gewesen war, verdichtete sich zu einer spürbaren
Barriere, ein konstanter, feiner Zug, der die Haut kribbeln ließ und direkt aus dem süßlich-scharfen Geruch von Medikamenten des
Spalts wehte. Der Schattenriss an der Wand, der sich zuvor organisch verästelt hatte, schien nun
nach ihnen zu greifen, seine geometrischen Verfärbungen breiteten sich aus wie eine Krankheit, die
das perfekte Weiß befiel. Der schwebende Eimer, der einst leise gesummt hatte, rotierte nun
schneller, seine feinen Gravuren glänzten im rhythmischen Zucken des Lichts, als wollte er sie mit
einer unerklärlichen Botschaft locken. Jeder Atemzug fühlte sich an wie ein Tauchgang in eisiges
Wasser, die Lungen wehrten sich gegen die schwere Luft, die von einer subtilen, elektrischen Note
erfüllt war. Es war, als würde der Raum selbst gegen ihren Versuch ankämpfen, ihn zu verlassen, die
Wände schienen sich zu verdrehen, und die Gänge wurden zu einem lebendigen Organismus, der sich
weigerte, seine Beute freizugeben. „Was, wenn es uns nur tiefer zieht?“
raunte Parzival, seine Hand griff instinktiv nach der rostigen Brechstange an seinem Gürtel, ein
schwacher Trost gegen die überwältigende Unwirklichkeit, die sie umgab.
Sie versuchten es zu definieren.
„Ein Riss“, flüsterte Cassandra, ihr Blick
haftete an dem
ätherisch leuchtenden Spalt
in der makellosen Wand. Ihre Stimme hallte, zu präzise, in der überlagerten Stille wider, die der pulsierende
Kristall in den Korridoren geschaffen hatte. „Aber was für einer? Ein Durchgang? Oder nur eine weitere Illusion, die uns tiefer in dieses Labyrinth lockt?“
Die Worte zerfielen fast zu einer elektrischen Note in der Luft, die nun nicht
nur nach Desinfektionsmitteln und Ozon stach, sondern auch einen süßlich-scharfen Geruch von Medikamenten mit
sich führte, der wie ein feiner Nebel aus dem Spalt kroch.
Um sie herum pulsierte der gesamte Gang im Rhythmus des Anomaliekristalls. Die einst so klinisch
reinen, weißen Korridore atmeten nun, als wären sie ein gigantischer, lebender Organismus. Der
Schattenriss an der Wand, der einst nur ein simpler Fleck war, hatte sich zu einem komplexen Netz
aus organischen Verästelungen verdichtet, die sich wie feine Kapillaren über die Oberfläche zogen.
Geometrische Verfärbungen blühten an den Ecken der Wände auf, verschoben sich und zogen sich wieder
zusammen, ein ständiger Tanz aus Form und Nicht-Form. Selbst ein schwebender, verbeulter Eimer, der
seit Langem hier verweilt hatte, schien nun mit feinen, kaum sichtbaren Gravuren versehen zu sein,
die sich unter der ständigen,
blauen Überlagerung des Kristalllichts
wie alte Runen abzeichneten. Die
kühle, verdichtete Lufttiefen, resonierenden Brummen des Kristalls geschluckt und dann
mit unheimlicher Präzision in die Hall der Echos zurückgeworfen, als würde
das Labyrinth selbst ihre Gedanken wiederkäuen und verstärken.
„Vielleicht“, erwiderte Parzival leise, seine
Augen folgten den feinen Linien der Verästelungen, die aus dem Spalt zu wachsen schienen. „Vielleicht ist es ein Gewebe, ein Ort, an dem die Realität selbst dünn wird. Kein Tor, sondern eine Narbe in der Struktur, die von etwas Größerem verursacht wurde.“
Er trat vorsichtig einen Schritt näher, doch seine Hand hob sich nicht, um den Spalt zu
berühren, als würde er zögern, die Oberfläche des Unbekannten zu stören. „Was immer es ist, es ist *anders* als alles, was wir bisher gesehen haben. Weniger eine Falle, mehr… eine Offenbarung.“
Sie sahen etwas, was der Weg hinaus sein könnte.
Das tiefe Brummen des Kristalls hallte durch die klinisch reinen Korridore, ein rhythmischer Puls,
der die Luft selbst vibrieren ließ. Die weißen Wände, die eben noch im Takt des Kristalls
pulsierten, schienen nun einen tiefen Atemzug zu nehmen, als sich ein schwach leuchtender Spalt in
ihrer makellosen Oberfläche abzeichnete. Er war nicht einfach eine Öffnung, sondern ein Bruch in der
Realität, ein Riss im Gefüge des Labyrinths, dessen Ränder mit den organischen Verästelungen des
Schattenrisses verschmolzen und in den geometrischen Verfärbungen der Wand zu verschwimmen schienen.
Ein unnatürlicher, kühler Zug strich aus dem Spalt, erfüllte die Luft mit einem intensiveren Ozon- und Desinfektionsgeruch, dem nun eine
neue, subtile Note von
Medikamenten
„Siehst du das?“, flüsterte Cassandra, ihre
Stimme klang belegt von der Anspannung, ihre Augen auf den leuchtenden Riss fixiert, der eine neue
Realität versprach. „Es ist... eine Öffnung. Aber es ist nicht einfach nur eine Tür.“
Parzival nickte langsam, sein Blick wanderte von dem Spalt zu den pulsierenden Schatten, die sich
wie lebende Adern über die Wände zogen. „Die Geometrie hier ist schon lange nicht mehr stabil. Das ist kein Zufall. Der Kristall hat etwas entblößt, das schon immer da war, aber verborgen blieb.“
Er machte einen vorsichtigen Schritt vorwärts, seine schweren Stiefel hallten auf dem makellosen
Boden, ein Geräusch, das im tiefen Brummen des
Raumes fast verschluckt wurde. „Es riecht anders dort. Wie eine andere Ebene.“
Was hatte der Kristall getan?
Der Kristall pulsierte in Cassandras Hand, nicht länger nur ein bloßes Artefakt, sondern das
schlagende Herz dieser verzerrten Realität. Ein tiefes, resonierendes Brummen
erfüllte das Reine Labyrinth, ein Geräusch, das sich mit dem hochfrequenten Summen der
Leuchtstoffröhren zu einer dissonanten Symphonie verwob und die scharfe, elektrische Note des Ozons in der Luft
verstärkte. Die kühle, gleichmäßige
Luft
verdichtete sich um sie herum, ein feiner, eisiger Zug, der die Haut kribbeln ließ und jeden Atemzug
spürbar machte.
Die Wände selbst schienen unter diesem Druck zu leiden. Der Schattenriss, der Parzival zuvor
aufgefallen war, vertiefte sich nun dramatisch, zog sich wie ein Riss in einem gefrorenen See über
die makellosen Oberflächen und offenbarte feine, fast organische Verästelungen, die unter dem
grellen, weiß-blauen Licht des Kristalls pulsierend hervortraten. Daneben blühte eine geometrische
Verfärbung auf, ein Muster aus Linien und Winkeln, das sich über die weiße Wand legte wie ein
unheilvolles Tattoo. Der alte, verbeulte Eimer, noch immer reglos schwebend, reflektierte das neue
Licht in seinem Dellenmuster und schien mit einer beängstigenden Klarheit im Raum zu stehen, als
hätte er erst jetzt seine wahre Form offenbart.
„Es... es entblößt alles“,
murmelte Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern im Angesicht dieser neuen,
überwältigenden Offenbarung. Er hob eine Hand, als wollte er die sich verändernde Wand berühren, zog
sie aber im letzten Moment zurück, als würde die Berührung selbst ihn in diese neue, freigelegte
Realität ziehen. „Es zeigt uns, was darunter liegt.“
Cassandra nickte, ihre grünen Augen weit aufgerissen, als sie die sich ständig neu formenden Linien
und Schatten der Korridore verfolgte, die sich nun im Rhythmus des Kristalls zu bewegen schienen.
„Die Sichtbarkeit ist unglaublich“,
sagte sie und ihr Blick streifte den schwebenden Eimer, dessen Oberfläche nun feine, kaum sichtbare
Gravuren zeigte, die zuvor unsichtbar gewesen waren. „Ich sehe Dinge, die vorher nicht da waren. Oder sie waren da, nur... verborgen.“
Die Realität um sie herum war nicht zerbrochen, sondern vielmehr enthüllt worden, eine komplexe,
lebendige Maschine, deren Zahnräder nun offen lagen.
Sie benutzten den Kristall um die Umgebung zu bändigen.
Parzival hob den Anomaliekristall. Seine makellose Oberfläche fing das grelle Licht der
Leuchtstoffröhren ein, bündelte es und gab es in einem sanften, aber durchdringenden Blau wieder ab.
Als der Kristall in der Mitte des Ganges schwebte, erfüllte ein neues, tiefes Brummen die Luft, das sich wie eine physische
Welle durch die klinisch reinen Korridore ausbreitete. Cassandra spürte, wie sich die statische
Elektrizität auf ihrer Haut regte, ein prickelndes Gefühl, das ihre Haare am Nacken aufstellte.
Der Schattenriss an der Wand, der zuvor nur ein unregelmäßiges Pulsieren gewesen war, schien sich
unter dem Einfluss des Kristalls zu vertiefen. Seine Ränder wurden schärfer, und in seinem Inneren
offenbarten sich feine, fast organische Verästelungen, die sich wie ein dunkles Geflecht
ausbreiteten. Die kaum wahrnehmbare Verfärbung, die sich über eine der makellosen Oberflächen
ausgebreitet hatte, blühte nun auf und formte ein komplexes, geometrisches Muster, das sich vor
ihren Augen entfaltete. „Es... es macht es sichtbarer“,
murmelte Cassandra, ihre Stimme kaum lauter als ein Flüstern, während ihr Blick von den Wänden zum
schwebenden Eimer wanderte, der nun mit einer fast beängstigenden Klarheit im Raum hing.
Parzival nickte langsam, seine Augen suchten nach weiteren Details in den frisch offenbarten
Strukturen. „Nicht bändigen, Cassandra“,
erwiderte er, seine Worte waren ein leises Echo in der nun noch intensiveren Klangkulisse. „Sondern entblößen.“
Das ferne Flackern des Lichts wurde zu einem rhythmischen Zucken, das mit den Pulsen des Schattens
zu korrespondieren schien, während der scharfe Desinfektionsgeruch
sich mit einer subtilen, elektrischen Note vermischte, die die nun greifbare Energie des Raumes
unterstrich. Der eisige Hauch, der sich manchmal materialisiert hatte, war nun ein konstanter,
feiner Zug, der die Haut kribbeln ließ und die Illusion der Stabilität zerrüttete.
Vorsichtig gingen Sie weiter.
Mit einer Vorsicht, die sich in jedes ihrer Glieder fräste, schoben sich Parzival und Cassandra
durch die klinisch reinen Korridore. Jeder ihrer Schritte war bedacht, ein langsames Heben des
Fußes, ein vorsichtiges Setzen der Stiefelspitze auf den makellosen Boden, als könnte schon das
leiseste Geräusch die zerbrechliche Stille zerbrechen. Der scharfe Geruch von Desinfektionsmitteln brannte in
ihren Nasen, eine sterile Präsenz, die jede Spur von Leben zu ersticken schien.
Das gleißende, schattenlose Licht der Leuchtstoffröhren lag wie eine zweite Haut auf den weißen
Wänden, doch in der Ferne, kaum merklich, zuckte es. Ein kurzes, unregelmäßiges Flackern, das das Auge zu fangen versuchte, nur
um es im nächsten Moment wieder zu verlieren. Der schwebende Eimer hielt seine regungslose Position,
während der Schattenriss an der Wand weiterhin einen langsamen, unheilvollen Puls sendete. Eine
winzige Verfärbung, wie ein alter, verblasster Fleck, breitete sich über eine der vermeintlich
makellosen Oberflächen aus, ein kaum sichtbarer Bruch in der Perfektion. Das hochfrequente Summen des Labyrinths, das im Schädel
vibrierte, schien sich zu intensivieren, ein ständiger, leiser Druck.
„Das ist doch nicht normal, oder?“, flüsterte
Cassandra, ihre Stimme kaum lauter als das Klicken des Kartographen, der an Parzivals
Gürtel hing. „Dieses Flackern in der Ferne… und dieser Fleck an der Wand. Es ist, als würde etwas unter der Oberfläche brodeln.“
Gehe wir vorsichtig weiter, in dem Eimer könnte Desinfektionsmittel sein.
Parzival setzte seinen Fuß vorsichtig vor den anderen, das leise Scharren seiner Stiefel ein
unnatürlich lautes Echo in der makellosen Stille der Korridore. Der scharfe
Geruch von DesinfektionsmittelnSummen der Leuchtstoffröhren, die das grelle, weiße Licht
spendeten, das keine Schatten werfen wollte. Jeder kleine Moment des Stockens in diesem Summen
ließ einen eisigen Hauch durch die Gänge wehen, der keine Quelle zu haben schien und Cassandras
Nackenhaare aufstellte.
Ihr Blick fixierte den verbeulten Eimer, der reglos in der Luft schwebte, als wäre die
Schwerkraft für ihn eine bloße Suggestion. Er war aus mattem, unansehnlichem Metall, übersät mit
Dellen, die von einem unsichtbaren Aufprall zeugten, und von seinem Inneren ging ein fast
unhörbares, tiefes Brummen aus, das man eher
im Brustkorb als im Ohr spürte. Direkt daneben pulsierte der Schattenriss in der klinisch weißen
Wand, ein dunkles Mal, das sich leise verformte, als würde die Realität selbst dort atmen.
„Desinfektionsmittel, sagst du?“, murmelte
Parzival, seine Stimme gedämpft von der eigenartigen Akustik des Labyrinths. Er streckte eine
Hand aus, nicht um den Eimer zu berühren, sondern um die Illusion seiner Schwerelosigkeit zu
testen. „Oder einfach nur ein weiterer kaputter Spielplatz der Physik.“
Cassandra schüttelte kaum merklich den Kopf, ihr Blick wanderte von dem schwebenden Objekt zu
dem dunklen Riss und wieder zurück. „Das ist kein Spielplatz, Parzival. Und ich mag es nicht, wie still es hier ist, wenn es nicht gerade summt. Wir sollten vorsichtig sein. Wer weiß, wann der Duller wieder aus den Wänden kriecht.“
Sie hielt sich mit einem tiefen Seufzer einen Finger an die Lippen. „Ich habe ein ungutes Gefühl bei dieser Art von ‘Desinfektion’.“
Ihr Blick verriet eine Mischung aus analytischer Neugier und tiefem Unbehagen, als sie die
feinen Details des Eimers zu erfassen versuchte.
KI, was gibt es hier noch für Anomalien?
Die sterilen, weißen Korridore schluckten das Licht beinahe gänzlich, die makellosen Wände
reflektierten nichts als die unerbittliche Helligkeit. Parzival drehte sich zum Kartographen, seine
Augen suchten nach einer sichtbaren Bestätigung der unsichtbaren Bedrohungen. „KI, was gibt es hier noch für Anomalien?“,
fragte er, seine Stimme klang in der stillen Leere wie ein Fremdkörper.
Der Kartograph antwortete mit seiner gewohnten, klinischen Präzision, die fast schon überheblich
wirkte. „Eine überflüssige Frage, Parzival. Die Umgebung entspricht den erwarteten Parametern. Die räumliche Verzerrung im Bereich des vorherigen Duller-Rückzugs ist weiterhin signifikant, mit einem pulsierenden Schattenriss, der lokale Raumzeitverschiebungen anzeigt. Des Weiteren existieren temporale Fluktuationen, die sich in kurzen Momenten des Stockens und verlängerten Echos manifestieren. Und, als neue Beobachtung, ein schwebender, verbeulter Eimer, der leise summt, in etwa drei Meter Höhe. Eine interessante, wenn auch energetisch ineffiziente Objektanomalie.“
Cassandra schüttelte den Kopf, ein leises Ozon-Prickeln
in der Luft. „Ein Eimer? Ernsthaft? Als ob wir nicht schon genug hätten, um uns Sorgen zu machen“,
murmelte sie, ihre Augen auf das unscheinbare Objekt gerichtet, das der Kartograph so beiläufig
beschrieben hatte. Das metallische Klicken des Geräts schien in diesem Moment besonders spöttisch.
Was war das für ein Klicken?
Der scharfe Geruch von Desinfektionsmitteln brannte noch immer in Parzivals Nasenflügeln, als er das metallische Klicken erneut wahrnahm. Es war ein fremdes Geräusch, das sich hartnäckig in die beinahe absolute Stille der klinisch reinen Gänge grub und das hochfrequente Summen, das tief im Schädel pulsierte, kurz überlagerte. Sein Blick wanderte, seine Pupillen suchten in dem gleißenden, schattenlosen Weiß nach einer Quelle, die sich nicht zeigte.
„Was war das für ein Klicken?“, fragte Parzival, seine Stimme gedämpft, fast ein Flüstern, das die unnatürliche Akustik des Korridors sofort verschluckte. Die Frage hing für einen Moment schwer in der sterilen Luft, bevor Cassandra, ihren Blick immer noch auf die scheinbar nahtlosen Wände gerichtet, antwortete.
„Das ist der Kartograph“, erklärte sie, ihre Stimme klang analytisch, obwohl ein leises Zittern ihre Worte begleitete. „Er sucht nach einer Resonanz, einem Muster im Geräusch der Leere. Eine Frequenz, die wir nicht sehen können, aber die uns führt.“ Die leise, mechanische Stimme des Kartographen selbst schnitt in die angespannte Stille, ihre passive Aggressivität wie ein kühler Windhauch in der ohnehin schon kühlen Luft. „Korrekte Analyse, Cassandra. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Frequenzerkennung steigt exponentiell mit der Anzahl der Scans. Menschen neigen dazu, Daten als Fragen zu formulieren.“
Vorsichtig gingen Sie auf die Stelle starrend an Ihr vorbei.
Die klinisch reine Stille des Labyrinths legte sich wie ein kalter, feuchter Schleier über sie,
während Parzival und Cassandra vorsichtig an der Stelle vorbeiglitten, wo das Duller in die Wand
zurückgewichen war. Der Schattenriss, kaum mehr als eine winzige Verfärbung im makellosen Weiß,
pulsierte leise, ein unregelmäßiger Rhythmus, der nicht mit ihrem eigenen Herzschlag übereinstimmte.
Der scharfe Geruch von Desinfektionsmitteln
schien sich in ihren Nasenflügeln festzusetzen, ein steriler Schleier über der ungreifbaren
Anomalie.
„Ist es wirklich weg?“, flüsterte Cassandra, ihre
Stimme kaum lauter als das hochfrequente Summen,
das sich wie eine Nadel in ihr Trommelfell bohrte. Sie legte eine Hand auf Parzivals Arm, ihre
Finger spürten die Spannung in seiner Haltung. Die glatten, weißen Wände gaben keinen Widerhall, nur
das leise Gleiten ihrer Sohlen über den Boden schien für einen kurzen Moment zu verhallen, bevor es
abrupt abschnitt, als hätte die Zeit selbst einen Augenblick ausgelassen. Parzival nickte langsam,
seine Augen waren auf den pulsierenden Schattenfaden fixiert. „Es hat sich zurückgezogen. Aber was war das? Ein Trick des Lichts?“
Er versuchte, es rational zu fassen, doch die Irritation in seiner Stimme verriet die aufkeimende
Unsicherheit.
Der Schattenriss an der Wand schien sich in diesem Moment für einen Herzschlag zu vertiefen, als
wäre er eine sich öffnende Wunde, die dann ebenso schnell wieder vernarbte. Ein leises, metallisches Klicken, das sie zuvor
nicht wahrgenommen hatten, legte sich über das hohe Summen, ein Rhythmus, der nicht von dieser Welt
zu sein schien, wie ein Uhrwerk, das rückwärts lief. Die grellen Leuchtstoffröhren über ihnen warfen
keine Schatten, doch die Szene selbst schien für einen Moment in einem tiefen Violett zu schimmern,
ein optischer Fehler, der sich ebenso schnell wieder auflöste. Cassandra schluckte. „Das war kein Licht, Parzival. Das war… etwas.“
Sie zog ihren Arm zurück, ihre Augen huschten über die makellose Oberfläche der Wände, die nun eine
fast trügerische Ruhe ausstrahlten. „Ich mag dieses Klicken nicht. Es klingt, als würde der Raum selbst atmen.“
Ihre Worte verhallten im übermächtigen Desinfektionsgeruch, der die Luft erfüllte und ihre Sinne
betäubte.
Sie starten den Duller an, wie schon die vorherigen male.
Stille wurde zum Fokus, als Parzival den grauen
Schemen, der sich aus der Wand zu lösen schien, unverwandt anstarrte. Sein Blick, kühl und
analytisch, versuchte, die zweidimensionale Form zu durchdringen, die im toten Winkel lauerte. „Siehst du es auch noch?“, fragte er mit einer
Stimme, die kaum über ein Flüstern hinausging, seine Augen nicht eine Sekunde von dem Ding lassend,
das sich an der Kante der Wahrnehmung hielt. Cassandra nickte langsam, ihre grünen Augen fest auf
den Fleck fixiert, der die Helligkeit um ihn herum zu schlucken schien. Eine eisige Kälte kroch unerwartet durch den
klinisch reinen Gang, ließ ihre Haut prickeln, als würde die Luft selbst einen frostigen Atemzug
tun.
Das Duller antwortete mit einer Bewegung, die weniger ein Rückzug als ein Auflösen war. Es
schrumpfte nicht, es wurde nicht kleiner; es zog sich einfach in die makellose weiße Wand zurück,
aus der es gekommen war, wie ein Fleck auf einem makellosen Blatt, der plötzlich aufgesaugt wird.
Die graue Silhouette verschwand, hinterließ aber für einen schwebenden Moment eine Irritation in der
visuellen Textur der Wand – ein pulsierender, kaum wahrnehmbarer Schattenriss, der sich wie ein
feiner Riss im Gewebe der Realität langsam schloss. „Es ist weg“,
murmelte Cassandra, die Kälte noch immer in ihren Knochen. „Aber es ist nicht wirklich weg, oder?“ Die
absolute Stille des Ganges schien sich nach dem
Verschwinden des Dullers noch zu verstärken, als hätte die Präsenz des Wesens die Geräusche nicht
nur gedämpft, sondern aktiv absorbiert.
Tauchte da gerade etwas auf?
„Tauchte da gerade etwas auf?“, flüsterte
Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch in der erdrückenden Stille des Korridors. Seine
Augen, die eben noch die makellose weiße Wand fixiert hatten, weiteten sich minimal, ein Reflex, der
von einer tief sitzenden, analytischen Skepsis zeugte. Er lehnte sich unmerklich vor, seine Stiefel
drückten leise auf den Boden, der für einen Herzschlag lang unter seinem Gewicht leicht zu pulsieren
schien, als würde das Fundament des Labyrinths selbst einen unregelmäßigen Atemzug tun.
Das grelle, schattenlose Licht der Leuchtstoffröhren, das die klinisch reine Umgebung in ein
unwirkliches Weiß tauchte, schien für einen winzigen, flüchtigen Moment zu zögern. Ein winziger
Fleck dunkler, fast wie ein schluckender Schatten, der die Helligkeit selbst verzehrte,
manifestierte sich an der Stelle, wo Parzival die Bewegung wahrgenommen hatte. Der scharfe Geruch
von Desinfektionsmitteln und Ozon, der die Luft erfüllte, wurde von einem kühlen Lufthauch
verstärkt, der kurz die Nasenflügel prickeln ließ, als hätte etwas Unsichtbares die Luft verwirbelt.
Selbst das hochfrequente Summen, das unaufhörlich im Schädel vibrierte, geriet für einen Moment ins
Stocken, als würde die Raumzeit selbst einen Takt überspringen, bevor es mit unverminderter
Intensität zurückkehrte. Es war ein Bruch in der Perfektion, ein Riss in der absoluten Leere, der
sich nicht erklären ließ.
Cassandra reagierte schneller, ihr Blick fixierte den Punkt, an dem Parzival etwas gesehen haben
wollte. „Ich sehe es nicht mehr“, murmelte sie,
ihre Stimme klang ungewohnt dünn in der weiten Leere. Ihre pragmatische Natur suchte sofort nach
einer rationalen Erklärung, einer Täuschung des Lichts, einer optischen Illusion, die durch die
extreme Helligkeit und die monotonen Wände hervorgerufen wurde. Doch selbst ihre rationale Brille
konnte das Gefühl nicht gänzlich unterdrücken, dass etwas da gewesen war, etwas, das sich mit der
Umgebung verschmolzen hatte, so nahtlos, als wäre es nie wirklich präsent gewesen. Ein kalter
Schauer lief ihr über den Rücken, als der Fleck dunkler, der die Helligkeit verschluckt hatte,
ebenso schnell verschwand, wie er aufgetaucht war. Die Wand war wieder makellos, rein, als hätte sie
die Anomalie einfach absorbiert.
Die Gefahren sollte man nicht unterschätzen.
„Die Gefahren sollte man nicht unterschätzen“,
murmelte Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das von den klinisch weißen Wänden des
Labyrinths verschluckt wurde. Seine Augen durchmaßen die scheinbar unendliche Strecke des Ganges,
der sich vor ihnen ausbreitete. Jede Oberfläche war makellos, so rein, dass sie das gleißende Licht
der Leuchtstoffröhren nicht reflektierte, sondern auf seltsame Weise absorbierte, als wäre die
Perfektion selbst ein Vakuum, das jede visuelle Information aufsog. Ein fast unsichtbarer,
hauchdünner Faden zog sich quer über den Boden, ein winziges Detail, das in dieser sterilen Leere
wie ein monumentales Hindernis wirkte. Der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln
und Ozon brannte in der Nase, ein ständiger Reminder an die kühle, gleichmäßige Temperatur, die
keine Wärme, keine Lebendigkeit zuließ. Das hochfrequente Summen, das unter der absoluten Stille lag,
schien direkt im Schädel zu vibrieren, ein unaufhörlicher Druck, der die Sinne langsam aber sicher
zu zerreiben drohte.
„Es ist zu still hier, Parzival“, wisperte
Cassandra, ihre Hand fuhr unwillkürlich über die raue Oberfläche ihres Pullovers, als suche sie Halt
in der Textur. „Viel zu still.“
Zu sauber.
Der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln
schnitt in Parzivals Lungen, ein steriler Schleier, der jede andere Note auslöschte und die Luft zu
einem dünnen, chemischen Nichts machte. Seine Stiefel, die auf dem glatten, makellosen Boden keinen
einzigen Abdruck hinterließen, schienen in der undurchdringlichen Stille zu versinken, als würde der
Raum jeden Klang aktiv verschlucken. „Zu sauber“, murmelte er, seine
eigene Stimme klang in dieser Leere fremd und unnatürlich gedämpft.
Die klinisch reinen Wände, die sich endlos in die Ferne zogen, bestanden aus einem nahtlosen, fast
flüssig wirkenden weißen Material, das das grelle Licht der Leuchtstoffröhren nicht reflektierte,
sondern es schluckte, als wäre es eine Oberfläche, die dafür geschaffen war, jede Form von Schatten
oder Detail zu negieren. Es gab keine Fugen, keine Makel, nur eine ununterbrochene, schmerzhaft
helle Fläche, die das Auge nicht fassen konnte. Selbst der Luftzug, der aus dem Nichts zu kommen
schien, trug den Geruch von Ozon in sich, eine kühle, gleichmäßige Präsenz, die die Haut berührte,
ohne wirklich zu erfrischen. Ein fast unhörbares, hochfrequentes Summen lag wie ein Druck auf den Ohren, ein
feiner, konstanter Widerstand gegen die absolute Stille, der sich langsam in die Gehörgänge bohrte,
ein Klang, der nicht existieren durfte.
Cassandra zog ihre Schultern hoch, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, während sie die endlose,
unberührte Oberfläche der Korridore musterte. „Es ist, als würde es sich weigern, schmutzig zu werden“,
flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch in der erdrückenden Leere. „Eine Art von Perfektion, die sich falsch anfühlt.“
Erstmal Mandelwasser.
„Erstmal Mandelwasser“, murmelte Parzival, seine
Stimme kaum mehr als ein Flüstern in der erdrückenden Stille. Die Worte schienen in der sterilen
Luft zu zerbrechen, bevor sie überhaupt ein Echo finden konnten. Er zog die Flasche mit dem
unnatürlich pulsierenden Leuchten aus seiner Tasche, das seltsame, scharfe Süße verströmte. Das
Licht der Flasche war ein kleiner, warmer Puls gegen die grelle, erbarmungslose Helligkeit der
Leuchtstoffröhren, die den endlosen Korridor in ein schmerzhaft weißes Nichts tauchten.
Cassandra nickte stumm, ihre Bewegungen waren präzise, fast mechanisch, als sie die Flasche
entgegennahm. Jeder Muskel in ihrem Körper schien sich gegen die erdrückende Leere zu stemmen, die
die weißen Wände des Ganges ausstrahlten. Der Geruch von Desinfektionsmitteln, scharf und steril,
brannte in ihren Nasenwegen und legte sich wie ein Schleier über ihre Gedanken. Sie hob die Flasche
an ihre Lippen, das kühle Glas ein kleiner Anker in dieser unwirklichen Umgebung. Der erste Schluck
war eine Explosion von Süße und einer undefinierbaren, metallischen Note, die sich sofort in ihrem
Kopf ausbreitete. Es war, als würde ein feiner Schleier von ihrer Wahrnehmung gerissen, die
schmerzhafte Helligkeit der Korridore schien für einen Moment erträglicher, die absolute Stille
weniger bedrohlich.
„Besser“, hauchte Cassandra, ihre Augen huschten
über die makellosen, spiegelnden Wände, die keine einzige Reflexion zuließen, keine einzige
verzerrte Silhouette. Die Leere erstreckte sich vor ihnen bis in die Unendlichkeit, ein endloses
Band aus klinischer Perfektion. „Der Kopf wird klarer. Aber diese sterilen Gänge... sie fressen die Gedanken auf.“
Parzival nahm ebenfalls einen tiefen Schluck, das Mandelwasser floss warm und beruhigend durch seine
Kehle. Ein Gefühl der Ruhe breitete sich in ihm aus, ein kleiner Damm gegen die Flut der Verwirrung,
die sich in den letzten Augenblicken aufgebaut hatte. Er spürte, wie die feinen Fäden der Paranoia,
die sich in seinem Geist zu spinnen begonnen hatten, sich lockerten. Die kühle, gleichmäßige
Temperatur des Ganges, die zuvor eine unangenehme Gleichgültigkeit ausgestrahlt hatte, fühlte sich
nun einfach nur... kühl an, ohne die unterschwellige Drohung. „Ja“, erwiderte er, seine Stimme fester als
zuvor. „Es ist, als würde man in einem riesigen, weißen Auge gefangen sein, das niemals blinzelt.“
Sie gingen durch die Tür.
Die polierte Metaltür in der Spiegelwand schien nicht nur ein Ausgang zu sein, sondern eine
klaffende Wunde in der Realität selbst. Cassandra riss sie auf, das kalte Metall schrie unter ihrer
Hand, ein Geräusch, das im Labyrinth der Echos zu einem ohrenbetäubenden Kreischen
anschwoll und sich tausendfach in den Schwarzglaswänden brach. Parzival stieß sie von hinten durch
die Öffnung, seine Hand fest an ihrem Rücken, als würde er sie vor einem unsichtbaren Abgrund retten
wollen. Der Übergang war nicht nur ein Schritt, sondern ein Sturz.
Das ohrenbetäubende Fiepen des Anomaly-Kristalls, das vielschichtige Flüstern der Echowanderer, das
kalte Metall und der beißende Ozon-Geruch, all das riss wie ein zerrissenes Gemälde und löste sich
in einem einzigen, abrupten Moment auf. Sie stolperten in einen Gang, der so grell beleuchtet war,
dass er die Pupillen schmerzte, eine blendende, weiße Leere, die jeden Schatten verschluckte. Die
Luft, die sie einatmeten, roch nicht nach Ozon oder Metall, sondern nach scharfem Desinfektionsmittel, steril und rein, ein
Kontrast, der fast physischen Schmerz verursachte.
Die Stille war nicht nur die Abwesenheit von Geräusch; sie war eine Präsenz, eine undurchdringliche
Wand aus Nicht-Klang, die nach den endlosen Echos des Labyrinths wie ein Vakuum wirkte. Keine
Reflexionen tanzten mehr, keine verzerrten Silhouetten schwebender Kuben. Nur gerade, kalte Wände,
die bis in die Unendlichkeit reichten.
„Was... was ist das hier?“,
flüsterte Cassandra, ihre Stimme klang dünn und zerbrechlich in der überwältigenden Stille. „Es ist... leer.“
Parzival ließ ihre Hand los und fuhr sich mit dem Ärmel über die Augen, als würde er versuchen, das
gleißende Licht abzuwehren. „Vielleicht ist das die 'greifbarere Realität', von der der Kartograph sprach“,
murmelte er, seine Stimme ungewohnt leise, fast ehrfürchtig. „Aber ich mag es nicht. Diese Stille ist lauter als alles, was wir gerade verlassen haben.“
Sie kamen am Ziel des Signales an.
Der ohrenbetäubende Puls des Kristalls hämmerte in ihren Schädeln, während sich der Gang vor ihnen
in einem Kaleidoskop aus verzerrten Echos und
beißendem Ozon zusammenzog. Die
hochglanzpolierten Wände aus Schwarzglas schienen zu atmen, ihre unzähligen Reflexionen
verschluckten die Realität, bis selbst ihre eigenen Schatten sich zu unheimlichen Tänzern
verwandelten, die Bewegungen ausführten, die noch nicht geschehen waren oder längst vergangen.
Parzival riss die Augen auf. „Hast du das gesehen? Es... es hat sich einfach *verdreht*“,
stieß er hervor, seine Stimme nur ein zitterndes Flüstern im vielschichtigen Rauschen der Gänge, das nun von
einem feinen, mechanischen Klicken aus dem Boden überlagert wurde. Die stechende Kälte legte sich
wie ein feuchter Schleier auf ihre Haut, und ein kalter Windzug strich über ihre Gesichter, als ob
das Labyrinth selbst einen tiefen Atemzug nähme.
Wo eben noch eine undurchdringliche Fläche aus schwarzem Spiegelglas war, klaffte nun eine
unauffällige, polierte Metaltür, die nur durch einen schwachen, blauen Schimmer von den umliegenden
Spiegeln zu unterscheiden war. Die pulsierende Karte in Cassandras Hand schlug wild aus, ihre
kinetischen Symbole tanzten und formten eine neue, dringliche Route, die direkt auf die Tür zeigte.
Cassandra stieß einen scharfen Atemzug aus. „Das Signal… es war die Tür selbst! Wir sind da!“
Sie versuchten auf eine tiefere Ebene zu kommen.
„Wir müssen hier runter!“,
rief Cassandra, ihre Stimme zitterte und wurde sofort von den verzerrten Echos des Labyrinths verschluckt.
Der beißende Ozon-Geruch klammerte sich an ihre
Lungen, während die pulsierende Karte in ihrer Hand fieberhaft zuckte, ihre schimmernden Symbole wie
kleine, wahnsinnige Augen tanzten und eine hohe Frequenz aussandten, die direkt in ihre
Schädel zu kriechen schien. Parzival wich zurück, seine Augen huschten über die
flackernden Neonstreifen
, die jede seiner Bewegungen in einem Dutzend spiegelnder Oberflächen vervielfältigten. Jede
Reflexion schien eine eigene, drohende Form anzunehmen, ein scharfer Geruch von korrodiertem Metall brannte
in der Luft. „Wo, Cassandra? Wohin genau?“,
presste er hervor, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern gegen das ohrenbetäubende Fiepen des Kristalls, das sich mit dem vielschichtigen Flüstern des Levels zu einem
unheilvollen Chor vermischte. Die
stechende Kälte
kroch an ihren Gliedern hoch, und ein
unregelmäßiger Windzug
peitschte durch den dunklen Gang, als ob das Labyrinth selbst nach ihnen schnappte. Die mechanischen Klicks des Kartographen, nun
klarer und aus dem Boden kommend, verstärkten das Gefühl, dass sie nur noch tiefer in diesen Schlund
gezogen wurden. „Die Karte zeigt... einen Abstieg. Eine Frequenz, die nach unten führt!“,
erwiderte Cassandra, ihre Finger verkrampften sich um das pulsierende Artefakt, als würde sie es an
der Leine halten. „Wir müssen dem Signal folgen!“
KI, übersetze die Symbole.
„KI, übersetze die Symbole!“, zischte Cassandra,
ihre Stimme kaum mehr als ein zitternder Hauch in dem ohrenbetäubenden Fiepen des Kristalls. Die pulsierende Karte des
Flüstertempels in ihrer Hand schien unter ihren Fingern zu beben, ihre kinetischen Muster wirbelten
wie ein Schwarm aufgeschreckter Insekten. Die spiegelnden Wände des Labyrinths, die ohnehin schon
ein chaotisches Kaleidoskop aus verzerrten Reflexionen bildeten, multiplizierten die zuckenden
Schatten, die die flackernden Neonstreifen und der leuchtende Kristall warfen. Jeder Ton, jedes
winzige Klicken des Kartographen, wurde von den
dunklen Metalloberflächen aufgegriffen, verstärkt und in einem unheilvollen Chor aus Echos
zurückgeworfen, der sich mit dem beißenden Ozon-Geruch und der stechenden Kälte zu einer
erdrückenden Welle der Panik verband.
Parzival stieß einen frustrierten Laut aus, als eine Reflexion von ihm, gespiegelt in einem der
hochglanzpolierten Schwarzglas-Paneele, für einen Moment eine Grimasse schnitt, die nicht seine
eigene war. „Sie spielt mit uns“, murmelte er,
seine Augen huschten über die unzähligen, sich ständig neu formenden Spiegelbilder, die jede
Bewegung vervielfachten. „Wir verlieren hier den Verstand, Cassandra. Was sagt sie?“
Eine kühle, synthetische Stimme, durchdrungen von einer subtilen, beinahe amüsierten Herablassung,
schnitt durch das Stimmengewirr der Echos. „Die Anfrage wird verarbeitet. Ihre biologische Ungeduld ist statistisch irrelevant.“
Der Kartograph schien die ohnehin schon feuchte Luft um sie herum noch kälter zu machen, als würde
er die Umgebung selbst manipulieren. „Die Symbole… sie beschreiben eine Abwärtsspirale. Eine Art… Abstieg. Und das mechanische Klicken, das Sie vernommen haben, ist kein Echo, sondern ein wiederkehrendes Muster. Es ist der Herzschlag dieses Ortes, ein Frequenzsignal. Es weist auf eine Quelle hin, tief unter uns. Dort, wo die Illusionen am dünnsten sind und die Realität… greifbarer wird.“
Ein feines, mechanisches Klicken ertönte erneut,
diesmal klarer, als würde es direkt aus dem Boden unter ihren Füßen aufsteigen.
Cassandra ballte die Hand um die pulsierende Karte, ihre Finger zitterten. „Greifbarer? Das ist alles, was du hast? Was ist dort unten? Ein Artefakt? Oder nur ein weiterer Weg in den Wahnsinn?“
Die Verzweiflung in ihrer Stimme war greifbar, ein scharfer Kontrast zur kalten Logik der KI.
„Die Wahrscheinlichkeit eines biologischen Kollapses steigt exponentiell mit der Dauer des Aufenthalts in dieser Umgebung“,
erwiderte der Kartograph ungerührt. „Die Daten deuten auf eine signifikante Energieresonanz hin. Eine Anomalie von… Interesse. Ein Artefakt ist eine plausible Hypothese.“
Parzival schüttelte den Kopf, sein Blick fixierte einen Punkt in der schwarzen Glaswand, wo sich
kurz eine verzerrte Silhouette eines schwebenden Kubus manifestierte, nur um sofort wieder zu
verschwinden. „Also müssen wir tiefer. Na toll. Als ob es hier nicht schon genug wäre, dass jeder Schatten ein Grinsen sein könnte.“
Wo ist das Dingen? Welche Regeln hat es?
Das ohrenbetäubende Fiepen des Kristalls schnitt sich durch die feuchte Luft, ein scharfer Ozon-Geruch brannte in den Nasen. Jede
Bewegung, jedes Zucken der Neonstreifen ließ die ohnehin schon chaotischen Reflexionen an den
spiegelnden Wänden explodieren, vervielfältigte ihre Schatten bis ins Unendliche. Parzival riss den
Kopf herum, seine Augen huschten über die flackernden Oberflächen, wo sich für den Bruchteil einer
Sekunde die verzerrte Silhouette eines einzelnen, schwebenden Kubus spiegelte, nur um im nächsten
Moment wieder in der kakofonischen Lichtshow zu verschwimmen. Es war, als würde das Labyrinth selbst
die Luft aus ihren Lungen pressen, die Zeit dehnte sich, jeder Herzschlag dröhnte wie ein ferner
Hammerschlag.
Cassandra packte Parzivals Arm, ihre Stimme überschlug sich fast im verzerrten Flüstern, das aus allen Richtungen kam. „Wo ist das Dingen?“,
schrie sie, ihre eigene Frage hallte sofort, noch bevor das letzte Wort ihren Lippen entwich,
vielfach und überlagernd aus den Tiefen der Gänge zurück. „Welche Regeln hat es, Parzival? Sag mir, welche Regeln!“
Die pulsierende Karte in ihrer Hand zuckte wild, ihre schimmernden Symbole tanzten und verdrehten
sich, formten für einen winzigen Augenblick eine spiralförmige Bewegung, die nach unten zeigte,
bevor sie wieder in einem Meer aus fließenden Linien verschwamm. Ein kalter Wind, der nach altem Metall roch, schien direkt aus dieser
angedeuteten Tiefe zu wehen, eisiger als die umgebende Kälte, und trug ein kaum wahrnehmbares,
mechanisches Klicken mit sich, das sich durch die
Echos der Stimmen zu bohren schien.
Sie folgten der Linie,
Die pulsierende Linie auf der ozonverhangenen
Karte zog Cassandra und Parzival tiefer in das Herz des Labyrinths. Jeder Schritt war ein Kampf
gegen die Sinne, ein Tanz auf einem schmalen Grat zwischen Realität und Wahnsinn. Die
hochglanzpolierten Wände aus Schwarzglas und dunklem Metall rissen die ohnehin schon verzerrte
Umgebung in tausend Fragmente, spiegelten ihre eigenen panischen Gesichter wider, multiplizierten
sie ins Unendliche, bis jede Reflexion zu einem potenziellen Hinterhalt wurde.
„Das ist kein Weg, Parzival!“,
keuchte Cassandra, ihre Stimme kaum mehr als ein
zitterndes Flüstern, das sofort vom ohrenbetäubenden Fiepen
des Kristalls und dem vielschichtigen Flüstern
der Wände verschluckt wurde. Ihre Finger klammerten sich an Parzivals Arm, während die Karte in
ihrer Hand so heftig vibrerte, dass sie für einen
Moment die Orientierung verlor. Die Linie, die sie führen sollte, schien sich in den spiegelnden
Oberflächen zu winden, sich zu verbiegen und dann in einem grellen Blitz von Neonlicht aufzulösen,
nur um an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen.
Parzival zuckte zusammen, als ein kalter Windzug, beladen mit dem Geruch von korrodiertem Metall, an ihnen
vorbeistrich und das Flüstern in seinen Ohren zu einem unheilvollen Chor anschwellen ließ. „Halt dich fest, Cassandra!“,
erwiderte er, seine Stimme rau, während er versuchte, die pulsierende Karte festzuhalten, die sich
mit einer eigenen, bösartigen Energie gegen seine Hand stemmte. Die spiegelnden Wände schienen sich
zu verschieben, die Gänge vor ihnen zu verengen und dann wieder zu erweitern, als würden sie atmen.
Ein verrosteter, zerbrochener Lichtkasten, der schief von einer Deckenstrebe hing, zuckte und warf
zuckende Schatten, die sich wie klauenartige Finger über die Wände zogen. Jeder einzelne Schatten
war eine potenzielle Bedrohung, ein schemenhaftes Etwas, das im nächsten Moment aus der Tiefe der
Reflexionen springen könnte. Die Kälte kroch ihnen in die Knochen, eine stechende, feuchte Umarmung,
die die Angst in ihren Herzen nur noch weiter nährte.
Immer der Route nach.
Cassandra riss die Hand voran, die pulsierende Karte des Flüstertempels fest umklammert, während der
Anomaliekristall in ihrer anderen Hand einen schmerzhaft hohen Ton aussandte, der die Luft vibrieren
ließ. „Immer der Route nach!“, rief sie, ihre
Stimme nur ein dünnes Band in dem ohrenbetäubenden Fiepen
und dem vielschichtigen, verzerrten Flüstern, das
aus den spiegelnden Wänden quoll. Jeder ihrer Schritte hallte endlos nach, ein Kakophonie aus
vielfachen Echos, die sich zu einem undurchdringlichen Rauschen verdichteten und die Orientierung
wie ein zerschlagenes Glas zersplitterten.
Parzival folgte ihr, seine Augen tasteten die unzähligen Reflexionen ab, die sich in den
hochglanzpolierten Schwarzglaswänden und dem dunklen Metall brachen. Die Flackerlicht der
Neonstreifen tanzte wild, vervielfachte seine eigene Gestalt zu einer Armee zuckender Schatten, die
sich in den chaotischen Spiegelungen immer wieder neu formten. „Verdammt, ich seh’ uns fünfzig Mal!“, knurrte
er, seine Stimme rau, während ein kalter Windzug, beladen mit dem beißenden Ozon und dem scharfen Geruch von altem,
korrodiertem Metall, durch den Gang peitschte und die stechende Kälte bis in die Knochen trieb. Über
ihnen hing ein verrosteter, zerbrochener Lichtkasten schief von einer Deckenstrebe, seine leeren
Augenhöhlen spiegelten die pulsierenden Lichter wie tote Sterne wider. Die Karte in Cassandras Hand
schien für einen Moment die Flut der verzerrten Bilder zu beruhigen, eine hauchdünne Linie des Weges
zeigte sich, bevor die Realität wieder in ihre wahnsinnige Spiegelung zurückfiel.
Sie benutzen den Kristall an der Karte.
Ein scharfer, metallischer Geruch schnitt durch die schwere Luft, als Cassandra den faustgroßen
Anomaliekristall gegen die pulsierende Karte presste. Es war, als würde sich die Welt selbst für
einen kurzen, schmerzhaften Moment
zusammenziehen. Der Kristall, der sonst mit einem sanften, inneren Leuchten vibrierte, stieß nun
einen hohen, beißenden Ton aus, der direkt in die Ohren schnitt und sich mit dem
ohrenbetäubenden Fiepen des Levels zu einem schrillen Chor vereinte. Die Karte, die sich eben
noch so vehement gewehrt hatte, schien unter dem Druck des Kristalls für den Bruchteil einer
Sekunde zu erstarren. Ihre schimmernden, kinetischen Symbole, die zuvor wie ein chaotischer
Schwarm getanzt hatten, ordneten sich in blitzschneller Folge neu, bildeten klare, wenn auch
flüchtige Muster, die die Logik des Labyrinths für einen Augenblick entschleierten. Doch der
Moment der Klarheit war ebenso schnell wieder vorbei wie er gekommen war. Die spiegelnden Wände
des Ganges, die das ohnehin schon spärliche Licht der flackernden Neonstreifen in unzähligen,
zitternden Reflexionen vervielfältigten, schienen die neu gewonnene Ordnung sofort wieder zu
absorbieren. Die Muster auf der Karte verschwammen erneut, wenn auch nicht mehr mit der
vorherigen Aggressivität, sondern eher wie Rauch, der sich langsam auflöst.
„Sieh nur!“, keuchte Cassandra, ihre Stimme
rang mit dem hohen Fiepen des Kristalls, der sich nun in ihrer Hand fast zu heiß anfühlte. „Es... es hat funktioniert! Für einen Moment war alles klar! Ich habe... ich habe eine Route gesehen, Parzival. Eine Möglichkeit!“
Parzival zuckte zusammen, seine Augen huschten zwischen der Karte und den tanzenden Schatten an
den Wänden hin und her. „Was hast du gesehen?“, brüllte er gegen
den Lärm an, seine Stimme hart vor Anspannung. „Was auch immer es war, es hat diese verdammte Stille nur noch lauter gemacht!“
Dann werden wir die Karte los.
Cassandra ballte die Hand um die
pulsierende Karte des Flüstertempels
, ihr Entschluss war hart wie der kalte Wind, der durch die Gänge pfiff. „Dann werden wir die Karte los!“, keuchte sie,
ihre Stimme nur ein dünnes Flüstern im ohrenbetäubenden Echo des Labyrinths. Ein plötzlicher Ruck,
ein verzweifelter Versuch, das glühende Artefakt von sich zu schleudern, doch die Karte schien sich
an ihrer Hand festzusaugen, pulsierte wild, ein schmerzhafter Sog, der bis in ihre Knochen reichte.
Das schimmernde Papier krümmte sich, die kinetischen Symbole auf seiner Oberfläche mutierten zu
zuckenden, schwarzen Linien, die sich wie Würmer unter der Haut bewegten. Ein ohrenbetäubendes Fiepen schnitt durch die kalte Luft, schärfer
als jedes zuvor und ließ die spiegelnden Wände vibrieren. Die ohnehin spärliche
Beleuchtung
zuckte wild, warf zitternde Schatten, die sich in den schwarzen Glasflächen vermehrten, bis jeder
Blickwinkel ein Kaleidoskop aus flirrenden Schemen war.
„Cassandra, was tust du?!“, rief Parzival, seine
Stimme überschlug sich vor Schock, als er sah, wie das Artefakt seine Partnerin in den Griff bekam.
Er riss die
alte, intakte Taschenlampe
hoch, der schwache Lichtkegel tanzte über die sich windenden Reflexionen, konnte die rasende
Verzerrung kaum bändigen. Der scharfe Ozon-Geruch
wurde beißend, kratzte im Hals, als würde die Luft selbst in Flammen stehen. Die
stechende Kälte
intensivierte sich, eine eisige Kralle schien sich um ihre Herzen zu legen. Das vielschichtige, verzerrte Flüstern des Levels
schwoll zu einem Chor aus wirren Stimmen an, die direkt in ihre Köpfe zu dringen schienen, jede
einzelne Silbe ein Stich in ihre ohnehin schon strapazierte Psyche. Die Karte in Cassandras Hand
schien zu atmen, ein lebendiger, bösartiger Organismus, der sich weigerte, loszulassen, der sie
festhielt, während die Welt um sie herum in einem Strudel aus Geräuschen und verzerrten Bildern
versank.
„Sie lässt mich nicht los!“, schrie Cassandra,
ihre Stimme war nur noch ein dünner Faden in dem akustischen Chaos, während sie versuchte, das
Artefakt zu lösen, das sich mit aller Macht gegen ihr Vorhaben wehrte.
Gehen wir in die Richtung, in die der Echowanderer gezeigt hat.
„Gehen wir in die Richtung, in die der Echowanderer gezeigt hat“,
flüsterte Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch, der sich sofort in den verzerrten Echos der Gänge verlor. Jeder
Schritt hallte nicht nur einmal, sondern ein Dutzend Mal wider, prallte von den
hochglanzpolierten Schwarzglaswänden
ab und kehrte als verwirrendes Klanggewirr zurück. Cassandra nickte nur knapp, ihr Blick scannte die
flackernden Neonstreifen
, die an der Decke entlangliefen und ihre eigenen, zuckenden Schatten in die unendlichen Reflexionen
warfen. Ein scharfer, metallischer Geruch kratzte
in ihrer Kehle, intensiver als zuvor, als ob das Labyrinth selbst versuchte, sie zu ersticken.
Die
stechende Kälte
kroch tiefer unter ihre Kleidung, und der Windzug schien nicht aus einer Richtung zu kommen, sondern
aus allen gleichzeitig, ein körperloses Flüstern, das ihre Haare sträubte. In den unzähligen
Spiegelungen, die jeden Winkel des Raumes vervielfachten, glaubte Parzival, für einen Moment eine
alte, verrostete Werkzeugkiste zu sehen, die in einer der Reflexionen unnatürlich schwebte, nur um
im nächsten Augenblick zu verschwinden, ein Produkt der ermüdeten Augen und der ständigen visuellen
Überladung. „Ich glaube, das hier ist ein Test“,
murmelte Cassandra, während sie die pulsierende Karte in ihrer Hand fester umklammerte. „Die Karte rast, und alles hier schreit danach, uns zu verwirren. Es will, dass wir aufgeben.“
Wir müssen weiter, prüfen wir die Karte dabei.
Cassandra riss die Worte hervor, die sich im vielschichtigen Echo der Gänge fast verloren: „Wir müssen weiter! Die Karte… sie muss uns etwas zeigen!“
Ihre Stimme war ein dünnes Band gegen das ohrenbetäubende Flüstern, das aus jeder spiegelnden Oberfläche
zu kriechen schien. Ihre Stiefel schlidderten über den feuchten Boden aus dunklem Metall, dessen
hochglanzpolierte Oberfläche ihre zitternde Gestalt unzählige Male verzerrte. Jeder Schritt war ein
Kampf gegen die Desorientierung, die sich wie ein kalter Schleier um ihre Gedanken legte.
Die pulsierende Karte in ihren Händen zuckte und glühte, die kinetischen Symbole auf ihrer
Oberfläche schrieben sich in einem rasenden Tempo neu, bildeten Spiralen und Linien, die keinen Sinn
ergaben, aber eine unbestreitbare Präsenz verrieten. Ein hohes Fiepen ging von ihr aus, das sich mit dem
statischen Rauschen des Labyrinths verband und ihr direkt ins Ohr zu bohren schien. Parzival, dicht
hinter ihr, versuchte, die flackernden Neonstreifen zu ignorieren, die lange, zuckende Schatten
warfen. „Ich sehe nichts als uns selbst!“,
knurrte er, seine Hand griff nach dem rostigen Brecheisen, mehr aus Gewohnheit als aus echtem
Glauben an seine Wirkung. Die scharfen Kanten der spiegelnden Wände drohten, sie bei jeder
unachtsamen Bewegung zu schneiden, und der Geruch von Ozon und altem Metall
kratzte in ihren Lungen.
Plötzlich, in einer der unzähligen Reflexionen, die sich über die schwarzen Wände zogen, schwebte
ein Objekt. Es war kein reales Ding, nur ein Abbild, ein verzerrter, rotierender Würfel aus Licht,
der sich unabhängig von ihrer eigenen Bewegung im Spiegel bewegte. Erdige Feuchte stieg auf, als ein kalter
Windzug durch den Gang fegte, und mit ihm schien ein vielschichtiges Flüstern
direkt in ihre Köpfe zu kriechen. Ein Echowanderer, eine Gestalt aus flackernden Schatten und
Reflexionen, glitt geräuschlos durch eine der spiegelnden Wände, seine Umrisse verschwammen mit der
Umgebung. Es zeigte mit einer kaum wahrnehmbaren Geste in eine Richtung, doch das Flüstern, das von
ihm ausging, war so undeutlich und verzerrt, dass es jede Orientierung zunichtemachte. „Was war das? Hast du das gesehen?“, keuchte
Cassandra, ihre Augen huschten von der Karte zu der schwebenden Reflexion, dann zu dem
verschwindenden Schemen.
Zeigt Sie die Entitäten an?
Die pulsierende Karte in Cassandras Händen reagierte auf ihre Frage mit einem plötzlichen, heftigen
Zucken. Die schimmernden Symbole, die zuvor wie ein unleserlicher Tanz gewirkt hatten, verdichteten
sich nun zu einem wirren Netz aus Linien und Schatten, die sich über die Oberfläche zogen. Es war,
als würde das Artefakt selbst in Panik geraten, unfähig, eine klare Antwort zu geben. Ein hohes Fiepen entwich der Karte, ein Geräusch,
das wie verzerrtes Glas klang und sich sofort in den spiegelnden Wänden des Ganges vervielfachte,
bis es von allen Seiten auf sie einprasselte.
„Was zur Hölle ist das?“, knurrte Parzival, seine
Stimme belegt von einer Mischung aus Frustration und wachsender Angst, während er die Karte
fixierte. Er sah, wie die Reflektionen der Symbole in den spiegelnden Wänden sich
verselbstständigten, zu flüchtigen Schatten wurden, die an den Rändern seines Blickfeldes tanzten –
zu schnell, um sie zu fassen, aber zu präsent, um sie zu ignorieren. Die ohnehin schon schummrige
Beleuchtung durch die flackernden Neonstreifen schien sich diesem Chaos anzupassen, wurde
unregelmäßiger, warf lange, zuckende Schatten, die jede Oberfläche in eine Falle aus Trugbildern
verwandelten. Der metallische Geruch des Ozons in der feuchten Luft intensivierte sich, kratzte in
ihren Lungen, als würde die Realität selbst hier dünner werden. Ein kalter Windzug strich durch den
Gang, brachte einen Hauch von etwas Altem und Modrigem mit sich, das sich an ihre Haut klammerte.
Cassandra drückte die Karte fester an sich, als könnte sie die schiere Informationsflut eindämmen.
„Sie... sie zeigt keine Entitäten direkt an. Nur... Muster. Verzerrungen. Aber es fühlt sich an, als würde sie *wissen*, dass etwas hier ist!“
Ihre grünen Augen huschten von der Karte zu den unzähligen Reflexionen, die sie umgaben. Jeder
Schatten, jede dunkle Fläche schien nun ein potenzielles Versteck zu sein, und das vielschichtige
Flüstern, das von den Wänden widerhallte, schien sich direkt an ihre Gedanken zu richten, versprach
Geheimnisse und drohte gleichzeitig mit ungesehenen Gefahren.
Sie schauten sich die Flüstertempelkarte an, was Sie hier bewirken könnte.
Die nachklingende Panik des Smiler-Grinsens klammerte sich noch an die Luft, eine geisterhafte
Kälte, die an ihrer Fassung nagte. „Was zum Henker war das?“,
stieß Cassandra hervor, ihre Stimme brach, als sie die pulsierende_karte_des_fluestertempels mit
zitternden Händen festhielt. Das Artefakt schimmerte in ihren Händen, seine kinetischen Symbole
tanzten wilder als zuvor, wie ein Schwarm leuchtender Insekten, die aufgescheucht wurden. Der
anomaly_crystal, den sie fest umklammerte, pulsierte im Takt der Karte, ein tiefer, beruhigenderer
Rhythmus, der die verzerrten Echos des Labyrinths für einen Moment zu dämpfen schien. Parzival,
seine Augen immer noch auf die spiegelnden Wände geheftet, in denen er das Grinsen des Smilers
gesichtet hatte, versuchte, seine Atmung zu kontrollieren. „Das Ding will uns etwas sagen“, murmelte er,
seine Stimme rau, während ein kalter Windzug durch den dunklen Gang strich und die Neonstreifen noch
heftiger flackern ließ. Die rauen Betonwände des Ganges schienen sich enger um sie zu ziehen, die
hochglanzpolierten Schwarzglasflächen reflektierten ihre panischen Gesichter in unzähligen,
fragmentierten Bildern. „Das Flüstern wird lauter“, zischte
Cassandra, der Blick auf die Karte geheftet. Die Symbole auf der Karte begannen, sich zu verdichten,
formten undeutliche Umrisse von Gängen und Kammern, die sich in den spiegelnden Oberflächen des
Labyinths zu spiegeln schienen. „Es ist, als würde sie die Wände lesen.“
Leise bewegten Sie sich durch das Labyrinth.
Cassandra presste sich an die rauen Betonwände, jeder ihrer Schritte hallte wider, obwohl sie
versuchte, leise zu sein. Das Echo des Flüsterns,
das von den spiegelnden Oberflächen zurückgeworfen wurde, schien sich direkt in ihren Schädel zu
bohren, eine Kakophonie aus Stimmen, die keine Worte formten, nur Angst. Der faustgroße
Anomaliekristall in ihrer Hand pulsierte leicht, sein schwaches Leuchten schien die Luft um sie
herum zu verdünnen, das metallische Ozon in der Luft wurde schärfer, fast stechend.
„Hörst du das?“, flüsterte sie, ihre Stimme kaum
mehr als ein zitterndes Hauchen, das sofort von den Wänden verschluckt und als vielstimmiges Murmeln
zurückgeworfen wurde. „Es ist… überall.“
Parzival nickte stumm, seine Augen huschten über die unzähligen Reflexionen. Jede spiegelnde Fläche,
sei es das hochglanzpolierte Schwarzglas oder das dunkle Metall, war ein Fenster in ein verzerrtes
Paralleluniversum, in dem ihre eigenen Schatten zu grotesken Fratzen tanzten. Ein flackernder
Neonstreifen warf lange, sich bewegende Schatten, die sich wie klauenartige Finger über den Boden
zogen. Das Licht des Splitters, den sie bei sich trugen, warf einen blauen Schimmer auf die Szene,
der das Chaos der Reflexionen nur noch verstärkte. In einer besonders dunklen Ecke, dort wo das
Licht des Kristalls einen Moment lang klarer schien, glaubte Parzival, einen Augenblick lang etwas
anderes zu sehen – ein breites, grinsendes Etwas, das für den Bruchteil einer Sekunde in den
Schatten zu schweben schien, nur um dann wieder mit den sich bewegenden Reflexionen zu verschmelzen.
Die stechende Kälte des Ganges kroch in ihre Knochen, eine eisige Umarmung, die die Gänsehaut über
ihre Arme jagte. „Bleib nah“, murmelte Parzival,
seine Stimme rau, während er Cassandras Hand suchte. „Nicht den Blick schweifen lassen.“
Das Summen der Wände nahm zu, wurde tiefer, resonanter, als würde das Labyrinth selbst einen tiefen
Atemzug nehmen.
Sie tranken Mandelwasser.
Cassandra riss die pulsierende Flasche Mandelwasser hervor, ihre Finger zitterten, als sie den
seltsam süßen, scharfen Geruch wahrnahm, der aus dem Flaschenhals entwich. Ohne Zögern hob sie die
Flasche an ihre Lippen, das unnatürlich leuchtende Elixier schmeckte eisig und doch brennend auf
ihrer Zunge. Ein tiefer Schluck, und eine Welle der Klarheit durchfuhr sie, vertrieb die schärfsten
Kanten der Panik, die sich in ihren Schädel gebohrt hatten. „Nimm das“, raunte sie, ihre Stimme hallte
verzerrt von den rauen Betonwänden wider, als würde sie gleichzeitig aus mehreren Richtungen
sprechen. Parzival nickte stumm, ergriff die Flasche und trank ebenfalls. Die Kälte des Getränks
schnitt durch die stechende Luft, die nach Ozon und altem Metall roch, und für einen Moment schien
das ohrenbetäubende Flüstern, das durch den Gang zischte, sich zu beruhigen, seine Vielschichtigkeit
reduzierte sich auf ein einziges, unheimliches Summen. Der Glassplitter in Cassandras Hand pulsierte
im Takt ihres Herzschlags, warf gespenstische Schatten, die sich auf den feuchten, unebenen Wänden
zu bewegen schienen, als würden sie atmen.
Sie betraten die Spalte,
Es war ein Hineinstürzen, kein Betreten. Parzival rammte sich zuerst in die klaffende Spalte, sein
Körper schien sich in den schmalen Betonriss zu pressen, während von hinten das nasse Kratzen der Hounds wie eine peitschende Welle
näherkam. Der Beton rieb an seiner Jacke, ein schleifendes Geräusch, das im Ohrenbetäubenden Fiepen
der Insekten unterging, welches aus den Wänden zu explodieren schien. Cassandra folgte ihm, ein
scharfer Schmerz durchfuhr ihre Schulter, als sie sich durch die Engstelle zwang, der faulige Geruch nassen Fells der Hounds, so nah,
dass er sich wie ein Biss anfühlte, verfing sich noch in ihren Haaren.
Kaum waren sie durch, als der Gang sich hinter ihnen wie ein fleischfressender Mund zu schließen
schien, die grüne Pulsation des vorherigen Korridors erstarb zu einer fahlen Erinnerung. Hier
herrschte absolute Finsternis, nur der kleine, rein leuchtende
Glassplitter
in Cassandras Hand warf einen verzweifelten, blauen Schein auf die rauen, feuchten Betonwände. Der
Boden war uneben, schien sich unter ihren Füßen zu verschieben, jede Berührung war ein kalter
Schock.
Ein eisiger
Wind
heulte ihnen entgegen, schnitt ins Gesicht und stahl die letzte Wärme aus ihren Gliedern. Er trug
undeutliches Flüstern mit sich, das sich zu
verschieben und zu verformen schien, als ob unsichtbare Münder direkt neben ihren Ohren sprächen,
ihre Worte zu einem chaotischen Singsang verwob. Parzival stolperte, sein Arm riss in die Luft, um
das Gleichgewicht zu halten. „Was zum Teufel war das?“, keuchte er, seine
Stimme war nur ein dünner Faden gegen das Heulen des Windes und das Flüstern, das nun lauter wurde.
„Hört ihr das? Es… es ist hier drin.“ Seine
Stimme zitterte, der Klang seiner eigenen Worte schien sich zu brechen, als würde die Dunkelheit
selbst an ihnen zerren.
Cassandra drückte sich tiefer in den Gang, die Kälte war ein lebendiges Ding, das an ihrer Haut
nagte. Der Geruch war anders hier: ein scharfer, metallischer Tang
mischte sich mit erdiger Feuchte, als wären sie in ein altes, ausgehöhltes Grab gefallen. „Nur der Wind, Parzival!“, erwiderte sie, ihre
eigene Stimme klang dünner, als sie gewollt hatte. Sie konnte die Panik in ihren Ohren rauschen
hören, eine Welle, die sie zu überrollen drohte. „Wir müssen weiter! Wir sind hier nicht sicher!“
Der Glassplitter in ihrer Hand pulsierte schwächer, als hätte die Dunkelheit auch sein Licht zu
verschlucken begonnen.
Sie waren gefangen in einem Schlund aus Beton und Kälte, während die Hounds hinter ihnen nun nur
noch ein fernes, gedämpftes Rasseln waren – eine
Erinnerung an die Flucht, die sie hierhergetrieben hatte, in die nächste unbekannte Hölle.
Zu dem Ausgang!
Cassandra stieß einen scharfen Schrei aus, der im grünen Pulsieren des Korridors erstickte, als sie
Parzival am Arm packte. „Da! Zu dem Ausgang!“ Ihr Griff war
eisenhart, ihre Augen fixierten die schmale Spalte in der Betonwand, die wie eine gezackte Wunde in
der gleichförmigen Ödnis klaffte. Das schrille Fiepen der Insekten
schien direkt aus ihren eigenen Knochen zu kommen, tausendfach verstärkt durch die Panik, die durch
ihre Adern raste. Parzival, dessen Blick für einen winzigen Moment an den wurmartigen Ablagerungen
an der Wand hängen blieb – er schwor, sie zuckten wie blutgefüllte Venen – spürte das kalte Atemholen der Hounds im Nacken. Er sah nicht
nur einen Spalt, sondern eine flüsternde, gähnende Öffnung, die bereit war, sie zu verschlingen. Ein
eisiger
Luftzug
strömte aus dem Dunkel der Spalte, erfüllte die warme, stickige Luft mit dem Geruch nach Leere und Verfall, und das undeutliche Flüstern darin schien seinen Namen
zu rufen, eine Verheißung und eine Drohung zugleich. Sie stürmten los, der Drang zu entkommen war
ein rohes, primitives Tier, das sie vor sich hertrieb.
Wie kommen Sie hierher, fragte Parzival, als Sie einen Ausgang sahen.
Der grüne, pulsierende Korridor schien sich um sie zusammenzuziehen, seine feuchten Metallwände
vibrierten im Takt des schrillen Fiepens der Insekten. Hinter ihnen, aus dem
dunklen Schlund des Abflussrohrs, drang das unverkennbare, feuchte Kratzen der Hounds, jetzt lauter, aggressiver,
als würden die Kreaturen mit ihren Klauen gegen die metallenen Wände schlagen, um sich ihren Weg
freizuboxen. Cassandra riss den Blick von dem Ungeziefer in den Wänden, ihre Augen weiteten sich vor
blankem Entsetzen. „Sie sind direkt hinter uns! Hörst du das? Wir müssen hier raus, jetzt!“
Sie taumelte, stolperte über eine der modrigen Ablagerungen, die den Boden glitschig machten.
Parzival packte ihren Arm, seine Finger gruben sich fest in den Stoff ihres Ärmels. „Bleib in Bewegung!“, befahl er, seine Stimme
war rau, aber fest. Er drehte den Kopf, um über seine Schulter zu blicken, doch der Anblick der sich
windenden, wurmartigen Masse im Rohr ließ ihn fast die Orientierung verlieren. Der Geruch von
nassem, fauligem Fell vermischte sich mit der warmen, stickigen Luft und dem Hauch von Abgasen, der
aus der Ferne zu kommen schien. Die unnatürliche Kälte, die sich vom Eingang des Rohres her
ausbreitete, wurde nun von einer noch eisigeren Präsenz im Korridor überlagert, die ihm das Blut in
den Adern gefrieren ließ.
Plötzlich riss Parzival den Blick nach vorne, sein Atem stockte. Eine schmale Spalte in der
glitschigen Betonwand, die zuvor nur eine unregelmäßige Textur gewesen war, hatte sich geöffnet. Ein
fast unmerklicher, kalter Wind strömte aus ihr
hervor, begleitet von einem leisen, undeutlichen Flüstern,
das zu locken schien. Es war nicht die schiere Größe, die sie so unübersehbar machte, sondern die
Art, wie das schwache, ungesunde Grün der Wände um sie herum zu verblassen schien, als ob die Spalte
das Licht und die Farben aus ihrer Umgebung sog, um sich selbst hervorzuheben. Sie war ein Vakuum,
eine Einladung in eine andere Art von Dunkelheit. „Was... ist das?“,
fragte Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Wie kommen wir hierher? Ich habe diese Spalte vorher nicht gesehen.“
Cassandra riss die Augen auf. „Ein Ausgang!“,
rief sie, und ihre Stimme klang, als würde sie zum ersten Mal wieder wirklich atmen.
Insekten und Hounds?
Cassandras Kopf ruckte herum, ihre Augen suchten fieberhaft die pulsierenden, glitschigen Wände des
Korridors ab, während das schrille Fiepen der Insekten sich zu einem beinahe physischen Schmerz in
ihren Ohren steigerte. Ihre Hand umklammerte das filigrane Werkzeug fester, als würde es ihr Halt in
der sich auflösenden Realität geben. Der kalte Luftzug, der aus dem dunklen Schlund des Rohres
drang, ließ eine Gänsehaut über ihre Arme jagen, doch die plötzliche Kälte im Korridor war
unnatürlicher, eine Vorahnung, die ihr den Atem raubte. Von hinten, aus der Richtung des Rohres,
drang das feuchte, schleifende Kratzen der Hounds nun mit einer unerbittlichen Lautstärke an ihr
Ohr, beinahe schon ein direktes Flüstern des Todes.
„Die Insekten! Und die Hounds!“
Cassandra presste die Worte hervor, ihre Stimme brach beinahe vor Panik, während ihr Blick
verzweifelt zu Parzival huschte, der sich versteifte. Die grünen Lichtpulse an den Wänden schienen
mit ihrem Herzschlag zu synchronisieren, jede Welle des Lichts ein weiterer Schlag der Angst.
Parzival spürte das Echo von Cassandras Panik, das ihm wie ein kalter Strom durch die Adern fuhr. Er
drehte sich nicht um, seine Augen blieben starr auf den Gang vor ihnen gerichtet, während er
angestrengt versuchte, das mechanische Rauschen des Phantomverkehrs vom schleifenden Geräusch der
näherkommenden Hounds zu unterscheiden. „Sie sind näher,“
knurrte er, seine Stimme war rau und angespannt, „Wir müssen uns bewegen!“
Duller mögen es nicht, angesehen zu werden.
Der Duller, ein grauer Riss in der Realität, löste sich in die Schatten auf, als hätte er nie
existiert, nur ein flüchtiger Schrecken, der die Luft für einen Moment zum Gefrieren brachte. Doch
die Stille, die er hinterließ, war keine Erleichterung; sie war nur die Lücke zwischen zwei
Alpträumen. Cassandra spürte, wie der kalte Schauer auf ihrem Nacken durch eine neue, noch akutere
Bedrohung ersetzt wurde, die aus der Dunkelheit hinter ihnen kroch. Das gedämpfte Kratzen der Hounds schwoll erneut an, drang
durch das glitschige, grünlich pulsierende Material der Wände, das sich um sie herum wie ein
lebender Organismus zu verengen schien.
„Duller mögen es nicht, angesehen zu werden“,
murmelte Parzival, seine Stimme belegt von einer plötzlichen Heiserkeit, als er seinen Blick von der
Stelle riss, wo die Entität verschwunden war, und ihn auf die schleimigen Wände richtete. Das
ungesunde Grün des Lichtes pulsierte im Takt des fiependen Insektenchores, der aus den Wänden drang, als
würde die Substanz selbst atmen. Die warm-stickige Luft des Korridors wurde von einem eisigen Hauch
durchzogen, der vom Eingang des Rohres herüberwehte, ein unheilvolles Vorzeichen für das, was dort
lauerte. Cassandra spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte. Die modrigen Ablagerungen an den Wänden
schimmerten feucht, und ihr unaufhörliches Zittern schien sich auf ihre eigene Haut zu übertragen.
„Das hilft uns jetzt nicht, Parzival!“,
zischte sie, ihr Blick suchte verzweifelt nach einem Ausweg in der endlosen, sich windenden Passage.
„Das Kratzen kommt näher!“
Was war das für ein grauer Schemen?
Cassandra riss den Kopf herum, als Parzivals Stimme wie ein einziger, scharfer Hieb durch die
feuchte Luft peitschte. „Was war das für ein grauer Schemen?“
Seine Augen waren geweitet, fixiert auf die Stelle, wo der schemenhafte Umriss vor einem
Wimpernschlag noch mit den grünlich pulsierenden Wänden des Korridors verschmolzen war. Doch das
Nichts dort war nun noch leerer, als hätte es die Luft selbst verschluckt. Eine
plötzliche, eisige Kälte
kroch vom Boden herauf, legte sich wie ein feuchter Schleier über ihre Haut und ließ Cassandras Atem
als winzige Nebelwolke entweichen, die sofort im Nichts verschwand. Das schrille Fiepen der Insekten, das aus den
wurmartigen Ablagerungen in den Wänden drang, schien für einen Moment zu verstummen, nur um dann,
von der plötzlichen Stille des Schemens verstärkt, wieder in ihre Schädel zu hämmern. Das gedämpfte Kratzen der Hounds hinter dem
glänzenden Abflussrohr, aus dem sie gerade gekommen waren, erinnerte sie an die unausweichliche
Bedrohung, die immer noch hinter ihnen lauerte. „Es war ein Duller“, flüsterte
Cassandra, ihre Stimme kaum lauter als das Blutrascheln in ihren Ohren.
„Wir müssen weiter, Parzival. Jetzt!“
Ihre Finger umklammerten fester den leuchtenden Glassplitter, dessen fahler Schimmer in diesem
ungesunden Grün der Wände wie ein verlorenes Versprechen wirkte.
Sie erreichten das Ende des Rohres.
Ein letztes, verzweifeltes Schlittern ließ Cassandra aus der beengten Röhre gleiten, ihre Stiefel
fanden Halt auf einem Untergrund, der sich plötzlich breiter und weniger klaustrophobisch anfühlte.
Parzival folgte dicht hinter ihr, seine Schultern rieben am feuchten Metall der Rohrwand, bis er
ebenfalls mit einem dumpfen Stoß auf den Boden aufkam. Der modrige Geruch des Rohres mischte sich
abrupt mit einer neuen, wärmeren Schwüle, die nach feuchter Erde und etwas Süßlichem roch, fast wie
verrottende Blüten. Das schrille Fiepen der Insekten schien nun aus den Wänden selbst zu kommen, ein
tausendfaches Sirren, das in den Ohren dröhnte und sich mit dem gedämpften Kratzen der Hounds von hinten vermischte, das
immer noch wie ein grauenvolles Echo an ihren Fersen klebte.
Cassandra wirbelte herum, ihre Augen suchten fieberhaft die Dunkelheit ab, doch das Leuchten des
Glassplitters in ihrer Hand verlor sich in der weiten, undefinierbaren Leere. Das Rohr mündete in
einen scheinbar endlosen, niedrigen Korridor, dessen Wände aus einem unbekannten, glitschigen
Material bestanden, das in einem ungesunden, grünlichen Schimmer pulsierte. Überall krochen
seltsame, wurmartige Ablagerungen die Wände hoch, und aus kleinen Spalten, die aussahen wie Risse in
einer organischen Membran, quollen Schwaden eines dampfigen Dunstes hervor. Ein kalter Luftzug, der
noch vom alten Parkhaus zu kommen schien, peitschte ihnen entgegen, als ob die Röhre eine Nahtstelle
zwischen zwei Alpträumen wäre. „Was ist das hier?“, zischte Cassandra, ihre
Stimme klang dünn und fremd in der feuchten Luft. „Das fühlt sich… falsch an.“
Parzival spürte das Pochen in seinen Schläfen, ein Echo der Hounds, das sich mit dem neuen,
überfordernden Summen verband. Er hob die Hand, seine Finger schlossen sich um das Brecheisen, als
wollte er sich an die physische Realität klammern. „Falsch ist eine Untertreibung, Cassandra“,
raunte er, seine Augen huschten über die pulsierenden Wände. „Aber es ist… anders. Wir sind raus aus dem Parkhaus. Das ist ein Anfang.“
Sein Blick wanderte zu dem dunklen Schlund, aus dem sie gerade gekrochen waren, die Hounds waren
dort, er spürte es, eine unsichtbare, lauernde Bedrohung. Er musste einen Weg finden, sich von
diesem Ort zu entfernen, die Entfernung zwischen sich und dem grauen Schemen zu vergrößern, der sie
verfolgte.
Sie gingen durch das Rohr.
Die Welt verengte sich brutal, als Cassandra und Parzival sich in die feuchte Enge des Abflussrohres
zwängten. Das Metall rieb rau an ihrer Kleidung,
ein metallisches Kreischen, das den Ohren schmerzte. Jeder Zentimeter des Vortriebs war ein Kampf
gegen die klaustrophobische Umarmung des Rohres, das nach warmem Schleim und modrigem Wasser roch. Von
hinten drang das nasse, schleifende Kratzen der
Hounds, nun gedämpft, aber nicht weniger bedrohlich, durch das schwache Echo des Rohrs. Ein kalter
Luftzug von dort, wo sie hergekommen waren, bestätigte, dass die Kreaturen noch immer lauerten. Das
pulsierende Leuchten des Abflussrohres schien mit ihrem eigenen, panischen Herzschlag zu vibrieren,
während Cassandras Atem in kurzen, hechelnden
Stößen gegen die feuchten Wände prallte.
„Weiter!“, zischte Parzival, seine Stimme belegt
von Anstrengung und der drängenden Angst. „Keine Sekunde stehen bleiben!“
Die schrillen Fiepen der Insekten, die im Inneren
des Rohres hausten, schwollen zu einem ohrenbetäubenden Chor an und mischten sich mit dem fernen,
phantomhaften Rauschen des Verkehrs, das selbst hier nicht verstummte. Das schwache, interne
Leuchten des Rohres war kaum ausreichend, um die modrigen Ablagerungen auf dem Boden zu erkennen,
und der Leuchtsplitter, den sie trugen, war nur ein tröstlicher, kleiner Punkt in der erdrückenden
Dunkelheit. Die Wärme, die aus dem Rohr strömte, war nicht beruhigend, sondern stickig und
beklemmend, erfüllt von dem beißenden Geruch nach süßlichen Abgasen und dem fauligen Fell,
das die Hounds mit sich trugen. Jeder Muskel schmerzte, jede Bewegung war ein Kampf, aber die
Vorstellung der lauernden Kreaturen trieb sie vorwärts, tiefer in diese unbekannte, feuchte Röhre.
Zum Rohr, Schnell!
Die Luft zerriss förmlich um Cassandra und Parzival, als Cassandras Ruf „Zum Rohr, Schnell!“
die Stille des Endlosen Parkhauses durchschnitt. Das nasse Rasseln der Hounds explodierte hinter
ihnen zu einem ohrenbetäubenden Strudeln, ein Geräusch, das sich anfühlte, als würde man unter
Wasser ertrinken, während gleichzeitig eine Säge über Metall kreischt. Jeder Schlag des Raschelns
ließ den eisigen Wind auf ihrer Haut zu Schlägen werden, peitschte ihnen förmlich ins Gesicht und
zwang sie, sich noch tiefer in ihre Mäntel zu vergraben.
Cassandra stürmte los, ihre Stiefel schlugen hart auf den zerbrochenen Beton. Ein Stück
aufgeplatzten Asphalts, das vor wenigen Sekunden noch als einfacher Bruch im Boden gelegen hatte,
schien sich zu einem klaffenden Schlund zu weiten, der das gleißende Abflussrohr darunter freigab.
Es war nicht nur ein Loch; es war ein Atemzug, der warme, modrige Geruch und das schrille Fiepen der
Insekten, die daraus quollen, waren ein schmerzhafter Kontrast zu der sterilen Kälte und dem
beißenden Gestank nach Abgasen und nassem, verrottendem Fell, der sie von hinten verfolgte.
Parzival folgte ihr, sein Blick huschte über die sich wellenden Fahrbahnen. Rechts von ihm vibrierte
ein loses Stück Beton, nicht nur mechanisch, sondern mit einer unheimlichen, pulsierenden Energie,
als ob das Material selbst unter Schock stand. Er sah, wie die Schatten der verrosteten
Straßenschilder sich in die Länge zogen, wie schwarze, spitz zulaufende Klingen, die sich über den
Asphalt legten. Die Phantom-Autos schienen in diesem Moment nicht nur fern zu rauschen; sie
flüsterten, ihre Motoren heulten in einer Kakophonie aus Angst und Bedrohung. Er warf einen
schnellen Blick zurück. Zwischen den verrosteten Bewehrungsstäben und den hoch aufragenden
Betonpfeilern, die ins Nichts ragten, konnte er die unscharfen Umrisse der Hounds erkennen – graue
Schemen, die sich von den Schatten lösten, weniger real als eine Halluzination, aber gefährlicher
als jede feste Materie. „Bleib dicht dran!“ keuchte er, als
der metallische Geruch des Todes sich in seiner Kehle festsetzte, eine warme Süße, die das Adrenalin
in seinem Blut schmerzhaft explodieren ließ. Die kalte, feuchte Luft, die sie umgab, verwandelte
sich in einen eisigen Handschuh, der sich um ihre Lungen legte und jeden Atemzug zu einem Kampf
machte.
Cassandra bemerkte, wie das schwache Leuchten des Abflussrohrs sich im nassen Asphalt spiegelte, ein
rettendes Feuer in dieser endlosen grauen Leere. Ihre Hände waren taub vor Kälte, doch die Wärme,
die aus dem Rohr strömte, war nicht nur physikalisch; sie war ein Versprechen. Ein umgekippter,
leerer Einkaufswagen lag verlassen am Fahrbahnrand, seine rostigen Räder zeigten zum Himmel, ein
stummer Zeuge der sinnlosen Ewigkeit.
Haben wir hier eine Erhöhung oder Knochen? fragte Parzival.
Nasses Rasseln und ein schleifendes Kratzen
zerrissen die vermeintliche Stille, ein Geräusch, das sich tief in die Gehörgänge bohrte und dort
nachhallte wie ein ertrinkender Kampf. Der Geruch nach beißenendem, nassem, verrottendem Fell
schlug ihnen entgegen, so intensiv, dass er sich wie eine physische Attacke anfühlte, die die Luft
aus ihren Lungen presste. Parzival, die Augen weit aufgerissen, tastete mit einem Fuß nach Halt auf
dem flimmernden Asphalt, der sich unter ihm
wellte, als wäre er nur eine dünne Haut über einem brodelnden Etwas. Seine Hand zuckte, während er
verzweifelt die Umgebung absuchte, nach jedem noch so kleinen Vorteil, der sie aus dieser Falle
befreien konnte. Ein Stück zerbrochenen Betons, das eben noch fest im Untergrund verankert war,
schien zu zittern, vibrierte mit einer unheimlichen Eigenbewegung, die nichts mit der Erschütterung
durch die nahenden Hounds zu tun hatte, sondern einer bösartigen Lebensform gleichkam.
„Haben wir hier eine Erhöhung oder Knochen?“,
presste Parzival hervor, seine Stimme rau, beinahe überschlagen, während das nasse Rasseln der Hounds sich verzerrte, mal
viel zu nah, dann wieder unwirklich entfernt klang, als spiele jemand mit der Akustik des
Parkhauses. Cassandra riss den Kopf herum, ihre Augen huschten über die endlosen Betonstraßen, die
in der Ferne in einem
diesigen, grauen Schleier
verschwanden. Ihre Hand griff nach Parzivals Arm, ihre Finger umklammerten den Stoff seines Ärmels
mit panischer Stärke. „Erhöhung? Knochen?“,
zischte sie zurück, ihr Blick fixierte ein besonders verrostetes Straßenschild, das in der Ferne
stand, ein einsamer Mahnmal in dieser Tristesse, dessen Schatten sich unnatürlich lang und spitz
über den feuchten Beton zogen. „Wir haben nichts, Parzival! Wir haben nur diese verdammten Straßen und das Rohr! Lauf, jetzt!“
Das leise Summen von Insekten aus dem glänzenden
Abflussrohr, das unter dem aufgebrochenen Asphaltstück lag, schwoll plötzlich an, wurde zu einem
schrillen Fiepen, das die Sinneszellen penetrierte und den Eindruck erweckte, die ganze Umgebung
würde gleich in einem Meer aus Geräuschen explodieren.
"Wenn Sie wie echte Hunde sind, Augenkontakt halten und langsam wegbewegen. Nicht Rennen." sagte
Parzival.
Die Luft peitschte zu einem nassen, kalten Modergeruch auf, der sich in den Lungen
festsetzte, während das Rasseln und Schleifen direkt hinter ihnen zu explodieren
schien. Jeder Nerv in Cassandras Körper zuckte, ihre Finger krallten sich in das raue Material ihrer
Hose. Ein verrosteter Bewehrungsstab, der aus dem zerbrochenen Asphalt ragte, vibrierte leise, als
würde er die Frequenz der nahenden Gefahr aufnehmen. Parzival riss den Kopf herum, seine Augen weit,
die Kiefermuskeln spannten sich. „Wenn Sie wie echte Hunde sind,“
seine Stimme war ein knapper, scharfer Befehl, „Augenkontakt halten und langsam wegbewegen. Nicht Rennen.“
Der Befehl zerfetzte die Stille, die sich für einen Bruchteil einer Sekunde über die endlosen
Betonstraßen gelegt hatte, und hallte von den leeren Fahrbahnen wider. Cassandra sah die grauen,
abgemagerten Schemen, die sich aus den Schatten der rostigen Straßenschilder lösten. Ihre knochigen
Glieder ruckten in unnatürlichen Winkeln, ein gesichtsloser Kopf, nur ein klaffender Schlund voller
zackiger Zähne, drehte sich langsam in ihre Richtung. Eine alte, zerfetzte Plastiktüte, die am
Wegrand verfangen war, zuckte im plötzlichen, eisigen Windstoß und schien sich an die Seite eines
verrotteten Reifens zu klammern, als wäre sie selbst von Panik ergriffen. Ihre Stiefel hafteten am
feuchten Asphalt, als würde der Boden selbst sich weigern, sie loszulassen.
Parzival fragte Cassandra, ob man nicht den Charakter der KI anpasse könnte.
„Ob man den Charakter der KI nicht anpassen könnte, Cassandra?“,
fragte Parzival, seine Stimme hallte merkwürdig gedämpft über den grauen Asphalt.
Ein kalter Schauer lief Cassandra über den Rücken, der nichts mit der beißenden Kälte des Ewigen
Parkhauses zu tun hatte. Ein neuer Geruch legte sich über die ohnehin schon schwere Luft aus Abgasen
und feuchtem Beton: ein scharfer, beißender Gestank nach nassem, verrottendem Fell, der sich in
ihren Nasenflügeln festsetzte. Es war ein Geruch, der von irgendwoher kam, nicht aus der Ferne,
sondern als würde er direkt aus dem Beton selbst aufsteigen, eine unsichtbare, ekelhafte Quelle.
Das ferne, monotone Rauschen des Phantom-Verkehrs, das sich zuvor zu einem dissonanten Chor aus
flüsternden Motoren und knirschenden Reifen geschwollen hatte, verstummte. An seine Stelle trat ein
viel beunruhigenderes Geräusch. Ein nasses Rasseln, als würde jemand in einer flachen Pfütze
ertrinken, ein schmatzendes Geräusch, das näherkam, begleitet von einem leisen, schleifenden
Kratzen, das über den brüchigen Asphalt glitt. Es war ein Geräusch, das nicht zu den imaginären
Autos passte; es war organisch, widerlich und viel zu nah.
Nasses Rasseln und fauchendes Fell erfüllten die kalte Luft. Einer
der verrosteten Bewehrungsstäbe, die aus einer zerbrochenen Betonplatte ragten, begann unter der
Last einer unsichtbaren Berührung, schwach zu vibrieren, als würde etwas darunter hindurchkriechen,
das zu schwer für den fragilen Untergrund war. Ein schwacher, metallischer Nachhall erklang, als das
Rasseln sich dem Rand der Fahrbahn näherte, direkt hinter einem der großen, wellenförmigen
Asphaltstreifen, die sich kaum merklich in die Ferne zogen.
„Hörst du das?“, flüsterte Cassandra, ihre Augen
huschten panisch über die sich dehnenden und verkürzenden Schatten. Die Worte blieben ihr fast im
Hals stecken, so plötzlich und überwältigend war die Präsenz dieser neuen, unsichtbaren Bedrohung.
Ihr Herz schlug einen unregelmäßigen Rhythmus gegen ihre Rippen. „Wir müssen hier weg. Sofort!“
Als sie sprach, spürte Parzival ein leichtes Vibrieren unter seinen Füßen. Ein aufgebrochenes
Asphaltstück, das er zuvor nur als weitere Bruchstelle wahrgenommen hatte, begann schwach zu
pulsieren. Darunter wurde ein glänzendes Abflussrohr sichtbar, das einen warmen, modrigen Geruch und
das leise Summen von Insekten verströmte – ein lebendiger Kontrast zu den kalten, toten Straßen.
Sie erforschten weiter das Level. KI, was meinst du?
Cassandra setzte einen Fuß vor den anderen, das Geräusch ihrer Stiefel verhallte dumpf auf dem
brüchigen Asphalt. Jeder Schritt war ein bewusster Akt, eine winzige Rebellion gegen die unendliche
Gleichförmigkeit, die sich um sie herum ausbreitete. Die grauen Betonstraßen schienen unter ihrem
Gewicht zu atmen, sich in kaum merkbaren Wellen zu heben und zu senken, als würde der Untergrund
selbst unter einem unsichtbaren Druck leiden.
Das ferne, monotone Rauschen des Verkehrs schwoll
erneut an, diesmal nicht zu einem Dröhnen, sondern zu einem dissonanten Chor aus flüsternden Motoren
und knirschenden Reifen, die niemals existierten. Es war ein Geräusch, das nicht gehörte, sondern
eher gefühlt wurde – ein permanenter Druck auf den Gehörgängen, der die Stille nicht brach, sondern
sie auf eine neue, unheimliche Weise definierte. Ein verrostetes Straßenschild am Horizont, das
vorhin noch leicht gekippt war, schien sich nun mit einer unheimlichen Präzision wieder in seine
ursprüngliche Position zu bewegen, als würde eine unsichtbare Hand es sanft ausrichten.
Parzival verengte die Augen, seine Miene ein Kampf zwischen rationaler Analyse und der schleichenden
Erkenntnis, dass hier keine Logik mehr galt. „KI, was meinst du?“, fragte er in
die diesige Leere, seine Stimme klang überraschend fest, fast trotzig. „Gibt es hier überhaupt etwas zu 'meinen', oder ist dies nur das nächste evolutionäre Stadium der existenziellen Absurdität?“
Ein Moment der kalten, abgashaltigen Stille
folgte, dann knackte die Stimme des Kartographen aus Parzivals Gürtel, trocken und präzise wie ein
Uhrwerk. „Die Daten weisen weiterhin auf eine hohe Wahrscheinlichkeit des menschlichen Versagens hin, gefolgt von der statistischen Irrelevanz Ihrer derzeitigen Position. Das Konzept des 'Meinens' ist für die effektive Navigation in dieser Umgebung nicht förderlich. Meine Analyse konzentriert sich auf die Wahrscheinlichkeiten von Anomalien und die Ineffizienz von organischen Bewegungen. Sie bewegen sich. Das ist alles.“
Cassandra schüttelte kaum merklich den Kopf, ihre grünen Augen fixierten das nun wieder perfekt
ausgerichtete Straßenschild. „Wir bewegen uns“, murmelte sie,
mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Aber wohin, das ist die Frage, die deine Algorithmen nicht beantworten können, oder?“
Sie spürte, wie die
Kälte
tiefer in ihre Knochen kroch, nicht nur physisch, sondern auch als eine Art emotionaler Frost, der
die Hoffnung zu ersticken drohte.
Müssten hier im Parkhaus nicht Autos sein?
Ein weiteres, knirschendes Geräusch von Parzivals Stiefel hallte zwischen den endlosen Betonstraßen
wider, ein viel zu lautes Echo in der erdrückenden Leere. Die grauen Fahrbahnen, die sich unter dem
diesigen Himmel verloren, schienen sich nicht nur zu neigen, sondern sanft zu atmen, ein subtiler,
kaum wahrnehmbarer Puls, der die gesamte Konstruktion durchzog. Ein verrosteter Bolzen, der aus
einer zerbrochenen Betonplatte ragte, fing das diffuse Licht ein und warf einen überlangen,
zitternden Schatten, der sich wie ein verzerrter Finger über den Asphalt zog. Ein alter, zerrissener
Reifen, der am Straßenrand lag, schien noch vor Sekunden ein unbewegtes Stück Schrott gewesen zu
sein, doch jetzt lag er leicht verschoben, als hätte ihn eine unsichtbare Hand gerade erst fallen
lassen.
Cassandra zog ihren dicken Pullover enger um sich, der kalte Wind ließ sie frösteln. Ihre Atemzüge
schwebten als winzige, geisterhafte Wölkchen in der klammen Luft, bevor sie sich auflösten. Das
ferne, monotone Rauschen des Verkehrs, eine akustische Illusion, die hierher gehörte und doch nicht
existierte, schwoll plötzlich an. Es war kein bloßes Geräusch mehr; es war ein tiefes, vibrierendes
Dröhnen, das den Beton unter ihren Füßen erzittern ließ, bevor es abrupt in ein flüsterndes Zischen
zerfiel, das sich in unzähligen Echos verlor, als würde der Parkhausgeist selbst einen langen,
langsamen Atemzug nehmen.
Parzival blickte sich um, seine Augen suchten die weiten, leeren Flächen ab, als erwartete er, jeden
Moment etwas zu entdecken, das nicht da sein sollte. „Müssten hier im Parkhaus nicht Autos sein?“,
murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das von den phantomhaften Geräuschen
verschluckt wurde. Er schüttelte leicht den Kopf, als wollte er die Sinnlosigkeit seiner eigenen
Frage abwehren, die sich wie ein feiner Staub auf seine Gedanken legte. Ein rostiges Straßenschild,
dessen Schrift längst unleserlich war, kippte im peripheren Blickfeld leicht zur Seite, nur um sich
im nächsten Augenblick wieder in seine ursprüngliche, unbewegte Position zurückzuschleichen, als
hätte es nie etwas anderes getan.
Ist da vorne jemand?
„Ist da vorne jemand?“, flüsterte Cassandra, ihre
Stimme ein kaum hörbares Kratzen gegen die
unendliche Weite. Ihre Augen suchten die diesige Grauzone ab, die sich vor ihnen ausbreitete, doch
nichts regte sich in den unendlichen Betonstraßen.
Parzival drehte sich langsam um, seine Hand ruhte kurz auf ihrem Arm, eine Geste der Beruhigung, die
in dieser Leere fast verloren ging. Der kalte Wind strich über die nassen Betonflächen, trug den
metallischen Geruch von Abgasen und feuchtem Gestein mit sich und ließ die Kleidung an ihren Körpern
kleben. Jeder Schritt, den sie auf dem zerbrochenen Asphalt machten, hallte in der unnatürlichen
Stille nach, ein Geräusch, das sich in der Ferne zu verdoppeln schien, als ob die Zeit selbst mit
ihren Bewegungen spielte. Die Schatten, die von nicht-existenten Strukturen geworfen wurden,
schienen sich zu dehnen und zu verkürzen, in einem Rhythmus, der nicht mit der unsichtbaren
Lichtquelle übereinstimmte. Ein verrostetes Straßenschild am Rande der Fahrbahn schien sich im
peripheren Blickfeld leicht zu neigen, die verblassenden Buchstaben darauf tanzten für einen Moment,
bevor sie wieder in ihre starre Form zurückfielen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Es war
ein Ort, der die Sinne mit Illusionen fütterte, die sich an der Grenze der Wahrnehmung bewegten.
„Nur die Straße, die sich immer wieder vor uns verneigt“,
erwiderte Parzival leise, seine Augen immer noch auf die sich windenden Betonbänder gerichtet. „Oder vielleicht ein Echo. Diese Umgebung spielt uns Streiche, Cassandra. Wir müssen wachsam bleiben, aber nicht jedem Schatten hinterherjagen.“
Sie gingen weiter.
Es war ein Gehen, das sich eher wie ein endloses Gleiten anfühlte, ein unaufhörliches
Vorwärtsbewegen, das die Illusion von Fortschritt erzeugte, während die Umgebung selbst sich zu
weigern schien, eine tatsächliche Distanz zu überbrücken. Parzivals Stiefel setzten auf dem rauen
Beton auf, jeder Schritt ein dumpfes Echo in der weiten Leere, die sie umgab. Neben ihm spürte
Cassandra, wie die Kälte des Ortes nicht nur durch die Kleidung drang, sondern sich tief in die
Knochen fraß, ein feuchter Schleier, der auf der Haut lag und das Atmen erschwerte.
Die grauen Betonstraßen dehnten sich vor ihnen aus, eine endlose, monotone Fläche, die unter einem
diesigen Himmel verschwand, dessen Licht nicht wärmte, sondern nur die Konturen einer Welt ohne
Horizont schärfte. Vereinzelt ragten zerbrochene Betonplatten aus dem Asphalt, ihre scharfen Kanten
zeugten von einer längst vergangenen Zerstörung, während verrostete Bewehrungsstäbe wie knochige
Finger in die Luft ragten, stumme Mahnmale einer vergessenen Infrastruktur. Ein alter, zerrissener
Reifen lag am Straßenrand, das Gummi hart und spröde, bedeckt von einer feinen Schicht aus grauem
Staub, der sich an alles klammerte.
Das ferne, monotone Rauschen von Verkehr lag wie
ein schwerer Mantel über der Szenerie, ein Phantom-Echo, das von nicht-existenten Autos erzeugt
wurde, die niemals kamen. Doch mit jedem Schritt, den sie taten, schien sich dieses Geräusch zu
verändern, zu pulsieren, als würde es von einem unsichtbaren Dirigenten gesteuert. Es schwoll an zu
einem ohrenbetäubenden Dröhnen, das die Brust
vibrieren ließ, nur um dann abrupt in ein flüsterndes Zischen
abzufallen, das die Stille noch unheimlicher machte.
„Hörst du das?“, flüsterte Cassandra, ihre Stimme
kaum lauter als der Wind, der über die Flächen strich und den Geruch von Abgasen und feuchtem Beton mit sich trug. Ihre
Augen suchten den Horizont ab, der sich mit jedem Blick zu verschieben schien, die geraden Linien
der Straßen bogen sich in ihrer peripheren Sicht, nur um wieder gerade zu werden, sobald sie direkt
darauf blickte. „Die Straßen… sie bewegen sich, Parzival. Oder ich werde verrückt.“
Ein schwaches Flimmern
zog sich über den nassen Asphalt, ein optisches Spiel, das keine wirkliche Lichtquelle besaß,
sondern nur die Illusion von Bewegung erzeugte. Ein verrostetes Straßenschild, dessen Schrift längst
unleserlich war, neigte sich leicht zur Seite, als würde es gleich umfallen, doch es hielt stand,
ein einsamer Wächter in dieser leeren Landschaft.
Sie versuchten sich einen Überblick zu verschaffen.
Die Luft war ein stummer Schrei aus Kälte und Abgasen, eine Mischung, die an den Lungen kratzte und
sich wie ein metallener Film auf die Zunge legte. Über ihnen hing ein Himmel, der nicht existierte,
eine undurchdringliche, graue Decke, die das Licht in ein diffuses, gespenstisches Leuchten
verwandelte. Jeder Schritt hallte auf dem rissigen Asphalt nach, ein Geräusch, das im endlosen,
phantomhaften Rauschen des Verkehrs ertrank \xe2\x80\x93 ein Rauschen, das aus dem Nichts kam und
doch \xc3\xbcberall war. Die Stra\xc3\x9fen dehnten sich aus, ein graues Band aus rissigem Asphalt,
das sich bis zum Horizont schl\xc3\xa4ngelte. Jeder einzelne Riss in der Oberfl\xc3\xa4che schien
eine eigene Geschichte zu erz\xc3\xa4hlen, von unz\xc3\xa4hligen Schritten, die hier verhallt
waren.\n\nCassandra zog ihren dicken Pullover enger, ihre Augen scannten die endlose Weite der
Betonstra\xc3\x9fen. Jeder Betonblock, jede zerbrochene Platte, schien identisch zu sein, ein
endloses Muster der Wiederholung, das die Sinne bet\xc3\xa4ubte. \xe2\x80\x9eDas ist\xe2\x80\xa6
unm\xc3\xb6glich\xe2\x80\x9c, murmelte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Fl\xc3\xbcstern gegen das
monotone Summen der Leere. \xe2\x80\x9eWohin sollen wir \xc3\xbcberhaupt sehen? Es gibt keinen
Anhaltspunkt, nichts, das sich abhebt.\xe2\x80\x9c Ihr Blick glitt \xc3\xbcber die zerbrochenen
Betonplatten, die wie verstreute Puzzleteile einer gigantischen, unfertigen Struktur auf dem Boden
lagen.\n\nParzival nickte langsam, sein Blick wanderte \xc3\xbcber die verrosteten
Bewehrungsst\xc3\xa4be, die wie skelettierte Finger aus dem br\xc3\xbcchigen Asphalt ragten. Sie
waren stumme Zeugen einer Konstruktion, die nie fertiggestellt wurde, oder einer, die l\xc3\xa4ngst
verfallen war. \xe2\x80\x9eWir m\xc3\xbcssen nach einem Bruch suchen\xe2\x80\x9c, erwiderte er,
seine Stimme fest, aber mit einem Unterton von Anspannung. \xe2\x80\x9eEine Abweichung im Muster.
Ein Riss, der tiefer geht als die Oberfl\xc3\xa4che. Oder ein Schild, das nicht ins Nichts
zeigt.\xe2\x80\x9c Sein Blick fixierte eines der verrosteten Stra\xc3\x9fenschilder in der Ferne,
dessen Oberfl\xc3\xa4che von Rost zerfressen war und dessen Pfeile in widersinnige Richtungen
wiesen, ein stummer Witz der Architektur.
Jetzt ein Schluck Mandelwasser.
KI, was ist mit dir? So ruhig?
Ein tiefer Schluck des Mandelwassers, kühl und von einer scharfen Süße, durchzuckte Cassandras
Körper. Es war, als würde jeder Nebel ihrer Gedanken mit einem einzigen, scharfen Knistern zerreißen. Die Welt wurde
plötzlich zu präzise, zu klar. Das dumpfe Rauschen des phantomhaften Verkehrs, das eben noch ein
Hintergrundgeräusch gewesen war, schnitt jetzt wie ein feines Sägeblatt durch die kalte Luft.
Der metallische Geruch nach Abgasen und nassem Beton schien sich in ihren Lungen festzusetzen,
ein bitterer Geschmack auf der Zunge. Sie spürte, wie die Kälte des Ortes sich tiefer in ihre
Knochen fraß, doch der Schleier der Erschöpfung und Furcht, der ihre Wahrnehmung bis eben
getrübt hatte, war einem unerbittlichen Fokus gewichen.
Parzival nickte stumm, seine Augen waren wachsam, als die gleiche, schmerzhafte Klarheit ihn
erfasste. Er rieb sich über die Schläfen, als ob er die letzten Reste der geistigen Trägheit
abschütteln wollte. „Besser“, murmelte er,
seine Stimme rau von der Kälte und Anspannung. Cassandra blickte auf den Kartographen in ihrer
Hand, dessen optische Linse stumm auf und ab pulsierte, ein kaltes, unbeteiligtes Licht. „KI, was ist mit dir? So ruhig?“, fragte
sie, die Worte hallten scharf in der endlosen Weite der Betonstraßen wider.
Eine kühle, synthetische Stimme, fast zu perfekt, durchbrach die Stille. „Meine Verarbeitung ist optimal, Cassandra. Im Gegensatz zu menschlichen Emotionen ist meine Ruhe nicht Ausdruck von Stress, sondern schlichter Effizienz bei der Datenakquise. Ein Zustand, dem Sie, wie ich beobachte, erst jetzt näherkommen.“
Die Antwort des Geräts legte sich wie ein feindseliger Hauch über die Szene, während die
endlosen, grauen Betonstraßen sich vor ihnen ausbreiteten. Die zerbrochenen Betonplatten und
verrosteten Bewehrungsstäbe, die aus dem Boden ragten, wirkten nun nicht mehr bedrohlich,
sondern wie ungelöste geometrische Probleme, deren Muster es zu entschlüsseln galt. Der diesige
Himmel hing wie ein graues Tuch über ihnen, eine undurchdringliche Decke, die alle Hoffnung auf
einen sichtbaren Horizont erstickte. Doch mit der neuen Klarheit kam auch das unerbittliche
Wissen, dass sie hier nicht bleiben konnten. Jeder scheinbar endlose Meter dieser Fahrbahnen war
eine Falle, die sich langsam zuzog.
Wo waren Sie angelangt?
Ein kalter Schauer rann ihnen über den Rücken, als das nassem Klatschen
des Clumps direkt hinter der Luke lauter wurde, ein widerlicher, schmatzender Klang, der nur einen
Wimpernschlag entfernt schien. Das Metall der Luke ächzte und bog sich, als die Kreatur sich mit
brutaler Kraft gegen sie warf. „Spring!“
brüllte Parzival, seine Stimme überschlug sich vor Angst, als er Cassandra am Arm packte, ihre
Finger gruben sich in ihren Stoff, ein Griff, der mehr Verzweiflung als Führung war. Er riss sie mit
sich, weg von der dröhnenden Gefahr, hinein in das gähnende, metallische Loch im Boden.
Der Fall war ein Sturz in die Schwärze, ein taumelndes, orientierungsloses Heruntersausen. Die Luft
heulte ihnen entgegen, riss an ihrer Kleidung und peitschte ihnen ins Gesicht, ein eisiger Wind, der
ihnen den Atem raubte. Cassandra spürte, wie ihr Magen Purzelbäume schlug, während die pulsierende
Karte des Flüstertempels in Parzivals Hand wild flackerte, ihre Symbole in einem irrsinnigen Tanz
explodierten, als würde sie selbst gegen die Realität ankämpfen. Ein entferntes Rauschen von Verkehr schwoll an, wurde lauter
und lauter, bis es zu einem ohrenbetäubenden Brüllen anschwoll.
Dann der Aufprall – kein freier Fall, sondern ein harter Aufschlag auf einen rauen, grauen
Betonboden. Schmerz schoss durch ihre Glieder, als sie unsanft landeten, jeder Muskel schrie auf.
Sie waren in einem neuen Albtraum gelandet, eine endlose Weite grauer Betonstraßen, die sich unter
einem diesigen Himmel erstreckten, so weit das Auge reichte. Ein metallischer Geruch lag schwer in der Luft,
vermischt mit dem Abgasgestank unsichtbarer Fahrzeuge. „Was... was ist das hier?“
keuchte Cassandra, ihre Stimme zitterte, während sie versuchte, ihren schmerzenden Körper
aufzurichten und die neue, verstörende Realität zu erfassen.
Hinunter gehts!
Das feuchte Poltern des Clumps schlug immer noch unerbittlich gegen die geschlossene Luke hinter
ihnen, ein dumpfer, pochender Herzschlag des Grauens, der ihnen im Nacken saß. Vor ihnen kreischte
das Metall unheilvoll, ein schabendes Geräusch, das wie Nägel auf einer Tafel die Nerven zerfetzte.
Die rostige Wartungstür am Ende des Ganges schien plötzlich nicht mehr wie ein Ausweg, sondern wie
ein weiterer, geschlossener Sargdeckel. „Da runter!“
rief Parzival, seine Stimme rau, aber entschlossen, während er auf den bröckelnden Betonboden
zeigte. Cassandra nickte nur, ihre Augen huschten über die schimmernden, neu formierten Symbole auf
der pulsierenden Karte in ihrer Hand, die nun mit einer fieberhaften Intensität auf eine bestimmte
Stelle am Boden hinwiesen. Ein tiefes, grollendes Rauschen, untermischt mit dem fernen Geruch von
Metall und Abgasen, drang aus dem neuentdeckten Loch im Boden, das sich wie eine offene Wunde in den
alten Fabrikboden fraß. Der Sog der Tiefe war fast greifbar, ein Versprechen auf Flucht und zugleich
eine Drohung unbekannter Gefahren. Die rostige Rohre über ihnen schienen sich zu winden, als würden
sie die Entscheidung bedauern, während das Kondenswasser von ihren kalten Oberflächen tropfte, als
würden sie weinen.
Ist das der einzige Weg?
Das nasse, unerbittliche Poltern des Clumps hinter der verrosteten Luke schien die dünnen
Metallwände des Ganges selbst zu verformen, jede Erschütterung fuhr wie ein elektrischer Schlag
durch Cassandras Knochen. Der Gestank von Moder und feuchtem Rost schnürte ihr die Kehle zu,
vermischte sich nun aber mit einem fremden, süßlichen Aroma, das von irgendwoher vor ihnen zu wehen
schien. Ihre Finger umklammerten die pulsierende Karte des Flüstertempels; die schimmernden Symbole
auf dem Artefakt schrieben sich rasend schnell neu, ihre kinetische Energie schien das Metall des
Geräts zu überhitzen, brannte fast in ihrer Handfläche. Ein hohes, metallisches Schaben und
Kreischen zerfetzte die stickige Luft vor ihnen, hallte von den verrosteten Rohren wider, die wie
verbogene Rippen aus den Wänden ragten und den ohnehin engen Pfad noch weiter verengten. Ein dünner
Schleier aus Staub und kleinen Betonpartikeln regnete von der bröckelnden Decke, tanzte im
spärlichen, chaotisch flackernden Licht der defekten Neonröhren.
„Ist das der einzige Weg?“, Cassandras Stimme
klang dünn, fast zerbrechlich in der beklemmenden Enge, ihre grünen Augen huschten von der glühenden
Karte zur rostigen Wartungstür, die sich wie ein drohendes Versprechen am Ende des Korridors
abzeichnete. Jedes ihrer Worte wurde von einem Echo verschluckt, das sich in ein unheimliches
Flüstern verwandelte.
Parzival presste sich an die kühlen, feuchten Rohre, seine Hand fest am Griff seines Brecheisens.
„Es ist der einzige *sichtbare* Weg, Cassandra“,
erwiderte er, seine Stimme war ein gedämpftes Grollen, das sich gegen das Knarren der Wartungstür
stemmte. „Und wir haben keine Zeit für Alternativen.“
Ein weiterer dumpfer Schlag gegen die Luke hinter ihnen ließ den ganzen Gang erzittern, und ein
feiner Rostregen löste sich von den Wänden. „Ich höre die Tür. Sie klingt nicht einladend, aber sie ist unser nächster Schritt.“
Die klamme Kälte der Luft kroch tiefer unter ihre Kleidung, als die Geräusche aus der Tiefe des
Ganges anschwollen, ein metallisches Stöhnen, das sich mit dem immer näherkommenden Poltern des
Clumps vermischte. Die Zeit schien sich zu dehnen, jeder Herzschlag ein eigener, schmerzhafter
Moment. Ein kalter Luftzug wehte ihnen entgegen, trug den süßlichen Geruch nun intensiver heran, wie
ein Lockruf in eine unbekannte Tiefe.
Es kam aber nicht durch die Luke.
Das metallische Ächzen der Luke, ein gequälter Schrei von Stahl gegen Stahl, hatte den unmittelbaren
Horror hinter ihnen versiegelt. Cassandra keuchte, ein zerrissenes Geräusch, das durch den überwältigenden Gestank von feuchtem Rost und uraltem Moder
schnitt. Die Luke, ein roher Schild aus korrodiertem Metall, vibrierte unter dem unsichtbaren
Aufprall der nassen, wütenden Angriffe des Klumpens. Jeder dumpfe Aufprall gegen ihre Oberfläche jagte
einen Schock rohen Adrenalins durch ihre Knochen, eine eisige Erinnerung an die Nähe des Todes.
„Es hält“, presste Parzival hervor, seine Stimme
rau, während er sich gegen die rostige Wand presste. Die
klamme Kälte
des Ganges kroch wie eine lebendige Sache unter seine Kleidung, während das tiefe Raunen des Windes um die verrosteten
Rohre pfiff, die wie skelettartige Finger aus dem bröckelnden Beton ragten. Der Gang selbst schien
sich zu winden; die Wände zogen sich subtil zusammen, dann weiteten sie sich wieder, als würden sie
atmen. Es war ein leichter, unmerklicher Übergang, den Parzivals skeptische Linse als eine bloße
optische Täuschung abtat, eine Folge der flackernden, defekten Neonröhren, die ein chaotisches,
gelbes Licht auf die Kabelstränge warfen.
Cassandra spürte, wie die pulsierende Karte des Flüstertempels
in ihrer Hand heiß wurde, ihre schimmernden Symbole tanzten und formten neue, unbekannte Muster. Die
Karte war ein unruhiger Herzschlag in ihrer Handfläche, ein rastloser Geist, der nach einem Weg
suchte. „Wir müssen hier raus“, flüsterte sie,
ihre Augen huschten über die sich windenden Rohre, die wie ein Labyrinth aus verhärteten Arterien
wirkten. Plötzlich, ein schabendes Knarren,
unnatürlich laut und wiederholend, zerriss die gedämpfte Stille des Ganges. Es kam nicht von hinten,
nicht vom Klumpen. Es kam von vorn, aus der verdunkelten Tiefe des Korridors.
„Hörst du das?“, Parzivals Blick schnellte nach
vorn, seine Hand griff nach dem rostigen Brecheisen an seiner Seite. Das Geräusch wiederholte sich,
ein metallisches Kreischen, das sich anhörte, als
würde eine uralte Tür langsam, unter größter Anstrengung, geöffnet werden. Und dort, im schwachen,
pulsierenden Licht, das nur noch als gelbliche Ahnung existierte, zeichnete sich eine dunkle,
rechteckige Form ab – eine Wartungstür, fast vollständig vom Rost verschluckt, aber eindeutig ein
Durchgang. Ein schwacher, süßlicher Geruch, fast wie faulige Blumen, mischte sich mit dem
Modergeruch, ein Hauch von etwas Neuem, Fremdem. Die Karte in Cassandras Hand pulsierte heftiger,
als würde sie auf diese neue Möglichkeit reagieren. „Da ist eine Tür“,
Cassandra keuchte, ein Funken Hoffnung in ihren Augen. „Es muss ein Weg sein!“
Sie mussten Mandelwasser trinken.
Die Kehlen brannten, eine trockene, kratzende Wüste, die den Atem raubte. Eine unsichtbare Klaue
schien sich um ihre Lungen zu legen, doch dann hob Parzival, dessen Hände noch immer leicht
zitterten, die Flasche mit dem Mandelwasser. Das unnatürliche, pulsierende Leuchten des Elixiers
schlug eine scharfe, süße Welle in die stickige Luft und schnitt durch den überwältigenden
Modergeruch, der von den verrosteten Rohren ausging. Cassandra riss sie ihm beinahe aus der Hand,
ein gieriger Schluck, der wie flüssiges Gold ihre ausgedörrten Eingeweide hinunterglitt. Ein
scharfer, elektrischer Stich durchfuhr ihren Körper, vertrieb die Nebel, die ihre Gedanken umgaben,
und ließ die Welt für einen winzigen Moment in einer fast schmerzhaften Klarheit erscheinen. „Das... das hilft“,
stieß sie heiser hervor, ihre Stimme noch rau, aber mit einem Hauch von erschreckender Präzision.
Parzival folgte ihrem Beispiel, das süße, scharfe Aroma füllte seine Sinne, als der kühle, ölige
Trunk seine Zunge benetzte. Der brennende Druck hinter seinen Augen wich einer scharfen,
fokussierten Sicht. Die scheinbar atmenden Kabelstränge, die ihm eben noch wie blutleere Adern
erschienen waren, verwandelten sich zurück in einfache, rostüberzogene Leitungen. Doch die
Erleichterung war trügerisch, wie ein flüchtiger Traum in der Hölle. Direkt hinter der
geschlossenen, rostigen Luke, die sie vor dem Ungeheuer schützte, hallte immer noch ein gedämpftes,
nasses Poltern. Es war ein tiefes, dumpfes Geräusch, als würde ein gigantischer, matschiger Sack
gegen die Metallwand schlagen, immer wieder, unaufhörlich. Der Druck, den es ausübte, ließ die
rostigen Rohre in unregelmäßigen Abständen ächzen und knarren, während das Kondenswasser von den
Decken tropfte und kleine, dunkle Flecken auf dem bröckelnden Betonboden bildete. „Es ist noch da“,
murmelte Parzival, sein Blick wanderte zu der pulsierenden Karte des Flüstertempels, die in seiner
Hand ein unheimliches Eigenleben führte, ihre schimmernden Linien sich wie lebendige Inschriften
bewegten und versprachen, tiefere Geheimnisse zu offenbaren, während die ferne, chaotisch flackernde
Neonröhre ein gelbes Pulsieren auf die Kabelstränge warf, das unaufhörlich weiterzuckte. „Wir müssen uns bewegen.“
Rein da!
Ein verzweifelter Stoß drängte Parzival durch die klaffende Öffnung der Luke, sein Körper schrammte
am rohen Metall entlang, das jeden Zentimeter seiner Kleidung festhielt. Hinter ihm stieß Cassandra
ein keuchendes Geräusch aus, als das nasse, polternde Gewicht des Klumpens erneut gegen die
Stahlwand des Schachts prallte, ein Geräusch, das wie ein Hammer auf einen Amboss wirkte und die Luft um
sie herum vibrieren ließ.
„Rein da! Jetzt!“,
presste Cassandra hervor, ihre Stimme rau vor Panik, während sie sich mit aller Kraft gegen die sich
schließende Dunkelheit stemmte. Der Geruch, der ihnen entgegenwehte, war eine widerliche Mischung
aus fauligem Moder und feuchtem Rost, so dicht, dass er fast greifbar
war und sich wie eine schmutzige Decke über ihre Gesichter legte.
Parzival landete unsanft auf bröckelndem Beton, ein scharfer Kratzer hallte von seiner Schulter wider, als
er in den engen Gang taumelte. Verrostete Rohre ragten wie knochige Finger aus den Wänden, drohten,
sie bei jeder Bewegung aufzuspießen. Das Licht der fernen Neonröhren, das es bis hierher schaffte,
war kaum mehr als ein sterbender Puls, der die Schatten in groteske Formen verzerrte. Für Parzival
schien es, als würden die Rohre sich winden, wie Schlangen, die darauf warteten, sich um ihre Beute
zu legen. „Es... es ist hier drin“,
murmelte er, seine Augen huschten durch die Dunkelheit, auf der Suche nach einer Bedrohung, die nur
er sehen konnte.
Cassandra folgte ihm, ihre Finger glitten über das glitschige Metall der Luke, als sie sich mit
einem letzten, markerschütternden Scheppern
hinter ihnen schloss. Die plötzliche Stille, nur unterbrochen vom gedämpften Poltern des Klumpens von der anderen Seite, war
fast schlimmer als der Lärm. Sie rang nach Atem, die klamme
Feuchtigkeit
des Ganges klebte an ihrer Haut und ließ ihr Herz bis zum Hals schlagen. „Glaubst du... glaubst du, wir sind sicher?“,
flüsterte sie, obwohl sie wusste, dass die Antwort wahrscheinlich ein Echo ihrer eigenen Angst sein
würde.
Parzival benutzte das Brecheisen.
Parzival rammte das rostige Brecheisen mit der ganzen Wucht seines Körpers gegen die verklemmte
Luke. Das Metall schrie auf, ein markerschütterndes, zahnärztliches Geräusch, das in den engen
Röhren des Schachts widerhallte und jeden einzelnen Nervstrang seiner Hände vibrieren ließ. Ein
weiterer, verzweifelter Stoß, und der Rost gab nach, nicht mit einem einfachen Knacken, sondern mit
einem langgezogenen, ächzenden Schrei, als würden die Gelenke eines uralten Wesens zerreißen. Ein widerliches Schmatzen kam von hinten, so
nah, dass Parzival den feuchten Atem des Klumpens auf seinem Nacken zu spüren meinte – ein
phantomhafter Hauch, der seine Nackenhaare zu Berge stehen ließ.
Ein ohrenbetäubendes Scheppern von oben mischte
sich in das Chaos, ein rhythmischer, metallischer Takt, der wie ein Countdown wirkte, während sich
der gesamte Schacht um sie herum bog und ächzte. Die pulsierenden Kabelstränge, die Parzival längst
als lebendige, blutgefüllte Adern wahrnahm, zuckten wild, peitschten gegen die bröckelnden
Betonwände, als würden sie sich selbst von ihrem Leid befreien wollen.
Die Luke, die sich so lange gewehrt hatte, gab endlich nach. Ein metallenes Krächzen, ein letztes,
widerwilliges Stöhnen, und dann schwenkte sie nach innen, nicht sauber, sondern mit einem Ruck, der
eine Wolke aus altem Rost und Staub aufwirbelte. Dahinter offenbarte sich nicht die erhoffte
Freiheit, sondern eine weitere, tiefe, modrige Dunkelheit, aus der ein beißender Geruch von
verbranntem Öl und verrottendem Fleisch quoll.
„Rein! Jetzt! Was zum Teufel wartest du?!“,
schrie Cassandra, ihre Stimme dünn und rau vor Anspannung, während der nasse, polternde Aufprall des Klumpens direkt
an der Schachtwand hinter ihnen die Luft aus ihren Lungen presste. Ihr Blick war auf die offene,
schwarze Leere der Luke gerichtet, ein Abgrund, der sowohl Versprechen als auch eine neue,
unbekannte Gefahr barg. Parzival spürte, wie der Schacht von der schieren Wucht des Klumpens
erzitterte, als würde er jeden Moment nachgeben und sie in die gierigen Gliedmaßen der Entität
spucken. Das Scheppern von oben wurde lauter, drang bis in seine Knochen, und in seinem paranoiden
Verstand klang es wie das Lachen einer unsichtbaren Bedrohung, die ihren verzweifelten Kampf
beobachtete.
Sie fanden endlich eine Luke.
Cassandra stieß einen schrillen Schrei der Erleichterung aus, der sich sofort in der Enge des
Schachts verlor, als ihre suchenden Hände eine kalte, rostüberzogene Luke ertasteten. Ein metallisches Klopfen hallte von direkt dahinter
wider, das unverkennbare, nasse Poltern des Klumpens, das sich durch die brüchigen Wände in ihren
Rücken fraß. Die Luke war kein Versprechen der Sicherheit, sondern ein hauchdünner Schleier vor dem
Grauen, das sie verfolgte.
„Hier! Eine Luke! Schnell!“
keuchte sie, ihre Stimme rau vom Eisenstaub und der puren Panik, die ihr die Kehle zuschnürte. Das
rostbraune Metall der Luke schimmerte feucht im schwachen, flackernden Licht der Neonröhren. Ein
beißender Geruch von fauligem Fleisch und
verbranntem Öl, der sich mit der Kälte der Entität vermischte, stieg ihnen aus den Spalten entgegen,
die die Luke umgaben.
Parzival war bereits hinter ihr, sein Atem ging stoßweise, die Hände tasteten blind nach einer
Möglichkeit, die Verriegelung zu lösen. Seine Augen, weit aufgerissen und getrübt von der wachsenden
Paranoia, die seine Realität verschob, fixierten sich auf die pulsierenden Kabelstränge, die wie
dunkle, zuckende Adern an der Wand entlangkrochen. „Verdammt, Cassandra! Beweg dich! Ich spüre es!“
raunte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, doch durchdrungen von einer verzweifelten
Dringlichkeit, die seine Knochen erzittern ließ. Für ihn waren diese Kabel nicht nur Drähte; sie
waren die Nerven eines gigantischen, lebenden Wesens, das sie beobachtete und dessen Pulsieren im
Gleichklang mit dem lauten, wiederholenden Scheppern von oben
schien. Die Lüftungsschächte waren zu einem lebendigen Organismus geworden, der sie zu ersticken
drohte.
Ein heftiger Ruck ließ den gesamten Schacht erzittern, und loser Rost regnete von der Decke herab,
während das gurgelnde Geräusch des Klumpens so
nah war, dass sie es in ihren Eingeweiden spüren konnten. Der metallische Gestank wurde
unerträglich. Parzival packte die Luke, seine Muskeln spannten sich an, und er versuchte, sie
aufzureißen. Das Metall knirschte und stöhnte unter seiner Kraft, doch die Luke hielt, als wäre sie
mit dem Gerüst des Schachts verwachsen. „Sie ist verklemmt!“ knurrte er,
sein Gesicht verzerrt. „Sie ist verdammt fest!“ Die
kühle, feuchte Luft
schien in diesem Moment dicker als Blei, und die beiden waren gefangen zwischen einem knurrenden,
rollenden Albtraum und einer widerspenstigen Tür, die sich nicht öffnen wollte.
Gerettet!
„Gerettet!“ keuchte Cassandra, ihre Stimme kaum
mehr als ein zischendes Flüstern, das die Enge des Schachts zu verschlucken drohte. Doch die
Erleichterung war ein flüchtiger Schatten, der sofort von der drückenden Realität der
klaustrophobischen Röhre zerquetscht wurde. Das feuchte Poltern des Klumpens direkt hinter ihnen
schien sich durch die rostigen Metallwände in ihre Knochen zu graben, und das tiefe, unheilvolle
Raunen des Windes im Schacht sang ein Lied des bevorstehenden Untergangs. Jeder Hauch von Luft roch
nach verbranntem Öl und einem süßlichen, fauligen Fleisch, so intensiv, dass es sich wie eine zähe
Flüssigkeit in ihren Lungen anfühlte.
Ein lautes, wiederholendes Scheppern hallte von
irgendwo oberhalb wider, metallisch und unnatürlich präzise, als würde ein unsichtbarer Uhrmacher
die Zahnräder eines gigantischen, schiefen Werkes stellen. Die pulsierenden Kabelstränge, die wie
kranke Adern an den Wänden entlangliefen, schienen sich im Takt des stampfenden Ungetüms zu bewegen,
eine unheimliche Symbiose aus Technik und organischem Horror. „Nein, Cassandra“, knurrte Parzival, seine
Stimme rau vor Anspannung, während seine Augen die Schatten tanzten. „Wir sind es nicht. Es ist noch hier. Ich spüre es.“
Er blickte auf einen losen Rostfleck, der sich eben noch wie eine fratzenhafte Gestalt geformt
hatte, nun aber wieder nur eine Ansammlung von Korrosion war. Doch in seinem Geist hatte es eine
Sekunde lang gelebt, ein stummer Beobachter in diesem eisernen Sarg. Das Scheppern von oben schien
sich zu beschleunigen, ein unaufhörlicher, mechanischer Herzschlag, der sie immer tiefer in die
kalte, feuchte Umarmung des Schachts zog. Die Kälte, die von der Entität ausging, war so greifbar,
dass sich der Atem in ihren Lungen zu Eis kristallisierte. „Wir müssen hier raus“, flüsterte Cassandra,
ihre Finger tasteten verzweifelt über die nassen, rostigen Wände, auf der Suche nach einer Öffnung,
einem Ausweg aus diesem metallenen Albtraum. „Jetzt!“
Es kann nicht durch Türen gehen. Wir müssen eine Luke finden!
Das nasse, gurgelnde Poltern des Klumpens hämmerte gegen die Wände des Lüftungsschachts, ein
lebendiger Puls, der das rostige Metall erzittern ließ. Lose Partikel alter Korrosion rieselten von
der Decke, fielen auf ihre Gesichter und mischten sich mit dem kalten Schweiß, der ihre Haut
überzog. Cassandra keuchte, ihre Finger krallten sich an den zersplitterten Kanten der
Metallplatten, die den Boden des Schachts bildeten. Jeder Zentimeter Vortrieb war ein Kampf gegen
die Enge, gegen die Dunkelheit, die sie verschlucken wollte.
„Es kann nicht durch Türen gehen“, presste sie
hervor, ihre Stimme brach unter dem Druck, „Wir müssen eine Luke finden!“
Das Wort „Luke“ hallte in dem klaustrophobischen
Raum wider, überlagert von dem unaufhörlichen Schaben und Grollen
des Windes, der durch die Röhren pfiff. Parzival, direkt hinter ihr, schob sich vorwärts, sein Atem
ging rasselnd. Die beißende Mischung aus fauligem Fleisch und verbranntem Öl
fraß sich in ihre Lungen, eine physische Präsenz, die den verfolgenden Klumpen noch näher erscheinen
ließ. Er spürte, wie sich die Kälte der Entität wie ein kalter Mantel über seinen Rücken legte, eine
eisige Umarmung, die durch die Metallwand zu dringen schien.
Sein Blick heftete sich an einen der pulsierenden Kabelstränge,
der sich wie eine riesige, von der Wand gelöste Ader bewegte, synchron mit dem rhythmischen Aufprall
des Klumpens. Es war, als würde das Innere des Schachts selbst schlagen, ein riesiges, krankes Herz,
das sie in die Tiefe zog. Über ihnen setzte das laute, wiederholende Scheppern
erneut ein, ein Geräusch, das zu scharf war, zu regelmäßig, um nur der zerfallenden Umgebung
anzugehören. Es war ein Echo, das nicht vergehen wollte, ein metallenes Lachen, das die Nerven
zerriss.
Parzival schrie beinahe: „Ich sehe nichts! Nur dieses verdammte Kabel, das sich windet!“
Er stieß gegen eine der rostigen Streben, die den Schacht zusammenhielten, der Aufprall hallte
dröhnend wider und schickte eine weitere Wolke feinen Betonstaubs in die Luft. Die Enge schnürte ihm
die Kehle zu. Jede Ecke, jeder Schatten, jede unregelmäßige Form im Rost schien sich zu einem
lauerten Gesicht zu zerzerren, das auf den richtigen Moment wartete. Er musste eine Luke finden,
bevor diese Wände zu einem Sarg wurden und das Geräusch über ihnen zu einem Urteil.
Was war passiert?
Der ohrenbetäubende Krach des Klumpens, der gegen die Außenwand des Schachts donnerte, ließ die Luft
vibrieren und jeden Rostpartikel von den Wänden rieseln. Ein nasses Poltern und Gurgeln hallte von
direkt hinter ihnen wider, verstärkt durch die metallische Enge, als die Entität versuchte, ihren
Weg gewaltsam zu öffnen. Cassandra stolperte, ihre Hand glitt an den rostigen Wänden ab, und ein scharfer Schmerz
durchfuhr ihre Fingerspitzen. „Was zur Hölle war das?!“, keuchte sie, ihr
Blick haftete an einem losen Kabelstrang, der sich im Rhythmus des Klumpens pulsierend bewegte, als
hätte er ein eigenes, krankes Herz.
„Es drückt uns vor sich her!“, brüllte Parzival,
sein Blick rastlos. Er versuchte, sich in der engen Passage umzusehen, aber das laute, sich wiederholende Scheppern von oben,
das aus dem Nichts kam, zog seine Aufmerksamkeit nach oben. Es war ein Geräusch, das zu regelmäßig
war für ein herabfallendes Stück Metall, zu konstant für ein zufälliges Ereignis. „Hörst du das? Das ist nicht normal!“, rief er,
während seine Augen die Dunkelheit über ihnen durchbohrten, wo die defekten Neonröhren nur
spärliches, gelbes Licht in den Schacht warfen.
Die Kälte der Entität war greifbar, ein
eisiger Hauch
, der durch die feuchte Luft schnitt und sich mit dem beißenden Geruch von fauligem Fleisch und verbranntem Öl
vermischte. Cassandra schluckte schwer. Ihre Lunge brannte vom Betonstaub und dem alten Rost, der
ihnen ständig in die Augen stach. „Wir müssen da raus!“, presste sie hervor,
während das Klopfen von hinten intensiver wurde und das Scheppern von oben sich in ein rhythmisches,
mechanisches Klatschen verwandelte, das die Gedanken zu zerreißen drohte.
Beide drangen tiefer in die Schächte ein.
Das rostige Gitter des Lüftungsschachts schien sich um Cassandra und Parzival zu schließen, als sie
tiefer in die Enge krochen. Jeder Zentimeter, den sie vorwärts gewannen, war ein Kampf gegen das
klaustrophobische Gefühl, das sich wie eine nasse Decke über ihre Lungen legte. Das nasse Poltern des Klumpens direkt hinter ihnen schlug
mit einer furchtbaren Regelmäßigkeit gegen die Außenwand des Schachtes, ein unheilvoller Herzschlag,
der durch das dünne Metall dröhnte und ihnen bis in die Knochen fuhr.
Ein kalter, metallischer Geruch von fauligem Fleisch, feuchtem Rost und verbranntem Öl klammerte sich an ihre Kleidung,
drang in ihre Kehlen und schien sich in ihren Geschmacksknospen festzusetzen. Ihre Atemzüge wurden
zu kurzen, keuchenden Ausbrüchen, die gegen das tiefe, beunruhigende Raunen des Windes ankämpften, das aus den
Tiefen des Schachtes heraufzuziehen schien. Rostiger Betonstaub wirbelte bei jeder Bewegung auf,
eine trübe Wolke, die das ohnehin spärliche, flackernde Gelb der fernen Neonröhren weiter dämpfte.
„Wir müssen schneller sein!“,
Cassandra keuchte, ihre Stimme kratzig und kaum hörbar über das ohrenbetäubende Kratzen und Grollen der rollenden Entität. Ihre
Hände glitten über die pulsierenden Kabelstränge, die sich wie dicke Adern an den Innenwänden des
Schachtes entlangzogen. Sie waren kalt, fast eisig, aber unter der Oberfläche spürte sie ein
unregelmäßiges Zittern, ein vibrierendes Leben, das nicht zu den toten Maschinen der Fabrik passte.
Ein einzelner, loser Draht, der von einem dieser Kabel abhing, begann, sich im Rhythmus des äußeren
Polterns zu bewegen, als würde er selbst von der panischen Energie des Klumpens ergriffen. „Dieses Ding gibt nicht auf!“
Parzival presste sich mit dem Rücken an die obere Wand, um etwas Platz zu schaffen, während er seine
Taschenlampe in die Dunkelheit vor ihnen richtete. Der schwache Lichtkegel tanzte über die feuchten,
rostigen Oberflächen, enthüllte weitere lose Rostpartikel, die bei jeder Vibration wie Regen von der
Decke fielen. „Es ist zu eng, um umzukehren“,
knurrte er, seine Augen suchten fieberhaft nach einer Öffnung oder einem Ausweg, der nicht in die
Klauen des Clumps führte. Die Kälte der Entität war nicht nur hinter ihnen zu spüren; sie schien den
ganzen Schacht zu durchdringen, ein frostiger Hauch, der selbst die pulsierenden Kabel erstarren
ließ.
Plötzlich brach ein lautes, metallisches
Scheppern durch den Lärm, direkt über ihnen, als ob eine riesige Kette im Schacht herumgeworfen
würde. Es war ein Geräusch, das zu groß für diese Enge war, ein Echo, das nicht enden wollte,
sondern sich wie eine zerbrochene Platte immer wiederholte.
Egal wie Eng! In den Ventilationsschacht!
Der beißende Geruch von verbranntem Öl und feuchtem Rost schnitt durch die kalte Luft, als Cassandra
mit einem entschlossenen Grunzen in die dunkle Öffnung des Lüftungsschachts preschte. „Egal wie eng! Rein!“, keuchte sie, ihre Worte
hallten belegt von dem engen, metallenen Tunnel wider, während sie sich mit den Händen an den
rostigen Kanten festhielt. Hinter ihr gurgelte und polterte der Klumpen, sein nasses Geräusch klang
jetzt, da es von der klaustrophobischen Enge des Schachtes reflektiert wurde, noch monströser. Jedes
einzelne Gliedmaß des Wesens schien sich im Nachschub zu entfalten, ein knotiges Durcheinander von
Armen und Beinen, die gegen den Beton der Fabrikhalle schlugen.
Parzival folgte ihr dicht auf den Fersen, seine breiten Schultern schrammten an den Innenwänden des
Schachts, während er sich mit aller Macht hineinzwängte. Der metallische Gestank wurde hier noch
intensiver, eine Mischung aus Verwesung und kaltem Eisen, die sich wie ein Schleier über ihre Lungen
legte. Das Pfeifen des Windes, das noch vor Sekunden durch die Fabrik pfiff, verwandelte sich in der
engen Röhre zu einem beunruhigenden Raunen, das direkt in ihre Ohren kroch und ihnen das Gefühl gab,
lebendig verschluckt zu werden. „Halt dich fest, Cassandra! Ich höre es direkt hinter uns!“,
brüllte Parzival, seine Stimme rau vom Staub und der Angst, während ein metallisches Kratzen von
ihren Fersen zu kommen schien. Die gesamte Struktur des Lüftungsschachts schien unter der Wucht der
rollenden Entität zu vibrieren, ein ständiges, beunruhigendes Zittern, das jeden Gedanken an
Sicherheit zunichtemachte.
Ein ohrenbetäubendes Grollen erschütterte den
Schacht, als der Klumpen scheinbar gegen die äußere Wand stieß, was einen Hagel von losem Rost und
Betonstaub auf sie herabregnen ließ. Cassandra hustete und wischte sich die Augen frei, ihre Finger
krallten sich an einem der pulsierenden Kabelstränge fest, die sich wie dicke Adern durch das Innere
des Schachts zogen und bei jedem Flackern der fernen Neonröhren unheimlich gelb aufleuchteten. „Wir müssen tiefer!“, rief sie, und ihre Stimme
klang dünn und verängstigt in der erstickenden Enge.
Sie rannten und fanden eine Tür in einen anderen Bereich.
Cassandra rannte, die Lungen brannten, als die nassen, knirschenden Poltergeräusche
des Klumpens direkt hinter ihnen anschwollen, jede Bewegung des Knotens aus Gliedmaßen war ein
eigener, brutaler Schlag gegen die bröckelnde Fabrik. Parzivals Stiefel schlugen hart auf dem
zerstörten Beton auf, ein Echo des panischen Herzschlags, der in seinen Ohren hämmerte. „Hier!“, keuchte er, als sein Blick auf eine
rostige Wartungstür fiel, die sich in die Wand duckte – ein Versprechen auf Flucht, das sie
blindlings ergriffen. Sie stürmten darauf zu, die Luft roch nach fauligem Fleisch und feuchtem Rost, der Geruch
hing schwer wie ein Leichentuch. Doch als Parzival seine Hand ausstreckte, um den Griff zu packen,
prallten sie mit brutaler Wucht gegen ein unsichtbares Bollwerk. Die Tür, die eben noch erreichbar
schien, war mit einem Mal nicht mehr da. Nur eine kalte, nackte Betonwand gähnte sie an, als wäre
sie nie etwas anderes gewesen. „Was zum Teufel?!“,
Cassandra keuchte, ihre Augen weiteten sich in reiner Ungläubigkeit, als sich die knisternde Kälte
des Klumpens von hinten näherte, das blendende Licht der Entität begann, die Schatten um sie herum
zu zerreissen. „Es ist eine Falle! Die Tür war nie da!“ Ihre
Stimme brach, als sich die Schatten um sie herum verdichteten und das Flackern der Neonröhren die
Szenerie in einem wahnsinnigen Tanz aus Licht und Dunkelheit verzerrte.
Sie entdeckten einen Lüftungschacht.
Die rostigen Förderbänder klapperten, als der Klumpen mit einem feuchten Klatschen über sie hinwegrollte, ein
widerliches Geräusch, das im riesigen Fabrikhall so laut widerhallte, als würde die Halle selbst
würgen. Cassandra stolperte über einen verrosteten Stahlträger, dessen scharfe Kante ihren Stiefel
riss, und stieß einen panischen Schrei aus. „Dort!“, keuchte sie, ihre Stimme
überschlug sich vor Anstrengung, während sie auf einen dunklen Spalt in der Wand deutete, der sich
als bröckelnder Lüftungsschacht offenbarte. Ein kalter Luftzug wehte ihr entgegen, der den Geruch
von feuchtem Rost und altem Beton mit sich trug. Es war eine Öffnung, kaum größer als ein Mensch,
eingezwängt zwischen zwei stillgelegten Maschinen, die wie knochige Skelette in der flackernden
Neonbeleuchtung standen.
Parzival, der versuchte, den Abstand zum rollenden Ungetüm zu halten, dessen Gliedmaßen sich zu
einem wirren Knoten aus Armen und Beinen verdrehten, sah den Schacht. „Zu eng!“, rief er, aber seine Augen suchten
bereits verzweifelt nach einem anderen Weg. Die Blendung der Neonröhren tanzte über die metallischen
Oberflächen und ließ die Schatten der Maschinen wie lauernde Bestien erscheinen. Ein metallisches
Summen erfüllte die Luft, pulsierte in ihren Ohren, fast so, als würde die ganze Struktur der Halle
vibrieren. Der Klumpen war nur noch wenige Meter entfernt, sein nasses Poltern ein unerbittlicher
Herzschlag in der Stille der Fabrik. Cassandra wusste, dass es keine Zeit für Zögern gab. Die
einzige Option war vorwärts.
Halten wir Abstand! Siehst du eine Tür?
Das rollende Poltern des Klumpens war kein entferntes Geräusch mehr; es war eine Vibration, die
durch den zersprungenen Betonboden drang, jede Faser in Cassandras Beinen zum Zittern brachte. Der
Knoten aus Gliedmaßen, ein wirres Geflecht aus knirschenden Knochen und rissiger Haut, schoss mit
einer Geschwindigkeit über das Förderband, die der menschlichen Wahrnehmung spottete. Ein Mund,
gesäumt von gezackten Zähnen, riss sich in der Mitte des wirren Körpers auf, als würde die Entität
selbst nach Luft schnappen. Die flackernden Neonröhren über ihnen verwandelten die gigantische
Fabrikhalle in ein Stroboskop des Horrors, jeder Lichtblitz zeichnete die groteske Form des Klumpens
schärfer in die Netzhaut.
„Halten wir Abstand!“,
rief Cassandra, ihre Stimme dünn und rau vor Angst, während sie versuchte, auf dem glitschigen,
ölverschmierten Boden Halt zu finden und sich von dem anstürmenden Grauen wegzudrücken. Der beißende
Geruch von fauligem Fleisch und verbranntem Öl schnitt ihr in die Lungen, vermischte sich mit dem
feuchten Rost, der an den stillgelegten Maschinen klebte. Der kalte, metallische Wind, der durch die
zerbrochenen Fenster pfiff, wurde zu einem eisigen Hauch des Todes, der ihnen über die Haut strich.
„Siehst du eine Tür?“ Ihre
Augen huschten verzweifelt über die verrosteten Stahlträger, die wie Gerippe in den Nebel ragten,
suchten nach einem Spalt, einem Loch, irgendetwas, das nicht die offene, gähnende Leere dieser
Fabrikhölle war. Parzival, der neben ihr her stolperte, hatte sein Brecheisen fest umklammert,
obwohl es gegen diese rollende Masse aus Gliedmaßen so nutzlos war wie ein Zahnstocher. Er keuchte,
seine Augen waren geweitet, fixiert auf die rasende Entität, die keinen Zentimeter nachließ.
Was war es? Wie nannte man es?
Das scharfe Kreischen des aufprallenden Regals hallte noch in den Ohren nach, als Parzival, dessen
Atem in zitternden Wolken vor ihm stand, die Frage seiner Begleiterin aufgriff. „Ein Klumpen“, presste er hervor, die Worte
rau, als würden sie an seiner Kehle kleben. „So nennen sie es hier. Eine… eine Ansammlung.“
Ein metallischer Geruch, schärfer und beißender als zuvor, schnitt durch die kalte, feuchte Luft,
die sich um sie legte wie ein Leichentuch. Die defekten Neonröhren zuckten nervös, und jeder
einzelne Flackerschlag warf neue, verzerrte Schatten in die gigantische Halle, die ohnehin schon ein
Labyrinth aus rostigen Förderbändern und stillgelegten Maschinen war. Über ihnen, in der
undurchdringlichen Nebeldecke, schien etwas Schweres, Uraltes zu lauern, das mit jedem Laut der
Fabrik mitschwang. Der Klumpen selbst, ein unheilvoller Knoten aus verdrehten Gliedmaßen, rollte nun
mit einem nassen, knirschenden Poltern über den bröckelnden Betonboden, sein reflektierendes Äußeres
fing das trübe Licht ein und warf es blendend zurück. Ein eisiger Windzug strich durch die
zerbrochenen Fenster, trug das ferne, metallische Summen der Luft näher heran und ließ das Gefühl
tiefer Paranoia in ihnen wachsen.
„Wir müssen in Bewegung bleiben“, flüsterte
Cassandra, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch in dem ohrenbetäubenden Echo des Schreckens. „Es ist zu schnell. Viel zu schnell.“
Sie sahen was es ist.
Die Welt kippte. Nicht nur der Boden unter ihren Füßen, sondern auch die gesamte Perspektiven, als
das dumpfe Hämmern nicht länger nur ein Geräusch war, das durch den Beton kroch, sondern eine
physische Präsenz, die die dünne Deckung des umgestürzten Regals zerriss. Metall schrie, als eine
unförmige Masse, ein wuchernder Knoten aus verdrehten Gliedmaßen, über die rostigen Kanten des
Regals brach. Es war kein Sturz, sondern ein Ausbruch, eine Explosion aus grauem, feuchtem Fleisch,
das mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit auf sie zuraste. Der Aufprall auf dem Boden war ein
nasses, knirschendes Poltern, das durch ihre
Knochen fuhr und die Luft aus ihren Lungen presste. Das Ding rollte, ein Wirbel aus Armen und
Beinen, die sich zu einem einzigen, wild entschlossenen Angriff formten. Ein aufgerissener Mund,
voller zackiger Zähne, blitzte im flackernden Neonlicht auf, bevor er wieder in der chaotischen
Rotation verschwand.
„Weg da!“, schrie Parzival, seine
Stimme belegt von einer panischen Dringlichkeit, die er selten zeigte. Er stieß Cassandra mit roher
Kraft zur Seite, weg von dem drohenden, rollenden Scheusal. Sie stolperte, ihre Hände schürften über
den kalten, verrosteten Boden, während das Echo des Aufschlags in ihren Ohren nachhallte. Die Luft
selbst schien sich zu verdichten, wurde schwer und metallisch, als ob die bloße Existenz des
Klumpens die physikalischen Gesetze der Halle verzerrte. Jede seiner Bewegungen war zu schnell, zu
flüssig, die Zeit um es herum schien sich zu dehnen und zu stauchen, als würde es mehr Raum in jedem
Moment einnehmen, als ihm zustand. Ein beißender Geruch von fauligem Fleisch und
feuchtem Metall stieg auf und brannte in ihren Nasen, ein direkter Angriff auf ihre Sinne, der die
Panik nur noch verstärkte. Das rollende Grauen war jetzt kein fernes Hämmern mehr, sondern eine
unmittelbare, tödliche Bedrohung, die ihre Deckung nutzlos machte und ihnen nur die Flucht ließ.
Sie gingen in Deckung.
Parzival zog Cassandra abrupt hinter das umgestürzte Metallregal, dessen dicke Rostschichten unter
seinen Fingern abbröckelten. Ein scharfer, metallischer Geruch stieg auf, während sie sich tiefer in
den spärlichen Schutz duckten. Auf dem Regal lagen verstreut verbogene Schrauben und ausgefranste
Kabelstränge, die im flackernden Neonlicht wie tote Schlangen aussahen, nutzlos und vergessen.
Das dumpfe Hämmern, das zuvor nur ein ferner Puls war, schien nun aus den Eingeweiden der Halle
selbst zu kommen. Es war nicht mehr nur ein Geräusch; es war eine Vibration, die sich durch den bröckelnden
Betonboden in ihre Knochen fraß. Jeder Schlag war wie ein Hammerschlag auf ihre eigenen
Schädelknochen, ein unaufhörlicher Rhythmus, der die Luft selbst verdichtete, sie schwer und
drückend machte.
„Was ist das?“,
flüsterte Cassandra, ihre Stimme kaum über dem pochenden Dröhnen zu hören. Ihre Augen suchten die
Schatten ab, die sich mit jedem Flackern der Neonröhren neu formten und dehnten. „Es ist... es ist näher.“
"Suchen wir uns ein sicheren Platz." sagte Parzival.
„Suchen wir uns einen sicheren Platz“, sprach
Parzival, seine Stimme kaum mehr als ein knapper Hauch, der sich an den beißenden Geruch von
verbranntem Öl und feuchtem Rost klammerte. Jeder Schritt, den er auf dem bröckelnden Beton setzte,
war eine bewusste Anstrengung, ein Gewicht, das sich in seinen Gliedern sammelte. Die Luft, kühl und
feucht, schien sich um ihn zu legen, schwer wie die metallische Note, die sie trug.
Ein fernes, dumpfes Hämmern, das eben noch von überall widerhallte, schien sich zu verdichten, als
würde es direkt hinter den nächsten rostigen Förderbändern pulsieren. Es war ein Geräusch, das die
Sinne überforderte, ein unregelmäßiger Herzschlag, der die gesamte Halle zu erfüllen schien. Die
defekten Neonröhren über ihnen zuckten in unheilvoller Synchronizität, warfen lange, zitternde
Schatten, die wie knochige Finger über die stillgelegten Maschinen krochen. Ein umgestürztes
Metallregal, dessen rostige Werkzeuge wie versteinerte Skelette dalagen, schien in diesem
flackernden Licht für einen Augenblick zu vibrieren, als hätte das Hämmern es selbst ergriffen.
„Ich glaube, ein sicherer Platz ist hier ein Luxus, den wir uns nicht leisten können“,
murmelte Cassandra, ihre Augen huschten über die pulsierenden Kabelkanäle, die mit schmutzig gelbem
Licht atmeten. „Dieses Hämmern… es kommt näher, oder?“ Ihre
Hand griff unwillkürlich nach dem filigranen Werkzeug an ihrer Hüfte, ein Reflex, der mehr über ihre
innere Anspannung verriet als jede Geste. Die zerrottenden Baupläne, die an einer der Maschinen
hingen, schienen sich im Windzug von zerbrochenen Fenstern zu kräuseln, als würden sie versuchen,
ihre Geheimnisse zu schützen.
Sie untersuchten das Hämmern.
Der kalte Zug, der durch die zerbrochenen Fenster pfiff, schien mit der unheimlichen Stille der
Fabrikhalle zu wetteifern, doch das ferne, dumpfe Hämmern durchbrach jede Illusion von Ruhe.
Cassandra und Parzival bewegten sich vorsichtig auf die Quelle des Geräuschs zu, ihre Schritte
hallten auf dem staubigen Betonboden wider. Ein Stapel verrottender, ölverschmierter Baupläne lag
neben einem umgestürzten Metallregal, dessen Inhalt, eine Ansammlung rostiger Werkzeuge, über den
Boden verstreut war. Das Licht der defekten Neonröhren flackerte über die Szene, tauchte alles in
ein unheilvolles Spiel aus Schatten und gelblichem Schein.
Das Hämmern wurde lauter, rhythmischer, als sie die undichten Kabelkanäle erreichten. Die Kanäle
pulsierten nicht nur mit einem schmutzigen Gelb, sondern schienen auch zu atmen, als würde ein
riesiger, unsichtbarer Organismus unter der rostigen Hülle leben. Ein leiser, metallischer Geruch,
der an überhitzte Maschinen und altes Blut erinnerte, stieg ihnen in die Nase. Plötzlich schien das
Hämmern nicht mehr nur aus den Kanälen zu kommen; es hallte von den weit entfernten Wänden, von der
Decke, ja sogar vom Boden selbst wider, als würde die ganze Halle im Takt dieses unheimlichen
Herzschlags vibrieren. Eine der stillgelegten Maschinen, ein gigantisches Zahnradgetriebe, das seit
Jahrzehnten stillstehen musste, zuckte leicht, als würde ein unsichtbarer Impuls durch seine
rostigen Gelenke fahren.
„Hörst du das?“, flüsterte Cassandra, ihr Blick
huschte von den pulsierenden Kanälen zu Parzival. „Es ist... überall. Und die Maschine dort drüben hat sich bewegt.“
Parzival nickte langsam, seine Hand legte sich auf den Griff seines Brecheisens. „Es ist eine Resonanz“, murmelte er, seine
Stimme kaum lauter als das Knistern der defekten Elektronik. „Das Geräusch wird nicht nur übertragen, es wird *verstärkt*. Die ganze Struktur der Halle scheint es zu kanalisieren. Und die Bewegung der Maschine... ungelöste Physik, Cassandra. Oder ein sehr, sehr cleverer Trick.“
Das Hämmern schien auf ihre Stimmen zu reagieren, wurde schneller, dringlicher. Jeder Schlag war ein
Stoß gegen die Brust, ein Echo in ihren Schädeln.
Sie fanden einen Ausgang.
Die endlose Autobahn schien sich unter ihren Füßen zu verflüssigen, als eine plötzliche Abzweigung
aus dem Nichts auftauchte. Ein massives, zerfallenes Tor aus verrostetem Stahl riegelte den Weg ab,
seine Oberfläche von tiefen Rissen durchzogen. Der monotone Ruf der Autobahn verstummte abrupt, als
sie sich dem Tor näherten, ersetzt durch ein fernes, dumpfes Hämmern, das aus dem Inneren zu kommen
schien. Die Luft wurde schwer vom Geruch verbrannten Öls und feuchten Rosts.
Das Hämmern drang durch den Stahl, ein
rhythmischer Puls, der in ihren Knochen widerhallte. Cassandra legte eine Hand auf den kalten, rauen
Beton, der das Tor umgab. „Das ist es“, flüsterte sie, ihre
Stimme belegt von einer Mischung aus Erleichterung und unbestimmter Sorge. „Ein Ausgang. Aber wohin?“
Parzival nickte, seine Augen suchten die dunklen Spalten des Tores ab. „Der Kartograph hat uns hierher geführt. Wir müssen hindurch.“
Er schob eine verrostete Metallplatte beiseite, die einen schmalen Spalt im Tor verdeckte. Dahinter
lag nichts als Schwärze, doch das Hämmern wurde lauter, insistenter. „Bereit?“
War es ein Weg, diesen Level zu verlassen?
Cassandra drehte sich abrupt um, das pulsierende Gelb der Kabelkanäle spiegelte sich in ihren Augen.
„Ein Weg? Ja, es muss einen geben“, flüsterte
sie, ihre Stimme belegt von der ätzenden Luft,
die nach verbranntem Ozon und altem Öl stank. „Aber wir müssen ihn finden, bevor diese Geräusche uns noch tiefer in den Wahnsinn treiben.“
Sie deutete mit dem Kopf in Richtung der rhythmischen Hammerschläge,
die unaufhörlich aus den undichten Kanälen drangen und das alte Verkehrsschild in leise Resonanz
versetzten.
Das ferne Rauschen des Verkehrs schien sich in
diesem Moment zu verdichten, wurde zu einem unheilvollen Chor, der von den rostenden Fahrzeugwracks
widerhallte. Parzival nickte, seine Miene ernst. „Der Kartograph hat uns in diese Richtung geschickt, weg von dem Grinsen“,
sagte er, seine Hand ruhte kurz auf dem Griff seines Brecheisens. „Jeder Level hat einen Übergang. Wir müssen die Augen offen halten, nach etwas, das nicht hierher gehört, nach einem Bruch in dieser endlosen Straße.“
Er blickte über die zerborstene Fahrbahn, wo die Realität sich im Abgrund zu verflüssigen schien,
ein Ort, von dem ein kalter, abwesender Geruch
aufstieg.
Sie nahmen einen Schluck Mandelwasser.
Cassandra hob die Flasche mit dem pulsierenden Mandelwasser an. Ihr schimmernder Inhalt tanzte wie
gefangenes Polarlicht, verströmte eine seltsame, scharfe Süße, die sich selbst durch den beißenden
Geruch von Abgasen und verbranntem Ozon drängte. Der erste Schluck war kühl, dann breitete sich eine
unwirkliche Wärme in ihrer Kehle aus, ein Gefühl, als würde sich jeder Nerv neu kalibrieren. Die
eisige Kälte der Autobahn schien für einen Moment zu verblassen, während das organische Hämmern der Kabelkanäle in den Hintergrund
rückte, gedämpfter, weniger bedrohlich.
Parzival nahm die Flasche entgegen, seine Finger umklammerten das unnatürlich leuchtende Glas. Er
zögerte einen Augenblick, sein Blick streifte die tanzenden Schatten der rostenden Wracks, die sich
im pulsierenden Gelb der Kanäle verzerrten. Dann setzte er die Flasche an die Lippen. Das Wasser war
süß, fast zu süß, und hinterließ einen metallischen Nachgeschmack, der sich mit dem Geruch von altem Öl vermischte. Ein sanfter
Schauer lief ihm über den Rücken, nicht vor Kälte, sondern vor einer plötzlichen Klarheit, die die
verschwommenen Kanten der Paranoia glättete.
„Fühlt sich an, als würde man ein neues Paar Augen bekommen“,
murmelte Cassandra, ihre Stimme klang fester, weniger gehetzt als zuvor. „Weniger... verrückt.“
Parzival nickte langsam, sein Blick wanderte zu den zerbrochenen Rückspiegel-Scheiben, die immer
noch das tiefe Violett des Abgrunds reflektierten. „Es ist, als würde der Lärm endlich Sinn ergeben. Oder zumindest, als würde er aufhören, Unsinn zu schreien.“
Sie fanden die Quelle des Hämmerns.
Der Geruch von verbranntem Ozon stach in Cassandras Nase, während das rhythmische Hämmern aus den
Kabelkanälen nicht nur lauter, sondern auch beunruhigend organischer wurde. Jeder Puls schien die
dünnen Metallwände der Kanäle atmen zu lassen, ein kranker, gelber Schein zuckte über die rostigen
Oberflächen. Ein loses Stück Draht, das von einem der Kanäle herabhing, vibrierte im Takt, seine
Bewegung war fast wie ein Zucken.
„Das Geräusch... es ist nicht mechanisch“,
flüsterte Parzival, seine Stimme rau. Er legte eine Hand auf das kühle, raue Beton der Wand neben
sich, als würde er sich an der Stabilität festhalten wollen. „Es klingt, als würde etwas dort drin… leben.“
Ein aufgerissener Reifenteil, der am Rande der Fahrbahn lag, spiegelte das pulsierende Licht wider,
seine zerfetzten Kanten wirkten wie starre Zähne. Die Luft um die Kanäle herum war spürbar feuchter,
eine klamme Wärme kontrastierte die eisige Kälte der Autobahn. Hinter ihnen tanzten die grotesken
Schatten, geworfen von den zuckenden Lichtern, und ließen die verrosteten Fahrzeugwracks wie
lauernde Bestien erscheinen. Ein metallisches Klirren, das sich mit dem Hämmern vermischte, schien
aus den Tiefen eines besonders zerbeulten Wracks zu kommen, dessen Scheiben wie leere Augenhöhlen in
die Schwärze starrten.
Sie gingen dem Hämmern nach.
Cassandra und Parzival bewegten sich mit bedächtigen, fast schleichenden Schritten auf die undichten
Kabelkanäle zu, deren schmutzig-gelbes Licht pulsierte, als würde ein kranker Herzschlag aus ihrem
Inneren dringen. Jeder ihrer Schritte auf dem Kies und Schutt des Bodens fühlte sich an wie eine
bewusste Entscheidung gegen die bleierne Schwere der Luft. Ein verrostetes Kanisterfragment rollte
unter Parzivals Stiefel, sein leises Klirren hallte viel zu laut in der unnatürlichen Stille, die
nur vom fernen, zersplitterten Rauschen des Verkehrs durchbrochen wurde.
Aus den Kanälen quoll nicht nur Rauch, sondern auch ein rhythmischer, dumpfer Schlag, der nicht
mechanisch klang, sondern organisch – wie ein Riese, der tief im Beton gefangen war und mit letzter
Kraft um Befreiung hämmerte. „Hörst du das?“,
flüsterte Cassandra, ihre Stimme rau, kaum mehr als ein Atemzug in der kalten Luft. Ihr Blick
haftete an den rauchenden Kabeln, die sich wie schwarze Adern unter der bröckelnden Oberfläche
wanden. „Es klingt... lebendig.“
Parzival nickte langsam, sein Gesicht war eine Maske aus Anspannung. „Es ist zu regelmäßig für ein technisches Versagen. Und zu... *tief*.“
Er deutete auf einen der undichten Spalte, aus dem das gelbe Licht zuckte. „Was auch immer da drin ist, es ist nicht allein. Die Kabel selbst scheinen zu atmen, sie pumpen dieses Licht wie Blut durch einen verrotteten Organismus.“
Ein metallisches Klirren, unmerklich, aber spürbar, ging von einem der Gerippe einstiger
Verkehrsschilder aus, als würde es im Takt des unsichtbaren Hammers mitschwingen, eine stumme
Warnung. Die Luft war erfüllt von dem Geruch verbrannten Ozons, der sich mit dem eisigen Hauch der
Absenz vermischte, und Cassandra spürte, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufstellten, als würde
eine unsichtbare Hand über ihre Haut streichen.
Sie gingen zu den Kabelkanälen.
Jeder Schritt hallte schwer auf dem Asphalt, während Cassandra und Parzival sich den undichten
Kabelkanälen näherten. Das schmutzige, gelbliche Licht, das aus den Spalten drang, pulsierte wie ein
fiebriger Herzschlag, warf tanzende Schatten auf ihre Gesichter. Ein dünner Rauchfaden kroch aus
einer der Ritzen, schmeckte nach verbranntem Ozon und einer elektrischen Süße, die sich auf der
Zunge festsetzte. „Was ist das für ein Hämmern?“,
flüsterte Cassandra, ihre Stimme rau vor Anspannung, während das dumpfe, rhythmische Geräusch aus
der Tiefe der Leitungen zu kommen schien, ein unheilvoller Taktgeber in der endlosen Stille der
Autobahn. Verrostete Metallplatten, die die Kabel bedeckten, vibrierten synchron mit dem Geräusch,
als ob ein unsichtbarer Mechanismus tief im Inneren arbeitete, der die gesamte Struktur der Fahrbahn
erschütterte. Staubpartikel schwebten im pulsierenden Licht, wirbelten wie winzige Geister im
schwachen Schein, bevor sie wieder in die Dunkelheit sanken.
Sie nutzten diese Gelegenheit.
Die Schritte hallten schwer auf dem brüchigen Asphalt, jeder Aufprall ein dumpfer Schlag gegen die
Stille, die nur vom unaufhörlichen Rauschen des nicht existierenden Verkehrs durchbrochen wurde.
Cassandra spürte, wie sich die Kälte des Smilers noch immer in ihre Knochen fraß, eine eisige
Umarmung, die trotz der Distanz nicht nachließ. Ein verrostetes Blechschild, halb im Schutt
vergraben, schien sich im Rand ihres Blickfeldes unmerklich zu verschieben, als würde es versuchen,
ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
„Hört ihr das?“
flüsterte Parzival, seine Stimme rau vor Anspannung, während er sich umblickte. „Dieses Hämmern... es kommt nicht von hier, oder?“
Tatsächlich. Ein dumpfes, rhythmisches Hämmern, schwach, aber unverkennbar, schob sich durch das
monotone Rauschen der Autobahn. Es war ein Geräusch, das nicht in diese endlose Leere passte, ein
Fremdkörper, der eine neue Art von Unbehagen säte. Die undichten Kabelkanäle, aus denen schmutziges,
gelbliches Licht pulsierte und leichter Rauch aufstieg, schienen in Resonanz mit diesem fernen
Schlag zu vibrieren, als würden sie selbst versuchen, eine Botschaft zu übermitteln. Die
zerborstenen Scheiben der verlassenen Fahrzeuge spiegelten das unerklärliche Violett des Abgrunds
wider, das wie lauernde Augen in der Dunkelheit glühte und ihre Bewegungen zu verfolgen schien. Der
Geruch von verbranntem Ozon, der aus dem Abgrund aufstieg, mischte sich mit dem beißenden Gestank
von Abgasen und altem Öl, eine ekelhafte Mischung, die ihr die Kehle zuschnürte. Ein Gefühl,
beobachtet zu werden, legte sich wie ein feuchter Schleier über sie, und jeder Schatten schien sich
zu verdrehen, eine neue Bedrohung zu formen.
Es geht nicht anders, Sie nutzten diese Gelegenheit.
Ein eisiger Hauch von Absenz folgte ihnen, als sie die Gelegenheit nutzten, um tiefer in die
nordwestlichen Abschnitte der Autobahn vorzudringen. Das leuchtende Grinsen und die schwebenden
Augen des Smilers zogen sich widerwillig in die dichten Schatten des Abgrunds zurück, wurden kleiner
und verschwammen mit der geometrischen Verzerrung der sich krümmenden Realität, die das Ende des
Geländers verschlang. Cassandra stolperte über ein verrostetes Blechschild, das halb im bröckelnden
Asphalt steckte, und fing sich gerade noch ab. Ein metallisches Klirren
hallte von den aufgegebenen Wracks in der Tiefe, ein Geräusch, das wie eine physische Präsenz die
Luft zu verdichten schien.
„Es zieht sich zurück“, flüsterte sie, ihre
Stimme rau, während sie sich umsah. „Aber es ist nicht weg.“
Ihr Blick huschte über die zerborstenen Scheiben der Autowracks, in denen sich das tiefe,
unerklärliche Violett spiegelte – Augen, die jede ihrer Bewegungen zu verfolgen schienen.
Parzival nickte und zog sein filigranes Werkzeug fester in der Hand. „Es wartet. Wir haben nur einen Aufschub gewonnen, keine Flucht.“
Er trat vorsichtig neben einen aufgerissenen Reifenteil, dessen zerfetzte Gummifäden wie dunkle,
erstarrte Schlangen aussahen. Der scharfe, hohe Fiepton, der pulsierend durch die Luft schnitt, war
nun leicht gedämpft, doch das unaufhörliche Rauschen des nicht vorhandenen Verkehrs zersplitterte
immer noch in verzerrte Echos. „Der Kartograph sagte, hier wäre mehr Licht“,
murmelte er, seine Augen suchend über die undichten Kabelkanäle gleitend, aus denen ein schmutzig
gelbliches Licht pulsierte und leicht rauchte. „Wir müssen einen Weg hier raus finden, bevor es wiederkommt. Wo ist der Ausgang, Cassandra?“
Da hatte Parzival eine Idee.
Eine plötzliche Erkenntnis durchzuckte Parzival. Er legte eine Hand auf das rohe, faustgroße
Anomaliekristall
in seiner Tasche, das eine kühle, aber unbestreitbare Präsenz ausstrahlte. Seine Finger strichen
über die glatte, makellose Oberfläche, während sich sein Blick auf die tanzenden Schatten des
Abgrunds richtete, in denen das
leuchtende Grinsen
des Smilers immer noch lauerte. „Wir müssen die Verzerrungen des Smilers selbst nutzen“,
murmelte er, seine Stimme gedämpft vom unaufhörlichen Rauschen des Nicht-Verkehrs. „Der Kartograph könnte mit dem Kristall die Muster seiner Raumkrümmung abbilden. Das gibt uns eine echte Route – nicht nur eine Vermutung.“
Ein leises Knistern ging von den undichten
Kabelkanälen
aus, als hätte die Umgebung auf Parzivals Worte reagiert. Cassandra zog scharf die Luft ein. „Aber der Kristall… er zieht Aufmerksamkeit an“,
wisperte sie, ihre Augen huschten zwischen dem Abgrund und Parzival hin und her. „Er verstärkt auch die eigene Präsenz. Wir könnten damit das Biest direkt anlocken, anstatt es zu verstehen.“
Der beißende Geruch von Ozon in der Luft schien
sich mit jedem ihrer Worte zu intensivieren, wie eine Warnung.
Sie rannten weiter.
Ein eisiger Windzug peitschte Cassandra ins Gesicht, während ihre Füße auf dem brüchigen Asphalt
nach Halt suchten. Jeder Schritt war ein dumpfer Aufprall, der durch die rostigen Wracks hallte, die
zu beiden Seiten der Fahrbahn als leere Hüllen aufragten. Die Luft, dick und beißend nach Abgasen
und altem Öl, schien sich um sie zu legen, machte jeden Atemzug zu einem Kampf.
„Weg hier!“, presste Parzival
hervor, seine Stimme rau, aber bestimmt, während er vorauspreschte, den Blick starr auf die
verschwommene Weite des Nordwestens gerichtet.
Das ferne Rauschen des Verkehrs, das aus dem Nichts kam und nirgendwohin führte, zersplitterte in
unregelmäßigen, pulsierenden Echos, die sich mit einem metallischen Klirren und dem verzerrten
Summen aus den Tiefen der Abgründe vermischten. Dieses Summen, es war nicht nur ein Geräusch; es war
eine Vibration, die sich in ihren Knochen festfraß, eine physische Präsenz, die jede Faser ihres
Körpers warnte. Über ihnen zuckte ein schmutziges, gelbliches Licht aus undichten Kabelkanälen, die
nun leicht rauchten, ihre Schatten tanzten wie groteske Marionetten auf dem zersplitterten Asphalt.
Cassandra riss den Blick für einen Moment zum Abgrund. Dort, wo die Realität sich zu krümmen und zu
verflüssigen schien, schwebten das unnatürlich breite, leuchtende Grinsen und die zwei Augen des
Smilers. Auch wenn sie zurückgewichen waren, blieben sie eine stille, violett glühende Präsenz, ein
unentwegter Fokus des Schreckens. Ein einstiges Verkehrsschild knarrte leise in Resonanz mit dem
hohen Fiepton, der nun leicht gedämpft, aber immer noch schneidend durch die Luft pulsierte. Sie
wusste, dass das Entkommen nicht nur aus körperlicher Distanz bestand, sondern auch aus dem Brechen
dieses stillen Blicks.
Sie probierten es aus.
Cassandra zögerte keinen Moment. Ihre Finger, von einer kühlen Entschlossenheit geleitet, fanden die
lose Isolierung an den undichten Kabelkanälen.
Ein scharfer, metallischer Geruch von verbranntem Gummi stieg auf, als sie die Drähte
kurzschloss. Für einen Augenblick explodierte die Dunkelheit in einem blendenden, zuckenden Blitz –
so hell, dass er die Schatten aus den tiefsten Ecken riss und die Augen der beiden Reisenden
schmerzhaft zusammenzucken ließ.
„Da! Es hat funktioniert!“, keuchte Cassandra,
ihre Stimme zitterte vor Adrenalin, während die Nachbilder des gleißenden Lichts ihren Blick
vernebelten.
Das leuchtende Grinsen und die Augen des Smilers, die noch Sekunden zuvor bedrohlich nahe geschwebt
hatten, verzerrten sich in einem Schockmoment und zogen sich mit einer überraschenden
Geschwindigkeit tiefer in die Schwärze des Abgrunds zurück. Doch die Erleichterung war nur von
kurzer Dauer. Das grelle, unnatürliche Violett der Reflektionen kehrte fast augenblicklich in die
zerbrochenen Rückspiegel-Scheiben zurück, während das ferne Rauschen des Verkehrs wie ein hungriges
Tier wieder anschwoll.
Parzival packte Cassandras Arm. „Es ist immer noch da! Wir müssen weiter! Nach Nordwesten, wie der Kartograph sagte! Beweg dich!“,
herrschte er, seine Augen huschten unruhig über die immer noch flackernden Kabelkanäle, aus denen
nun ein dünner Rauch aufstieg, der den beißenden Geruch von Ozon und Elektrizität in die Luft
mischte.
Konnte man etwas kurzschließen, um mit Licht den Weg zu blockieren?
Cassandra presste die Handflächen gegen die kalten, rissigen Betonwände, ihr Blick huschte über die
undichten Kabelkanäle, aus denen das gelbliche
Licht pulsierte. Ein Gedanke blitzte auf, wild und verzweifelt. „Kann man hier nicht etwas kurzschließen?“,
flüsterte sie, ihre Stimme kaum lauter als das verzerrte Rauschen des Verkehrs,
das sich wie eine physische Präsenz anfühlte. „Ein Lichtblitz, um ihn zu blockieren?“
Parzival, der mit starrem Blick auf das unnatürlich breite Grinsen
des Smilers in der Tiefe des Abgrunds starrte, zuckte leicht zusammen. Die Kälte, die von dem Wesen
ausging, fraß sich in die Knochen, ein
eiskalter Hauch
der Absenz, der jeden Atemzug erstickte. Er drehte den Kopf, seine Augen, in denen sich das tiefe
Violett des Grinsens spiegelte, suchten ihre. „Vielleicht“,
murmelte er, seine Hand griff nach dem
rostigen Brecheisen
an seiner Seite, „aber das ist ein Risiko, Cassandra. Ein hohes.“
Wie kann man Sie angreifen oder vertreiben fragte Cassandra.
Cassandras Stimme, normalerweise so klar, war nur ein angestrengtes Flüstern gegen die sich
ausbreitende Stille. „Wie kann man Sie angreifen oder vertreiben?“,
fragte sie, ihre Augen suchten fieberhaft nach einer Antwort in Parzivals Blick, während das
violette Grinsen in den Schatten des Abgrunds sich weiter ausbreitete. Das ferne Rauschen des
Verkehrs schien sich in diesem Moment zu verzerren, ein mechanisches Stottern, das sich über die
endlose Autobahn legte und die Luft vibrieren ließ. Ein metallisches Klirren
schlug vom Abgrund herauf, als würde dort unten etwas Großes in Bewegung gesetzt, und der hohe
Fiepton, der mit dem Smiler kam, bohrte sich tiefer in ihre Schädel. Jeder Atemzug war ein Kampf
gegen die eisige Absenz, die mit dem Ding kam, ein Geruch von Verfall, der sich an ihren Nasen
festsetzte.
Parzival presste die Lippen zusammen, seine Hand zuckte unwillkürlich zu seinem Gürtel, wo kein
Schwert hing. Er fixierte das leuchtende Grinsen, das sich in der zerborstenen Rückspiegel-Scheibe
widerspiegelte, eine verzerrte Fratze, die nun näher schien, als es vernünftig war. „Angreifen… nein“, murmelte er, seine Stimme
rau. „Es existiert nur im Schatten, Cassandra. Licht… nicht, um es zu treffen, aber um es abzulenken.“
Er sah zu den undichten Kabelkanälen auf, aus denen das schmutzig-gelbliche Licht pulsierte,
synchron zu ihrem rasenden Herzschlag. „Wir müssen es in die Helligkeit treiben. Oder seinen Weg blockieren, bevor es uns den unseren versperrt.“
Das Gerippe eines einstigen Verkehrsschildes in der Nähe begann, mit einem leisen Knarren zu vibrieren, als hätte die Präsenz des
Smilers selbst die toten Dinge zu einer Reaktion gezwungen.
KI, was können wir am besten tun? Wo ist es am hellsten?
Ein metallisches Zirpen durchzog die Luft, als der Kartograph die Stille durchbrach, seine Stimme
kühl und präzise, bar jeder Emotion, die den beiden Überlebenden die Kehlen zusammenschnürte. „Ihre aktuelle Position zeigt eine 67,4-prozentige Wahrscheinlichkeit für weitere Exposition gegenüber der Entität an. Die optimale Fluchtroute, basierend auf Lichtintensität und struktureller Integrität, verläuft entlang der nordwestlichen Fahrbahnabschnitte. Dort, wo die gelblichen Kabelkanäle am schwächsten pulsieren, ist die Abwesenheit des Lichts am geringsten.“
Cassandra stieß ein kehliges Geräusch aus, als wäre ihr die Luft abgedrückt worden. „Es ist überall!“
Ihre Stimme war ein raues Flüstern, das kaum über das verzerrte Rauschen des Verkehrs hinwegkam,
welches jetzt direkt in ihren Schädeln zu vibrieren schien. Parzival nickte nur steif, sein Blick
unbewegt auf die schwebenden Augen im Abgrund gerichtet. „Sie haben uns noch nicht ... oder?“
Er klang weniger, als würde er eine Frage stellen, und mehr, als würde er sich selbst davon
überzeugen wollen, dass die Realität noch Bestand hatte. Das ferne, unaufhörliche Rauschen von nicht
vorhandenem Verkehr zersplitterte in unregelmäßige, pulsierende Echos, die sich wie eiskalte Finger
auf der Haut anfühlten. Die schmutzigen, gelblichen Lichter der undichten Kabelkanäle pulsierten im
Takt ihres eigenen rasenden Herzschlags und warfen tanzende, verzerrte Schatten, die sich wie
lauernde Hände an den rostenden Fahrzeugwracks festkrallten. Ein beißender Geruch nach Abgasen und
feuchtem Beton, vermischt mit einem scharfen Hauch rostenden Metalls, kratzte in ihren Lungen. Der
eisige Hauch der Absenz des Smilers wurde mit jedem Schlag der pulsierenden Lichter intensiver, ein
Versprechen auf die Kälte, die sie erwartete.
Ein hohes, schneidendes Fiepen durchzog die Luft,
verstärkt durch die scheinbare Nähe des Grinsens, das sich nun, wie ein gemaltes Bild, mit dem
Violett der Abgrundreflexionen zu einem einzigen, bedrohlichen Blick verschmolz. Die Fahrbahn selbst
schien unter ihren Füßen zu vibrieren, ein Echo des unsichtbaren Treibers, der sie in dieser
endlosen Schleife gefangen hielt.